Francesco Negrini: „Für mich ist es das Wichtigste, im Dienst der Musik zu stehen“

Kultur / 25.01.2020 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Francesco Negrini ist Orchester- und Kammermusiker, Solist, Dirigent und Dozent.

Francesco Negrini wirkt bei der Oper „La clemenza di Tito“ im Symphonieorchester Vorarlberg mit.

Bregenz Francesco Negrini, seit 2014 Professor für Klarinette und Kammermusik am Landeskonservatorium Feldkirch, spielt bei Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ als Gast im SOV, bei dessen Konzerten er schon öfter mitwirkte. Der 1982 in Italien geborene Künstler ist Orchester- und Kammermusiker, Solist, Dirigent und Dozent. Er absolvierte das Konservatorium in Pesaro mit der Höchstnote und studierte Klarinette, Komposition und Politologie in Rom, Basel und Zürich. Er führte als Solist u. a. die Konzerte von Nielsen, Françaix und Mozart auf und wirkte bei vielen Einspielungen bei der Deutschen Grammophon u. a. mit. Er hat rund zwanzig nationale und internationale Preise gewonnen und ist seit 2012 Solo-Klarinettist des Aargauer Symphonie-Orchesters. In dieser Funktion arbeitet er auch regelmässig mit Orchestern und Ensembles von europäischem Ruf zusammen, z. B. dem Kammerorchester Basel und dem Orchestra della Toscana, und ist mit Dirigenten wie Nagano, Abbado, Gardiner, Muti und vielen anderen in Europa, Südamerika und Asien aufgetreten. Francesco Negrini lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Basel.  

Wie sind Sie zur Klarinette gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Ingenieuren und Architekten aus Rom, von denen fast alle Musik gespielt haben. Ich hatte einen Vorfahren, der Ende des 19. Jh. sogar professioneller Klarinettist war, wusste das aber lange nicht. Meine Mutter war Chorleiterin am Dom meiner Heimatstadt in den Marken. Ich habe mit Blockflöte und Klavier angefangen. Mit sieben, acht Jahren habe ich eine Klarinette in einem Konzert gehört. Der Klang hat mich so fasziniert, dass ich das dann weitergemacht habe.

Welche Rolle spielt die Klarinette im Orchester?

Sie ist das jüngste Instrument der Holzblasinstrumentengruppe des Orchesters und wurde zum ersten Mal um 1760 von Johann Stamitz im Mannheimer Orchester eingesetzt. Mozart schrieb seinem Vater von dort einen begeisterten Brief über den wundervollen Klang dieses neuen Instrumentes, seine Liebe zur Klarinette war groß. Es gibt eine duale Beziehung zwischen Komponisten und Klarinettisten: Mozart war mit Anton Stadler eng befreundet, der auch ein Instrumentenentwickler war und für den er ganz besondere Werke komponiert hat, z. B. das berühmte Klarinettenkonzert, das für Bassettklarinette geschrieben ist. Weber schätzte Heinrich und Carl Baermann sehr. Mit ihnen arbeitete auch Mendelssohn zusammen, der für die beiden Münchner Virtuosen ein Stück mit dem Titel „Die Schlacht bei Prag: Ein grosses Duett für Dampfnudel oder Rahmstrudel, Clarinett und Bassetthorn“ komponiert hat. Ein drittes Paar sind Brahms und Richard Mühlfeld, dessen Freundschaft eine große Rolle dabei gespielt hat, Brahms wieder zum Komponieren zu bringen, als er aufhören wollte.

Was ist ein Bassetthorn?

Ein von Mozart geliebtes Instrument in der Lage der Altklarinette. Es umfasst den Klangraum der Altklarinette, hat aber eine engere Bohrung und dadurch einen geheimnisvollen, intimen, zärtlichen Klang. Das Requiem beginnt mit zwei Bassetthörnern. In seinem letzten Lebensjahr hat Mozart auch in „La clemenza di Tito“ Bassetthorn und Bassettklarinette eingesetzt.

Und was ist eine Bassettklarinette?

Diese Frage stellt sich nur bei Mozart. Das Klarinettenkonzert KV 622 und das Klarinettenquintett KV 581 sind für Bassettklarinette in A geschrieben. Es handelt sich grundsätzlich um eine Klarinette in A mit einer Verlängerung, die eine Terz tiefer gehen kann, bis zum tiefen C, wodurch das Instrument vier ganze Oktaven umfasst.

In „La clemenza di Tito“ gibt es zwei große Arien mit konzertierender Klarinette: Die Arie des Sesto „Parto, parto“ und die Arie der Vitellia „Non più di fiori“. Was ist das Besondere daran?

„Parto, parto“ wird oft einzeln als Konzertstück aufgeführt. Es ist das einzige Werk der Musikgeschichte, das für Bassettklarinette in B komponiert wurde, das ist eine B-Klarinette, die eine Terz tiefer geht. Üblicherweise spielt man das auf der normalen B-Klarinette und oktaviert. Die Klarinette, die ich spiele, habe ich vom ehemaligen Klarinettisten des Luzerner Symphonieorchesters geliehen, der sie selber gebastelt hat. Die Arie „Non più di fiori“ begleite ich mit einem modernen Bassetthorn. Die besondere Klangfarbe, der geheimnisvolle Klang der beiden Instrumente waren sicher entscheidend dafür, dass Mozart sie eingesetzt hat.  

Als der „Titus “ vor zwei Jahren in Salzburg aufgeführt wurde, spielte der Klarinettist eine dieser Arien auf der Bühne auf dem Rücken am Boden liegend. Würden Sie gerne in dieser Position spielen?

Es hängt vom Regisseur ab. Ich kenne das Video dieser Aufführung: Es war wunderschön, es hat alles gepasst. Für mich ist es wichtig, dass die Musik im Zentrum steht. Solange es die Musik nicht stört, geht alles. Für mich ist es das Wichtigste, im Dienst der Musik zu stehen. 

Sie haben schon in vielen namhaften Orchestern gespielt. Was ist für Sie das Besondere am SOV?

Ich spiele sehr gerne in diesem Klangkörper. Es herrscht eine angenehme, echt freundliche Atmosphäre, die sich mit einem schönen Streben nach dem besten Resultat verbindet. Dadurch habe ich tolle Konzerte miterlebt, mit hochkarätigen Kollegen, Solisten und Dirigenten. Es gibt eine positive Bescheidenheit und trotzdem eine wirksame Ambition, das macht es attraktiv.  Ulrike Längle

Francesco Negrini wirkt bei der Opernproduktion „La clemenza di Tito“ am Landestheater im SOV mit. Premiere: am 31. Jänner