Dem Widerstand zur Ehre

Kultur / 24.01.2020 • 19:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Übermorgen, am 27. Jänner 1945, vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit. Nur noch 7000 Insassen fanden die Soldaten vor, weit mehr als eine Million Menschen, vor allem Juden, aber auch Roma, Sinti oder Kriegsgefangene, wurden in den Jahren davor gequält, gefoltert und umgebracht. Kinder, Frauen, alte Menschen waren dabei – ohne Rücksicht und ohne einen Funken Mitleid wurde sie aufgrund eines verbrecherischen Rassenwahns in die Gaskammern gebracht. In vielen Konzentrationslagern, die alle nur einen Sinn hatten: Die angeordnete „Endlösung der Judenfrage“ zu ihrem menschenverachtenden Ende zu bringen. Alle Größen des Nationalsozialismus waren beteiligt: Allen voran Adolf Hitler, dann der Reichsführer SS Heinrich Himmler mit seiner ganzen widerlichen, brutalen Truppe, der im April 1940 den Befehl zum ersten Ausbau von Auschwitz gegeben hatte. Mit dabei natürlich Reichsmarschall Hermann Göring, der Reinhard Heydrich mit der „Endlösung“ beauftragte. Und ebenso waren viele Tausende Mitläufer dabei, denn der Antisemitismus war längst politische Leitlinie im NS-Regime geworden.

In der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem trafen sich am Donnerstag Staatspräsidenten und Ministerpräsidenten aus aller Welt, um des großen Mordens zu gedenken. Dankenswerterweise auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der auf die Opfer aus Österreich, aber auch auf die Täter aus Österreich hinwies. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass es ebenso in Vorarlberg Männer gab, die stramm mit den NS-Schergen marschierten und Verbrechen begingen.

Dass es auch viele gab, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft gelitten haben, die misshandelt und umgebracht wurden, sollte ebenfalls nicht vergessen werden. Das Widerstandsmahn- und Deserteursdenkmal der kärntner-slowenischen Medienkünstlerin Nataša Sienčnik in Bregenz am Sparkassenplatz gibt ständiges Zeugnis. Alle Menschen, die hier in der Aufzählung genannt werden, fielen den Nazi-Schergen in die Hände. Hunderte Namen sind hier aufgeführt, besonders tragisch jene, die in den letzten Kriegstagen von SS-Männern völlig sinnlos umgebracht wurden. Es würde diesen Menschen, die Widerstand in verschiedenster Form geleistet hatten, zur Ehre gereichen, hier bei jedem Vorbeigehen stehen zu bleiben und ihrer Haltung zu gedenken. Ganz nebenbei würde es auch der eigenen Wissenserweiterung dienen, denn die Kenntnisse dieses Teils der Geschichte sind bei den meisten von uns durchaus erweiterbar.

„Hunderte Namen sind hier aufgeführt, besonders tragisch jene, die in den letzten Kriegstagen von SS-Männern völlig sinnlos umgebracht wurden.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.