Keith Richards und die Erweiterung des Genres

Kultur / 24.01.2020 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Schuss ins BlaueFranz Dobler, Tropem Verlag, 282 Seiten

Ein Schuss ins Blaue

Franz Dobler, Tropem Verlag, 282 Seiten

Franz Dobler ist schon lange im Geschäft, seine Krimis sind nicht nur unterhaltend.

Romane In den Jahren, als der deutsche Krimi eher eine Ausrede war, Ulf Miehe und Jörg Fauser waren tot, musste Franz Dobler den Karren über weite Strecken alleine ziehen. Er schuf sich dabei ein Biotop. Eine Art Rock’n’Roll- oder Beat-Krimi-Elaborat, abseits vom Pilzkopf, eher ein Beat mit lärmenden Gitarren, schwarzgefärbtem Haar, spitzem Schuhwerk und das verpackt als Literatur. Tatsächlich veröffentlichte er einige Rock’n’Roll-Compilations und nicht zufällig auch die Johnny-Cash-Biografie „The Beast In Me“. Mit Robert Fallner entwarf Franz Dobler einen Polizisten, den er nun mit „Ein Schuss ins Blaue“ das dritte Mal ins Rennen schickt.

Das andere München

Robert Fallner ist in die Jahre gekommen. Um die 60, die Knochen sind schon zu spüren und den Job als Inspektor hängte er auch an den Nagel. Zum Glück gibt es den Bruder, der ihn für sein Ermittlungsbüro engagiert. Ein Laden voller Ex-Polizisten, die hier in München ihr Dasein fristen. Er soll einen islamistischen Terroristen aufspüren, auf den zwei Millionen Kopfgeld ausgesetzt sind. Dazu nahmen seine Frau und er ein vierzehnjähriges Mädchen auf, das aus desolaten Verhältnissen flüchtete und Fallners Frau, ebenfalls Polizistin, als ihr Vorbild herauspickte. Ein gutes Rahmenprogramm sozusagen, um den Anti-Ermittler Fallner, dem es immer eher um eine nebenher laufende Ermittlung geht, schauen zu lassen, wie es um sein München so steht. Manche Dialoge müssen nicht sein und immer um den heißen Brei herumzureden bringt auch nichts. Natürlich ist Franz Dobler ein Säulenheiliger, dessen subversives München nicht viel anders ist, als jenes der eingangs zitierten Autoren. „Ein Schuss ins Blaue“ geht als Genre-Erweiterung durch, dem Ermittler Robert Fallner könnte man demnächst eine Auszeit gönnen.

Bei Keith in der Karibik

Wie Franz Dobler wurde Linus Reichlin ebenfalls mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Jetzt legt er keinen Krimi vor, sondern mit „Keiths Probleme mit dem Jenseits“ einen Roman, in dem der Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards nach einem sehr kurzen Besuch im Jenseits wieder unter den Lebenden weilen sollte. Einer seiner Leibärzte muss nun für sein Wohl sorgen und dieser holt seinen Jugendfreund Fred Hundt zu sich in die Karibik, einen deutschen Wissenschaftler für die Wahrscheinlichkeitslehre. Natürlich stellt sich die Frage, ob Keith wirklich Keith ist und auch, wie der gute Mann abgeschirmt seinen Unterhalt verdienen kann, wenn er nicht vor die Welt treten will. Um dem zu entgehen, schicken sie Fred auf eine Nachbarinsel zu Keiths Kumpel Johnny Depp. Es soll hier eine vage Abmachung aus dem vorigen Leben gegeben haben, den ominösen Totenkopfring des Gitarristen an den Filmschauspieler verkaufen zu können. Funktioniert nicht ganz, doch wie in einem Abenteuer geht es munter weiter. Reichlin hält durch, auch weil er seinen Protagonisten in die Mangel nimmt. Unterhaltend, aber mit Tiefgang.

Keiths Probleme mit dem JenseitsLinus Reichlin, Verlag Galiani253 Seiten

Keiths Probleme mit dem Jenseits

Linus Reichlin, Verlag Galiani

253 Seiten