„Der Humor bleibt unsere einzige Waffe“

Kultur / 24.01.2020 • 18:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wir waren CharlieLuz, Reprodukt Verlag, 320 Seiten

Wir waren
Charlie

Luz,
Reprodukt Verlag,
320 Seiten

Hommage an den Beruf des Zeichners und Karikaturisten.

Erinnerungen „Jeder war auf andere Weise begabt. Der eine politisch, der andere grafisch, der nächste humoristisch.“ In „Wir waren Charlie“ blickt der französische Cartoonist Luz auf seine Zeit als ehemaliger Charlie-Hebdo-Zeichner vor dem Terroranschlag auf die Satirezeitung im Jänner 2015 zurück. Auf über 300 Seiten bringt Luz, der dem Anschlag auf die Pariser Redaktion mit zwölf Toten nur knapp entkam, seine Erinnerungen an die Kollegen mit Pinsel und Feder zu Papier. Es ist ein Buch gegen das Vergessen und eine Hommage an den Beruf des Zeichners und Karikaturisten.

Mit viel Emotion und Nostalgie zeichnet Luz, im zivilen Leben Renald Luzier, das Porträt einer Redaktion, die mit ihren Illustrationen, Karikaturen und investigativen Reportagen für Meinungsfreiheit und gegen Extremismus in Religion und Politik kämpft. Luz skizziert die hitzigen Debatten, Ängste, Siege und verlorenen Kämpfe. Zu den Ereignissen, die er in Erinnerung ruft, gehört auch die Wiedergründung von „Charlie Hebdo“ im Jahr 1992. Die Satirezeitschrift war zunächst 1970 aus dem verbotenen Magazin „Hara-Kiri“ hervorgegangen und 1982 eingestellt worden. Zu den jungen Talenten, die rekrutiert wurden, gehörte auch Luz, der aus Tours nach Paris kam. Seine damalige Begegnung mit Cabu, dem einstigen künstlerischen Leiter von „Charlie Hebdo“, der bei dem Terroranschlag ums Leben kam, wird in dem Buch zu einem bewegenden Moment. Luz zeichnet von seinen Kollegen persönliche Porträts. Cabu mit seiner Topffrisur und Nickelbrille war der Ruhepol der Redaktion und Zeichen-Meister, der selbst noch in der Manteltasche ein Porträt skizzieren konnte. Cabu karikierte neben der französischen Rechten vor allem den Dschihad. Von ihm ist auch der berühmt gewordene Satz: „Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, aber der Humor bleibt unsere einzige Waffe.“ Dann ist da Charb, der ebenfalls bei dem Massaker getötet wurde. Der scharfzüngige Tabubrecher machte sich über alles und jeden lustig. Charb wurde 2009 Herausgeber und stand nach der Brandstiftung auf die Redaktion im Jahr 2011 unter Polizeischutz. Bei dem Sturm zweier Attentäter auf die Zeitung wurde auch sein Leibwächter erschossen. Es ist das zweite Buch von Luz. Das erste erschien im Mai 2015. Unter dem Titel „Katharsis“ illustrierte er das verzweifelte Weiterleben nach dem Anschlag. Dem Attentat entkam er nur, weil er damals, an seinem Geburtstag, zu spät in die Redaktion gekommen war.