Ein Tanz auf dem Maskenball im kollektiven Unbewussten

Kultur / 26.01.2020 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Volkskünslter Jakob Grabner setzt sich in seinem Werk mit Symbolisus und Traditionen auseinander. Subtil wird der Betrachter in den Mittelpunkt gestellt. VN/HF

Die Ausstellung „Masken“ von Jakob Grabner geht diese Woche ins Finale.

Bregenz Wussten Sie, dass Kaiserin Sisi tätowiert war? Es kommt sogar noch besser: Das Motiv war ein Anker, für die Monarchin ein Symbol von Weltoffenheit. In der noch laufenden Ausstellung „Masken“ im Kollektiv in der Bregenzer Maurachgasse, die der 32-jährige Tattoo-Künstler Jakob Grabner zu verantworten hat, geht es um Selbsterkenntnis durch Symbolismus, garniert mit einer Prise Kunstgeschichte.

Metaphern

„Mein Großvater und dessen Sammlung hatten einen großen Einfluss auf meine Faszination für Kunst“, erzählt Grabner. „Er hat auch Masken gesammelt, eine davon hängt hier von der Decke. Die anderen stammen von meinen eigenen Reisen.“ Doch nicht nur rituelle Holzmasken aus fernen Ländern gibt es zu sehen. An den Wänden hängen Malereien und Siebdrucke, die Grabner in Absprache mit den Kuratoren zu einem großen Teil exklusiv für diesen Themenkomplex erstellt hat. „Das Schaffen von etwas Neuem, nicht die Bezugnahme auf etwas Existierendes, war mir dabei wichtig. Das geht nur mit der richtigen ethnografische Distanz zu den Kulturen. Der Entstehungsprozess war dennoch archaisch, da wurde viel mit den Fingern gearbeitet. Das hatte etwas Triebhaftes, fast schon Sexuelles“, schwärmt der Künstler. „Die daraus entstandenen Masken müssen auch nicht hinterfragt werden, sie spiegeln den Betrachter wieder. Sie gelten auch als schemenhaftes Grundkonzept, dass hinter jedem Bild etwas stehen kann.“

Symbole

Jakob Grabners eigentliches Steckenpferd ist aber Flash – das sind kleine, auf Papier gedruckte oder gezeichnete Designs. Im 19. Jahrhundert dienten diese praktisch als Moivvorschlag für die Kundschaft. Das waren damals hauptsächlich Matrosen, Soldaten und Prostituierte. Im Kollektiv ist eine ganze Wand voll davon. Nur sehr wenige Masken sind darunter, hier wird Grabners vielfältiges Schaffen im Namen des Symbolismus repräsentiert.

„Als Tätowierer hat das Handwerk, das ich ausübe, eine reiche Geschichte und darf auch als Volkskunst angesehen werden, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt.“ Grabner sieht seine Kunst am ehesten im Flash. „Es ist einfach eine andere Art von Symbolismus, Liebe ist relevant, der Tod, die Kraft oder den Mut gilt es darzustellen.“

Momentan arbeitet Grabner an einer modernen Interpretation der Figuren von Hieronymus Bosch im Flash-Stil. Und wer weiß – vielleicht ziert eine davon einmal die Haut eines royalen Würdenträgers. Dem Volkskünstler wäre es zu wünschen.

Finissage der Ausstellung am Donnerstag, 30. Jänner, mit Konzert von Seth Faergolzia’s Multibird, www.kollektiv-raum.org