Gefeierter Jazzpianist David Helbock leitet Spielboden-Reihe

Kultur / 23.01.2020 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die nächsten Konzerte führen den Vorarlberger Jazzpianisten David Helbock von Süddeutschland bis Südafrika. LYNHAN BALATBAT

Vorarlberger Jazzpianist David Helbock: „Ich bin generell sehr offen.“

Christa Dietrich

Dornbirn Er ist gerade zwischen Berlin und Lörrach unterwegs, in der kommenden Woche steht ein Konzert in Belgien in seinem Terminkalender und bald folgen Auftritte in Südafrika. Abstecher in Vorarlberg wird der gefeierte Jazzpianist David Helbock (36) in den nächsten Jahren öfter als zuletzt einplanen, denn den besonderen Bezug zur Heimat hat er nicht nur jüngst durch die Mitwirkung beim Neujahrskonzert des Jugendsinfonieorchesters Mittleres Rheintal bekundet, er ist auch der neue Leiter der Jazz-Reihe am Dornbirner Spielboden. Auf die Frage nach seiner Motivation antwortet er rasch: „Der Spielboden war für mich schon als Kind und Jugendlicher jener Ort, an den man gegangen ist, wenn man etwas Gutes hören wollte.“ Bei den Jazzkonzerten seien die Reihen immer voll besetzt gewesen, erzählt er im Gespräch mit den VN. Als ihn Martin Eberle, der die Jazz-Reihe in den letzten beiden Jahren geleitet hatte, fragte, ob er die Kuratorenschaft übernehmen könnte, hat er in Erinnerung an einige prägende Erlebnisse am Spielboden zugesagt. Da er bei internationalen Festivals auftritt, habe er ein gutes Netzwerk, was den Aufwand trotz seiner vielen Verpflichtungen überschaubar mache, gibt er sich optimistisch.

Start mit Anton Eger

Den Auftakt macht der schwedisch-norwegische Schlagzeuger Anton Eger mit seinem Quartett am 5. Februar. Nach Christian Muthspiel tritt David Helbock im April dann selbst mit Johanna Borchert auf, der deutschen, mittlerweile in Dänemark lebenden Sängerin, die sich mit starker, dunkler Stimme und zum Teil humorvollen Songs einen Namen gemacht hat. Bei der Richtung, in die er die Jazz-Reihe lenkt, will sich Helbock noch nicht festlegen. „Ich bin generell recht offen“, sagt er, fügt aber auch an, dass er sein Publikum gerne fordern und erreichen möchte, dass man ihm vertraut, das heißt, auch kommt, wenn weniger bekannte Namen auf dem Programm stehen. Fest stehe, dass er auch gute junge Musiker fördern möchte und, so wie es jeder maßgebliche Kurator macht, eben das anbietet, was er selbst gerne hört, was ihn interessiert oder fasziniert. Seit es in seinem Umfeld bekannt wurde, dass er die Reihe kuratiert, hat er bereits einige Anfragen bekommen: „Ich bin am Aussortieren.“

„Ich möchte das Publikum fordern und hoffe, dass es mir vertraut.“

David Helbock, Jazzpianist, Kurator

Dass er nicht oder nicht nur die Stars im Auge haben darf, versteht sich schon allein wegen der finanziellen Situation am Dornbirner Spielboden, dem traditionsreichen, nahezu ganzjährig geöffneten Kulturanbieter des Landes, der mehrere Sparten abdeckt.

Mittelprächtiges Budget

Geschäftsführerin Heike Kaufmann beziffert das Gesamtbudget gegenüber den VN mit 1.150.000 Euro. Die Subvention vonseiten des Landes Vorarlberg beträgt 272.000 Euro, der Bund überweist 128.000 nach Vorarlberg und die Stadt Dornbirn hat für den Spielboden 301.000 Euro im Budget.

Etwas hat David Helbock noch verraten: Während der Jazzpianist, der 2018 mit dem Österreichischen Staatsstipendium für Komposition ausgezeichnet wurde, etwa mit dem Programm des neuen Albums „Playing John Williams“ durch die Kontinente tourt, spricht er mit dem Verlag bereits über das nächste Projekt.

Konzert mit dem Anton Eger Quartett, 5. Februar, Spielboden; am 19. März folgen Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna; am 8. April David Helbock und Johanna Borchert.