Menschlichkeit eingefordert

Kultur / 24.01.2020 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gerhard Zuggal spielt in der Inszenierung von Armin Weber, die am Freitagabend erstmals aufgeführt wurde. VN/Hartinger
Gerhard Zuggal spielt in der Inszenierung von Armin Weber, die am Freitagabend erstmals aufgeführt wurde. VN/Hartinger

Mit „Ich werde nicht hassen“ bringt ein Vorarlberger Ensemble wesentliche Themen auf die Bühne.

Bregenz Wenn sie in fanatischer Weise ausgeführt werden, sind es die Politik und Religionen, die uns das Menschsein verbieten. Zu diesem Schluss kam Gerhard Zuggal, als er sich mit der Lebensgeschichte des palästinensischen Arztes Izzeldin Abuelaish auseinandersetzte und den Text „Ich werde nicht hassen“ zum ersten Mal las. In der Produktion des kleinen Vorarlberger Ensembles Theatermobil steht Zuggal nun als dieser Arzt auf der Bühne.

In den Räumlichkeiten des Bregenzer Theaters Kosmos sind nach der Premiere am Freitagabend an diesem Wochenende noch zwei Termine mit dieser österreichischen Erstaufführung angesetzt. Danach wird das Alte Kino Rankweil Schauplatz eines außergewöhnlichen Projekts, das wesentliche Fragen aufwirft, und schließlich lädt man noch in den eigenen kleinen Saal, nämlich in eine Garage in Sulz. Ende Februar und im März finden Aufführungen im Feldkircher Saumarkttheater und im Bahnhof Andelsbuch statt.

Herausforderung

Die Aufzählung belegt, dass einige bekannte Vorarlberger Einrichtungen und Kulturinitiativen das Engagement von Armin Weber, dem Leiter des zum Teil dem Amateurbereich zuzuordnenden Theater-
mobil, unterstützen und begrüßen. Der Grund ist rasch ersichtlich, „Ich werde nicht hassen“ führt – obwohl durchaus gut aufbereitet – kaum zu theatertechnischen Überlegungen, im Vordergrund steht ein erlittenes Schicksal und ein Appell zur Versöhnung und danach kommt einmal lange nichts. Das soll heißen, dass sich Armin Weber als Regisseur und Gerhard Zuggal als Schauspieler aus ihrer Erfahrung heraus einer enormen Herausforderung gestellt haben, die zu einem kompakten Projekt führte, das sich als gute Diskussionsgrundlage anbietet, um sich äußerst komplexen Themen zu nähern.

Dialog und Versöhnung

In diesem Fall ist es der Nahost-Konflikt. Izzeldin Abuelaish, ein Gynäkologe und Fruchtbarkeitsexperte, wuchs in einem Flüchtlingslager in Gaza auf, durfte aber aufgrund seiner Fähigkeiten auch in Israel tätig sein. Im Jänner 2009 schlagen israelische Panzergranaten in sein Haus ein, drei seiner Töchter und seine Nichte sind sofort tot. Mittlerweile lebt Izzeldin Abuelaish in Kanada, verfasste das Buch „Du sollst nicht hassen“ und lässt sich trotz seines Schicksals und der momentanen Politik nicht entmutigen, für die Beendigung der Gewaltspirale, den Dialog, Verständigung, Empathie und menschliches Verhalten zu appellieren. „Daughters For Life“ heißt ein Projekt, das er zudem ins Leben gerufen hat und mit dem junge Frauen, egal welcher Herkunft, in ihrer Berufsausbildung unterstützt werden. Weil gerade die Bildung von Frauen den Frieden fördere, meint er.

Archaische Verhältnisse, unreflektierte Kinderarbeit sowie die Reduzierung der Frau auf ihre Mutterrolle oder die biologische Funktion klingen in dem Monolog, den der Wiener Schauspieler Ernst Konarek und die deutsche Germanistin Silvia Armbruster aufgrund der Romanvorlage in ihrer Sprache entwickelt haben, durchaus an, ohne dass Abuelaish selbst eine kritische Position dazu aufbaut. Andererseits erfährt man aber auch, dass eine der ermordeten Töchter Ärztin und die andere Journalistin werden wollte und dass der Vater diese Absicht sicher unterstützte. Zudem kommt im Text seine tiefe Abscheu gegenüber der Rekrutierung von palästinensischen Selbstmordattentäterinnen zum Ausdruck. Seine Schilderung des Alltags und die Beschränkungen, die ihm als Palästinenser an den Grenzen zu Israel und an diversen Checkpoints auferlegt waren und die dazu führten, dass er zu spät ans Sterbebett seiner Frau kam, zählen neben dem Granateneinschlag aber wohl zu den erschütterndsten Zeugnissen des Umgangs der Menschen untereinander in der unmittelbaren Gegenwart.

Ausgezeichnet

Ernst Konarek ist das Werk übrigens in Tel Aviv begegnet, wo er eine Aufführung sah, in Deutschland wird der Monolog mittlerweile auf verschiedenen Bühnen gespielt. Martin Weber ließ es sich nicht nehmen, ein Video-Grußwort von Izzeldin Abuelaish der Österreich-Premiere voranzustellen. Eine Diskussion in Anwesenheit des Arztes ist angedacht. Sie sollte mit entsprechenden Experten wohl auch stattfinden, wenn es nicht gelingt, ihn nach Österreich zu holen.

Auführungen: 25. Jänner, 20 Uhr, 26. Jänner, 17 Uhr, Theater Kosmos Bregenz; 29. und 30. Jänner, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil und weitere Termine: www.jimdo.com