Auch die Hörigkeit ist von dieser Sängerin zu vermitteln

Kultur / 02.02.2020 • 13:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 Annelie Sophie Müller: „Ich möchte, dass die Zuschauer ergriffen sind und alles spüren können.“  <span class="copyright">VN/Paulitsch </span>
Annelie Sophie Müller: „Ich möchte, dass die Zuschauer ergriffen sind und alles spüren können.“  VN/Paulitsch

Als Sesto debütiert Annelie Sophie Müller in einer der stärksten Rollen in Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ in Bregenz.

Christa Dietrich

Bregenz Allein das Bild hat schon Aufsehen erregt, in der Inszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ von Barrie Kosky an der Komischen Oper in Berlin trägt Cherubino eine Rasta-Perücke. Als „liebeshungrigen Teenager“ hat ihn Annelie Sophie Müller damals verkörpert. Herbert Fritsch, bekannt für reichlich turbulente Interpretationen klassischer Stücke, hatte am selben Haus „Don Giovanni“ inszeniert. Mit Annelie Sophie Müller als Zerlina.

Die Arbeit mit diesem Künstler, der vom Schauspiel kommt, erwies sich für die deutsche Mezzosopranistin auch deswegen als so intensiv und spannend, weil sich herausgestellt habe, dass gerade die klare Struktur des Stücks viele Freiheiten lässt. Als sie vom Vorsing-Termin in Bregenz erfuhr, hat sie sich sofort angemeldet, obwohl das Vorarlberger Landestheater kaum mit dem erwähnten Haus vergleichbar ist. „Bregenz hat auf jeden Fall einen Namen in der Opernwelt.“ Neben den Festspielen sei auch das Landestheater in Deutschland durchaus ein Begriff.

Eigene Bregenzer Fassung

Auf Kosky und Fritsch kommt man mit Annelie Sophie Müller zu sprechen, weil die Da Ponte-Opern von Mozart als Werke mit starken psychologischen Inhalten neben seinem Spätwerk „La clemenza di Tito“ stehen. Zumindest in den Rezitativen gibt es Qualitätsunterschiede. Während also die Rezitative in „Cosi fan tutte“, „Don Giovanni“ und „Le nozze di Figaro“ in etwa einem natürlichen Dialog entsprechen, ist das bei „La clemenza di Tito“ nicht so. Henry Arnold hat sie für die Bregenzer Inszenierung weitgehend gekürzt und deutsche Texte hinzugefügt.

Menschlichkeit der Mozart-Figuren

Sesto, eine Rolle, in der Annelie Sophie Müller debütiert, wird zusätzlich von einem Schauspieler verkörpert. „Wie haben fast so etwas sie ein Zwiegespräch miteinander, was in den Köpfen vorgeht, wird auf die Bühne gebracht und verbalisiert“, beschreibt die Sängerin die Vorgänge und eine intensive Probenarbeit, in der „jeder auf seine Weise die Rolle verkörpert“ was zu einer enormen Bandbreite im Ausdruck führe. Die Partie des Sesto, der von seiner Geliebten Vitellia dazu aufgefordert wird, seinen Freund Titus zu töten, zählt zu den schönsten im gesamten Mozart-Reperoire. „Ich versuche sie so plastisch wie möglich darzustellen ohne mich persönlich emotional allzu sehr darin zu verfangen, denn ich möchte ja, dass die Zuschauer ergriffen sind und alles spüren können.“ Die Arbeit mit Regisseur Henry Arnold und dem Dirigenten Karsten Januschke bezeichnet sie als „spannende Reise“, die erst am 21. Februar, das heißt, nach der letzten Aufführung vorbei sei. „Was mich bewegt, ist diese Menschlichkeit, die Mozart in jede dieser Figuren steckt, ich verstehe selbst nicht, warum Sesto sich von Vitellia so einlullen lässt, ihr fast hörig ist.“ Die Entschlusskraft und der dann auch wieder auftauchende innere Zweifel sei in der Musik ablesbar und das will sie dem Publikum auch zeigen.

Annelie Sophie Müller als Sesto mit den beiden Schauspielern, die in dieser Inszenierung von "La clemenza di Tito" neben den Sängern die Rollen des Sesto und der Vitellia verkörpern.
Annelie Sophie Müller als Sesto mit den beiden Schauspielern, die in dieser Inszenierung von "La clemenza di Tito" neben den Sängern die Rollen des Sesto und der Vitellia verkörpern.

Annelie Sophie Müller war es relativ früh klar, dass sie einen künstlerischen Beruf ergreift. Sie wollte Musik und Schauspiel kombinieren, ohne ins Musicalfach à la „Cats“ zu gleiten. Sie hat Geige gelernt, dann Klavier, hat sich in Stuttgart für die Schulmusik entschieden und dann stand schnell fest, dass sie Sängerin wird.

Die ersten Engagements kamen noch während des Studiums. In welche Richtung sie ihre Stimme entwickeln will, steht auch schon relativ fest. „Ich freue mich, wenn das Angebot für den ,Rosenkavalier‘ kommt.“ Sie hat den Komponisten in „Ariadne auf Naxos“ verkörpert und dabei noch gar nicht gedacht, dass ihr der Octavian so in die Kehle geschrieben scheint. Neben den Opern von Richard Strauss reizt sie natürlich das Belcanto-Fach. „Da gibt es schöne Partien für Mezzo, etwa in den Tudor-Opern wie „Anna Bolena“ und „Maria Stuarda“ von Donizetti.

Weitere Aufführungen von „La clemenza di Tito“ ab 2. Februar bis 21. Februar.