Jugendstück lässt Schönes heranreifen

Kultur / 06.02.2020 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nico Raschner und Vivenne Causemann in der Aufführung des Stücks "Who cares? Welche Krise?" von Daniela Egger am Vorarlberger Landestheater. <span class="copyright">LT/Anja Köhler</span>
Nico Raschner und Vivenne Causemann in der Aufführung des Stücks "Who cares? Welche Krise?" von Daniela Egger am Vorarlberger Landestheater. LT/Anja Köhler

Der Uraufführung eines starken Stücks der Vorarlberger Schriftstellerin Daniela Egger folgt eine Baumpflanzaktion.

Christa Dietrich

Bregenz Was die Auswahl und Realisierung von Jugendstücken betrifft, beweist das Vorarlberger Landestheater ein sehr gutes Händchen. Das gilt in dieser Spielzeit auch für das große Haus, wo man das Stück „Vevi“ nicht nur bestens umsetzte, sondern die fast in Vergessenheit geratene österreichische Autorin Erica Lillegg (1907-1988) ins Blickfeld rückte. Es gilt vor allem auch für die Projekte in der Box. Schon mit „Die Zertrennlichen“ von Fabrice Melquiot, einem hervorragenden Stück über Ausgrenzung, haben sich Vivenne Causemann und Nico Raschner (beide übrigens auch in „Vevi“ eingesetzt) als bestens aufeinander eingespieltes Duo mit starker Bühnenpräsenz erwiesen. Mit dieser Produktion gastieren die beiden demnächst bei einem Theaterfestival für junges Publikum in Graz.

Fiktive Ebene durchbrochen

Nun sind sie Alex und Sascha und damit Protaganisten des soeben uraufgeführten Stücks „Who cares? Welche Krise?“, mit dem die Vorarlberger Schriftstellerin Daniela Egger (geb. 1967) nicht nur auf komplexe Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit reagiert, sondern im Rahmen einer gut strukturierten und spannend erzählten Geschichte auch Denkanstöße für etwaig Engagierte liefert. Deren Zahl dürfte sich erfreulicherweise auch unter den jungen Menschen erhöhen, denn mit einem von den Schauspielern wie vom Regisseur Benedikt Greiner gut aufgefangenen Trick wird die fiktive Ebene durchbrochen. Ohne aufgesetzte Agitation führt das Stück zu einer Baumpflanzaktion, die somit am Premierenabend ihren Anfang nahm, an dem das jubelnde und vorwiegend jugendliche Publikum seine Mitmachbereitschaft bekunden konnte.  

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, in denen etwa die Bildung, die Gleichberechtigung, Beendigung der Armut, das Recht auf sauberes Wasser, der Klima- und Ressourcenschutz etc. formuliert werden, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2015 so verabschiedet, dass sie ab 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft getreten sind. Man ist kein Pessimist, sondern lediglich Realist, wenn man festhält, dass sich das für einige der Mitgliedstaaten nie und niemals ausgeht und dass die Aufzählung für viele, die es sich leisten können, leider nur geduldiges Papier ist.

Auch eine Liebesgeschichte

Dass dem einzelnen Menschen mehr als Resignation bleibt und wie gut es tut, wenn sich der etwaige Zorn angesichts der Politik oder der Entscheidungen in der Wirtschaft nicht einfach in unüberlegte Handlungen entlädt, sondern zu Auseinandersetzungen und Engagement im engsten Familien- und Freundeskreis führt, davon handelt „Who cares? Welche Krise?“ auch. Den hohen Wert der Reflexionsfähigkeit stets im Auge zu behalten und wie die Gabe des Nachdenkens zu nützen ist, das erfahren auch Alex und Sascha, die so etwas wie eine Informationsplattform gegründet haben, bei kleinen Dingen wie der Reduzierung von Plastikmüll beginnen, aber schließlich mit den Gefühlen, die sich zwischen ihnen entwickelt haben, hadern. Eine Liebesgeschichte eingebaut zu haben, erhöht die Attraktivität des Stücks, dass sie Vivienne Causemann und Nico Raschner derart zart anklingen lassen, macht die Produktion neben allem Wissenswerten, das man mitgeliefert bekommt, zum Vergnügen.

Nadine Mrkwitschka hat sich die Ausstattung ausgedacht. Der große Katzenbaum ist eine Wucht. Wenn sich die Schauspieler geschmeidig darauf bewegen, erhält das witzige Symbol für Spießertum und Rückzug ins Private unwillkürlich eine ganz andere Bedeutung. Zudem wird er von Causemann und Raschner wie ein Instrument benutzt. Beide sind hochmusikalisch und kommen mit dem Stück auch in die Schulen.

Weitere Aufführungen von „Who cares? Welche Krise?“ ab 7. Februar, 10 Uhr, in der Box am Bregenzer Kornmarkt. Abendaufführungen am 2. und 3. März: landestheater.org