Vorarlberger Marko Zink leistet Erinnerungsarbeit

Kultur / 28.01.2020 • 10:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marko Zink mit einem seiner Fotoarbeiten in der Gedenkstätte Mauthausen.  VN/CD

Die Arbeiten von Marko Zink in der KZ-Gedenkstätte in Mauthausen stoßen auf internationale Anerkennung.

Christa Dietrich

wien, Bregenz Vor 75 Jahren, im Jänner 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch die Truppen der Roten Armee befreit. Der Name ist zum Symbol für den Holocaust geworden. Das größte Tötungslager der Nationalsozialisten auf österreichischem Boden befand sich in Mauthausen. Die Befreiung erfolgte im Mai 1945 durch eine Division der US-Armee. Neben dem Ersticken durch Gas und Erschießungen zählten der Nahrungsentzug bei Schwerstarbeit am nahegelegenen Steinbruch, das Hinabstoßen über eine Felswand oder medizinische Versuche zu den angewendeten Tötungsarten. Gut 200.000 Menschen (Juden, Roma und Sinti, politische Gegner) waren hier und in den Nebenlagern unter grauenhaften Zuständen inhaftiert, weit über 100.000 Menschen – allein im Hauptlager waren es 90.000 – wurden ermordet. Seit dem Jahr 1947 befindet sich auf diesem Gelände eine Mahn- und Gedenkstätte. Fragen zur Geschichtsvermittlung oder zur Erinnerungskultur sind allgegenwärtig.

„Ich habe mich lange mit dem Ort beschäftigt, um diese Arbeit schaffen zu können.“

Marko Zink, Künstler

Barbara Glück, die Direktorin der KZ-Gedenkstätte, sieht die Vermittlungsarbeit auch als ein Bewusstmachen von Handlungsoptionen, stellt sich doch auch die Frage, welche Möglichkeiten Menschen hatten und haben, die von derartigen Taten bzw. generell von Unmenschlichkeit und Unrecht wissen. Marko Zink, der bekannte, mittlerweile in Wien lebende, aus Vorarlberg stammende Künstler (geb. 1975), stellt sie mit seinen Arbeiten ebenfalls. So blendet er auf einem Lamellenbild vom heutigen Vorplatz des Konzentrationslagers jenes von damals ein. In unmittelbarer Nähe des Lagers und der Baracken, in denen man etwa Schwerstkranke einfach sich selbst überließ, befand sich ein Fußballplatz. Zu den ausgetragenen Turnieren war auch die Zivilbevölkerung geladen. Kann es sein, dass man von all dem nichts gewusst hatte, wie es so oft behauptet wurde? Von April bis Ende Oktober letzten Jahres waren die Arbeiten von Marko Zink – wie berichtet – in Mauthausen ausgestellt.

Katalogbuch erschienen

Mittlerweile ist das Katalogbuch im Verlag Mandelbaum erschienen. Es wird am 29. Jänner in den Wiener Räumlichkeiten der KZ-Gedenkstätte Mauthausen präsentiert. Felicitas Heimann-Jelinek, Lehrbeauftragte und ehemalige Chefkuratorin am Jüdischen Museum in Wien, oder Bertrand Perz, Professor für Zeitgeschichte an der Universität in Wien, haben Beiträge verfasst. Zink wende sich gegen eine Ritualisierung des Gedenkens, hebt etwa Heimann-Jelinek positiv hervor. Laut Perz fördert Zink mit seinen auch irritierenden Arbeiten die wichtige und schwierige Auseinandersetzung mit der Frage der Gestaltung einer derartigen Gedenkstätte.

Lamellenbild von Marko Zink, das auf die Vergangenheit verweist: Unmittelbar neben dem Lager wurden Fußballspiele ausgetragen.  <span class="copyright"> Zink </span><p class="caption"><span class="marker"><br></span></p>
Lamellenbild von Marko Zink, das auf die Vergangenheit verweist: Unmittelbar neben dem Lager wurden Fußballspiele ausgetragen.   Zink


Ausstellung in Vorarlberg

Die Werke von Marko Zink, der analog erstellte Fotografien bearbeitet und mit Zeichen und Spuren versieht, die wiederum auf Geschehnisse verweisen, sind verschiedentlich auf Aufmerksamkeit gestoßen. So sollen die Arbeiten im kommenden Jahr in Zagreb und dann in Wien gezeigt werden. Interesse hat man aber auch in der Heimat von Zink bekundet. Seit kurzem laufen Verhandlungen mit dem Vorarlberg Museum und der Berufsvereinigung bildender Künstler, um den künstlerischen Zugang zu einem sensiblen, aber wichtigen Thema auch hierzulande zu thematisieren.

Das zweisprachige Katalogbuch „Marko Zink, Mauthausen -Die Tilgung von Erinnerung“ mit  verschiedenen Textbeiträgen ist im Verlag Mandelbaum erschienen.