Der Nebel lichtet sich

Kultur / 06.02.2020 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einmal bilden sich Strudel über den Köpfen, ein anderes Mal stehen die Menschen draußen gleich Kopf. Kunsthaus/Eliasson, VN/Dietrich
Einmal bilden sich Strudel über den Köpfen, ein anderes Mal stehen die Menschen draußen gleich Kopf. Kunsthaus/Eliasson, VN/Dietrich

Künstler Olafur Eliasson sorgt für Wirbel über den Köpfen von Ausstellungsbesuchern.

Zürich, Bregenz Einst zählte er zu jenen Künstlern, die dafür sorgten, dass der Name Kunsthaus Bregenz international bekannt wurde. Nachdem Olafur Eliasson ein Stockwerk des Zumthor-Baues in Nebel hüllte und ein weiteres so weit flutete, dass Teichlinsen auf der Wasseroberfläche ein tolles Muster bilden konnten, war er auch in jener Jury, die darüber entschied, dass das Haus am Bodensee einige Jahre lang von Yilmaz Dziewior geleitet wurde, der mittlerweile Direktor des Museums Ludwig in Köln ist.

Der aus Dänemark stammende Künstler mit isländischen Wurzeln (geb. 1967), der einmal in der Tate Modern in London die Sonne derart scheinen ließ, dass er auf die Titelblätter einschlägiger Magazine kam, der die Biennale Venedig bespielte und immer dann zugegen war, wenn ein großes neues Museum wie etwa die Fondation Louis Vuitton in Paris eröffnet wurde, soll nun das Kunsthaus Zürich zum Magneten machen. Und zwar noch kurz vor der Einweihung des Erweiterungsbaues, der nach den Plänen von David Chipperfield errichtet wurde und jenen Stadtteil, in dem sich auch das renommierte Schauspielhaus befindet, verändert. Er schafft es. Der Publikumsansturm ist so groß, dass jüngst eine zentrale Rauminstallation fast zu kippen drohte. Die Arbeit „Symbiotic Seeing“ spielt sich quasi über den Köpfen der Besucher ab, wo eine sich farblich stets verändernde Nebeldecke auf die Bewegungen und die Temperatur im Raum mit Strömungen und Wirbeln zu reagieren scheint. In einem anderen Raum stehen Besucher und Passanten auf dem Kopf. Mehr als die optische Faszination, die die gläsernen Halbkugeln bieten, nimmt man mit, wenn einem dabei die Struktur von Kieselalgen bewusst wird, deren Vorkommen sich günstig auf die Sauerstoffproduktion in der Erdatmosphäre auswirken.

Botschafter für den Klimaschutz

Spätestens jetzt und beeindruckt von weiteren optischen Phänomenen hat jeder kapiert, worauf Olafur Eliasson hinaus will. Nicht umsonst ist er auch Botschafter für den Klimaschutz. Der Sound, der von Hildur Gudnadottir komponiert wurde, verstärkt die Stimmung, die jeden Betrachter zum Mitspieler macht. Ob wohl auch jemand über den Ressourcenverbrauch nachdenkt, den die ständig gezückten iPhones bewirken? Wie auch immer. Im Raum, in dem eine Roboterhand für Cello-Klänge sorgt, sind jene Dokumente einsehbar, die etwa Eliassons Einsatz in jenen Ländern auflisten, in denen zahlreiche Menschen nicht einmal mit so viel Energie versorgt sind, dass Lernen bzw. Lesen nach Anbruch der Nacht möglich wäre. Er hat kleine Sonnen geschaffen und in Umlauf gebracht, die das Licht des Tages speichern. Eine künstlerische Arbeit, die überzeugt.

Geöffnet ist die Ausstellung mit Arbeiten von Olafur Eliasson im Kunsthaus Zürich bis 22. März, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Mi und Do bis 20 Uhr: www.kunsthaus.ch