Von Personen und Verliebten, die Bedeutendes schufen

Kultur / 23.01.2020 • 12:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Postkarte aus dem Jahr 1900: Der Bizauer Bartholomäus Fröwis teilte seiner Angebeteten seine Empfindungen in Musiknoten mit. KOMMUNALARCHIVE

Die Vorarlberger Kommunalarchive rücken interessante Menschen und Ereignisse ins Licht.

Dornbirn Der recht aktive Arbeitskreis der Vorarlberger Kommunalarchive ist in den letzten Jahren anlässlich der langen Nacht der Museen jeweils mit eigenen Ausstellungen zu unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten aufgetreten. Die Ausstellungen von 2017 (Frauengeschichten) und 2018 (Männergeschichten) wurden nun in einem Band „Frauen- und Männergeschichten in und aus Vorarlberg“ nach- und aufbereitet.

Frauen- und Männergeschichten

Der überwiegende Teil der vorgestellten Persönlichkeiten führte ein von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes Leben, obwohl sie bei genauerem Hinschauen Bedeutendes geschaffen haben. Das gilt vor allem für einige der beschriebenen Frauen, etwa die Stickerin Anna Reichetzeder aus Krumbach (Barbara Motter), die Musikerin, Autorin und Fotografin Hedwig Ender-Kohler aus Bezau (Katrin Netter), die Malerin Lisa Egger aus Frastanz (Thomas Welte) oder die Bregenzer Sozialarbeiterin Agathe Fessler (Thomas Klagian). Daneben finden sich berührende Frauenschicksale wie jenes der Irma Haller aus Hörbranz (Willi Rupp) oder der Aurelia Waibel, die im Schatten ihres im Licht der Öffentlichkeit stehenden Gatten, des Dornbirner Bürgermeisters Dr. Johann Georg Waibel, ein bescheidenes Frauenleben zubrachte (Helga Platzgummer).

Liebesgrüße in Musiknoten

Katrin Netter vom Bregenzerwaldarchiv hat den Frauenleben aus dem 19. und 20. Jahrhundert mit einem instruktiven Vorwort einen einfassenden Rahmen gegeben. Für die einführende Klammer der Männergeschichten des Ausstellungsjahres 2018 sorgten Andreas Brugger vom Montafonmuseum und Oliver Heinzle vom Archiv der Marktgemeinde Lustenau. Auch hier findet sich ein breites Spektrum an Männern. Solche, die durch besondere Leistungen mehr oder weniger bekannt sind, wie der Seilbahnpionier Karl Peter (Roland Pizzi), der Dornbirner Stadtrat Bruno Amann (Werner Matt), der Widerstandskämpfer Alois Jeller (Christof Thöny) oder Generalvikar Carl Lampert (Michael Fliri). Andere fielen als dörfliche Originale auf, oder überlebten, wie Pepe Rossaro, 1928 eine Nacht auf einer Eisscholle (Nicole Ohneberg). Besonders originell war der Bizauer Bartholomäus Fröwis, der seiner Liebsten Theresia Metzler um 1900 postalische Liebesgrüße aus der Militärkaserne zukommen ließ. Da er und seine Braut musikbegeistert waren, schrieb er die Karten in Musiknoten, die die Empfängerin als Text entschlüsseln konnte. Insgesamt ein ansprechender Band, der 34 teils einfache, aber interessante Menschen aus 20 Vorarlberger Gemeinden ins Licht rückt und damit Einblicke in Lebenswelten bietet, die nur selten in den Fokus der historischen Ausleuchtung kommen. Meinrad Pichler

Lesetipp: „Frauen- und Männergeschichten in und aus Vorarlberg“, herausgegeben von Andreas Brugger, Werner Matt, Katrin Netter, Arbeitskreis Kommunalarchive.