Gute Luft und weniger gute Politik

Kultur / 03.02.2020 • 21:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf der Alpe Oberlose ließ der Fabrikant Otto Hämmerle eine Meierei einrichten.
Auf der Alpe Oberlose ließ der Fabrikant Otto Hämmerle eine Meierei einrichten.

Die Frage „Wem gehört das Bödele?“ führte zu einem grandiosen Ausstellungsprojekt an zwei Orten.

Schwarzenberg, Dornbirn Vom Ausmaß her ist das, was nun im Stadtmuseum in Dornbirn und im Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg abgehandelt wird, das Thema einer Landesausstellung. Von solchen Großveranstaltungen hat man sich in Vorarlberg nach dem letzten Finanzdesaster vor 20 Jahren losgesagt, unter dem Titel „Wem gehört das Bödele?“ wird nun höchst informativ und zugleich unterhaltsam das zusammengeführt, was zu den wesentlichen Themen der Landesgeschichte zählt. Bäuerliches Leben und Industrie, Alpbewirtschaftung, Skisport, Tourismus, gesellschaftlicher Wandel, Jugendrevolte, Nationalsozialismus, Arbeiterbewegung und Freizeitgestaltung, all diese Bereiche werden in den Ausstellungen in Dornbirn (bis Ende Jänner 2021) und in Schwarzenberg (bis Ende Oktober 2020) behandelt, wobei das umfangreiche Katalogbuch mit Beiträgen von Alois Niederstätter, Barbara Motter, Petra Zudrell, Markus Barnay, Christoph Thöny und anderen zudem mit viel Information aufwartet.

Nicht über den Tisch gezogen

Die titelgebende Frage ist an sich leicht zu beantworten, denn das Bödele gehört zum Gemeindegebiet von Schwarzenberg, und zwar obwohl die Dornbirner Postleitzahl sowie die Telefonvorwahl Anwendung fanden und viele Grundbesitzer auf dem Gebiet auf rund 1100 bis 1400 Metern Meereshöhe Dornbirner sind. Der Vorwurf, dass der Dornbirner Fabrikant Otto Hämmerle jene Schwarzenberger Bauern, denen er die Vorsäßhütten samt Grund abkaufte, über den Tisch gezogen hätte, wird beim Blick auf die Verträge von 1901, die entsprechend korrekte Summen aufweisen, entkräftet. Der Opfermythos sei im Bregenzerwald dennoch lange kursiert, erzählt Annelies Nigsch, Kuratorin des Ausstellungsteils im Angelika Kauff­mann Museum. Die Aneignung des Gebietes durch die Dornbirner, die etwa während der Zeit des Nationalsozialismus konkrete Formen annahm, verlief im Sand, der damalige Schwarzenberger Bürgermeister und Wirt Albert Fetz brachte gegenüber der zuständigen Kreisleitung mit dem Verweis auf die Steuereinnahmen triftige Gegenargumente zu Papier. Nach 1945 hatte sich das Thema sowieso erledigt, und in Dornbirn zählte man eher darauf, dass Gras über die Tatsache wächst, dass sich einige Dornbirner – darunter namhafte Personen – auf dem Bödele bereits als glühende Nationalsozialisten gebärdeten, als die Partei in Österreich noch verboten war. So bekundete etwa der Fabrikant Theodor Rhomberg, ein Funktionär des Skiverbandes, beim Begräbnis eines im Jänner 1934 verunglückten Sportlers, wie die Ausstellungsmacher dokumentieren, ganz offen seine Gesinnung.

Fotodokumente mit Hakenkreuzfahnen vor und nach dem Anschluss im Jahr 1938 gibt es einige im Dornbirner Ausstellungsteil, eines stammt gar aus den 1950er-Jahren. Wenige Jahrzehnte später war das Bödele auch Ort einer Art Jugendrevolte. Im Felsenkeller tanzte man zu Rock, Pop und Soul. Im Sommer 1975 bezog die „Gemeinschaft für geistige Erneuerung“ das Vorsäß Hörnle und richtete einen Ashram ein, in dem auch der Genuss von Drogen angenommen wurde.

Die Hütte brannte wenige Jahre später ab. Ein Schicksal, das auch dem Alpenhotel mehrfach beschieden war, das vor dem Zweiten Weltkrieg als Luxusherberge betuchte Touristen aufs Bödele locken sollte, wo man mit nobler Zimmerausstattung, Tennisplätzen, einem Badesee, Liftanlagen und guter Höhenluft ein Ganzjahresprogramm anbot. Dass vor allem die Bürger nach Erholung und Ertüchtigung auf Skiern trachteten, ist nicht ganz zutreffend. Annelies Nigsch berichtet von der Schwarzenberger Skiclubgründung im Jahr 1912. Kein Schwarzenberger habe am Bödele ein Ferienhaus gehabt, man ging dort zur Arbeit oder war Bauer und hatte trotzdem Gefallen an diesem Sport.

„Der Opfermythos kursierte in Schwarzenberg lange. Nun sieht man den Kauf differenziert.“

Erinnerungen an den Skistar Marc Girardelli. Stadt Dornbirn
Erinnerungen an den Skistar Marc Girardelli. Stadt Dornbirn
In den späten 1960er-Jahren fanden Autorennen auf der Bödelestraße statt, die viele Zuseher anzogen. Landesbibliothek, Bertolini
In den späten 1960er-Jahren fanden Autorennen auf der Bödelestraße statt, die viele Zuseher anzogen. Landesbibliothek, Bertolini
Zum Alpenhotel auf dem Bödele gehörte in den 1920er- und 1930er-Jahren auch ein Tennisplatz.Landesbibliothek, Stadt Dornbirn
Zum Alpenhotel auf dem Bödele gehörte in den 1920er- und 1930er-Jahren auch ein Tennisplatz.Landesbibliothek, Stadt Dornbirn

Eröffnung der Ausstellung im Stadtmuseum Dornbirn: 4. Februar, 18 Uhr. Eröffnung im Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg: 8. Februar, 15 Uhr.