Altes Märchen von Hans Christian Andersen wunderschön neu vertont

Kultur / 24.01.2020 • 18:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Viel Schnee, noch mehr Poesie, aber auch viel Psychologie: Uraufführung der Oper „The Snow Queen“ in München. Staatsoper/Hösl
Viel Schnee, noch mehr Poesie, aber auch viel Psychologie: Uraufführung der Oper „The Snow Queen“ in München. Staatsoper/Hösl

„The Snow Queen“ als Oper, in der es unaufhörlich filigran klingt und schneit.

München, Bregenz Selten erweist sich ein Orchester als eine derart sacht angelegte Umhüllung einer Stimme, wie das jüngst an der Münchner Staatsoper im Zusammenspiel des Bayerischen Staatsorchesters mit Barbara Hannigan geschah. Wobei man annehmen darf, dass der dänische Komponist Hans Abrahamsen (geb. 1952) bei der Arbeit an der Oper „The Snow Queen“ die Qualität und vor allem den Klang des Gesangs der kanadischen Sopranistin im Ohr hatte. Hannigan verkörpert die Partie der Gerda in diesem Werk nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, das in der englischen Version in München uraufgeführt wurde und auf enorme Zustimmung des Publikums stieß. Selbst jene, die in der Pause noch bemerkten, dass diese „Schneekönigin“ ganz gewiss nichts für Kinder sei oder bekundeten, dass die Kälte, die Abrahamsen zum Ausdruck bringt, in der Tat schmerzt, störten den allgemeinen Jubel nicht. Beste Voraussetzungen dafür, die passend in den Wintermonaten angesetzte Produktion erneut im Rahmen der Münchner Festspiele im Sommer zu zeigen.

Festivalcharakter hat die Produktion sowieso. Und das lag an weiteren Protagonisten wie der amerikanischen Mezzosopranistin Rachael Wilson als Kay oder am englischen Bassisten Peter Rose in der Titelrolle. Vor allem aber an Cornelius Meister, der ein Orchester, das in diesem Fall neben den üblichen Instrumenten mit allerlei Glöckchen und Trommeln besetzt ist, zum kompakten Klangkörper verschmelzen ließ, der eine Filigranität erreicht, die auch den am Schluss vor den Vorhang tretenden Komponisten, der in diesem Werk einige der früheren Schöpfungen durchhören lässt, sichtlich begeisterte.

Starke Bilder

Die Handlung selbst dürfte einigermaßen geläufig sein. Kay wird von teuflischen Splittern ins Auge und ins Herz getroffen, die alles was schön ist, hässlich erscheinen lassen. Von der Schneekönigin entführt, nimmt er auch die beißende Kälte nicht mehr wahr. Gerda macht sich auf die Suche nach ihm, hat einiges zu durchleiden, was zu einer Geschichte über das Erwachsenwerden gehört und scheint am Ende auch gereift zu sein. Andreas Kriegenburg ist gewiss nicht dafür bekannt, es dem Publikum einfach zu machen. Seinem Ruf wird der deutsche Regisseur (von dem das Bregenzer Festspielpublikum heuer übrigens die Bühnenadaptierung von Kleists „Michael Kohlhaas“ erleben darf) mit viel Psychologie gerecht. Bühnenbildner Harald B. Thor lässt es nicht nur nahezu unaufhörlich schneien, die klinische Umgebung, in die ein paar florale Elemente hineinwachsen dürfen, gleicht einem surrealen Gemälde. Und weil es zurzeit so gebräuchlich ist (auch im gerade entstehenden Bregenzer „Titus“ soll es das geben), werden einige Figuren verdoppelt. Auch angesichts ungemein starker poetischer Bilder findet man sich jedoch gut und durchaus fasziniert zurecht.

„The Snow Queen“ steht im Rahmen der Münchner Opernfestspiele im Juli wieder auf dem Programm: www.staatsoper.de