Junge Musiker engagieren sich für die Umwelt

Kultur / 07.02.2020 • 15:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Klaus Christa mit seinen jungen Musikern aus Vorarlberg, Kolumbien und Südafrika in Feldkirch. <span class="copyright">JU</span>
Klaus Christa mit seinen jungen Musikern aus Vorarlberg, Kolumbien und Südafrika in Feldkirch. JU

Die Reihe „Musik in der Pforte“ überraschte mit einer starken Ausgabe zum Thema Klimawandel.

FELDKIRCH. Da knallen in einem bewegenden Konzept von Klaus Christa zwei gegensätzliche Welten aufeinander, wenn die Konzertreihe „Musik in der Pforte“ gleich zum Saisonstart auf den fahrenden Zug der „Fridays for Future“-Bewegung aufspringt und deren Forderungen auf nachvollziehbare Art ins Künstlerische überträgt. Es ist zwar bei der Generalprobe erst Donnerstag, aber da findet der deutsche Philosoph Andreas Weber bereits so starke Gedanken und Analogien über Welt und Umwelt, dass man meint, Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg stünde persönlich im Raum, während Laura Winkler mit ihrem neuen Song über eine wegen des Klimawandels bedrohten Tierart betroffen macht. Auf der anderen Seite steht als Ideal einer heilen, unzerstörten Welt Beethovens 6. Symphonie „Pastorale“ mit ihrer naturnahen Idylle wie vor 200 Jahren. Eine harte Abrechnung als Mahnmal gegen den Klima-Schlendrian.

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Die Besonderheit dieses Abends wird durch ein respektabel besetztes „Welt-Orchester“ unterstrichen, mit bereits toll ausgebildeten jungen Erwachsenen, die aus allen Himmelsrichtungen nach Feldkirch geströmt sind und hier so selbstverständlich einen perfekt funktionierenden Klangkörper bilden, als hätten sie zuvor nie etwas anderes getan. Die Bläserriege kommt aus Kolumbien, aktuell nach einem Auftritt bei der Salzburger Mozartwoche, die Streicher stellen die „Bochabela-Strings“ aus Südafrika und Studenten des Konservatoriums. Auf einen Dirigenten wird bewusst verzichtet im Sinne einer größeren Verantwortung für jeden Einzelnen. Dafür übernimmt der junge Thomas Reif, Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks, die Führungsposition, lenkt das risikoreiche Unternehmen behutsam in die richtigen Bahnen. Dabei unterstützen ihn bewährte Profis an den führenden Pulten wie der Cellist Francois Poly, der Kontrabassist Balthasar Brockes und Klaus Christa an der Bratsche.

Abgesang auf eine zerstörte Welt

Und dieses scheinbar fragile Gefüge funktioniert bereits nach einer intensiven Probenwoche erstaunlicherweise so harmonisch, wie man es sich nicht hätte vorstellen können. Bereits die beliebte Romanze in F-Dur des Jahresregenten mit Reif als glänzendem Solisten wird in großer Klangkultur, in einem gemeinsamen Fühlen und Denken zur Visitenkarte. Mit besonderer Begeisterung begleiten die jungen Musiker die hier bereits bekannte Grazer Jazzsängerin und Komponistin Laura Winkler bei ihrer für diesen Anlass entstandenen Uraufführung „Saiga – Too fast too soon. Too slow too long“ mit einem süffigen symponischen Soundtrack in Hollywood-Besetzung.

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Mit ihrer eindringlich klaren, oft im Sprechgesang geführten Stimme rüttelt sie dazu auf, im Umgang mit „Mutter Erde“ wach zu bleiben. Es ist wie ein Abgesang auf eine zerstörte Welt, wenn am Schluss bloß noch ein Streichquartett und ein nachdenkliches Publikum übrigbleiben. In zwei „Impulsen“ verknüpft der versierte deutsche Philosoph Andreas Weber die Anregung der Lyrikerin Rose Ausländer, „Aus dem Himmel eine Erde machen“, geschickt mit den Anliegen der aktuellen Klimaschutz-Bewegung und einer Nutzanwendung für jeden Einzelnen.

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Zur großen Offenbarung dessen, was diese jungen Musiker wirklich „drauf“ haben, wird Beethovens „Pastorale“, ein Stück reinste Programmmusik, die sie, geschärft mit kräftigen Originalklang-Elementen, begeistert, mit Hingabe und höchster Konzentration umsetzen. Wie aus dem Nichts gelingen schöne dynamische Entwicklungen, ein logischer innerer Aufbau und sogar kleine Rubati. Den ersten Sätzen vermittelt das Orchester alle Zeit der Welt zur Entfaltung der lyrischen Stimmung auf dem Lande und am Bach, die Naturlaute mit den Solostimmen an den Holzbläser-Pulten und im Horn werden zur kammermusikalischen Delikatesse. Dem dritten Satz mit dem stampfenden Tanz der Landleute geben die Musiker ordentlich Stoff, zelebrieren das Gewitter lustvoll im Fortissimo und machen das Dankgebet am Schluss zu einer Oase des erfüllten Klanges. Eine mitreißend aktuelle Wiedergabe auf tollem Niveau. Der Jubel ist kaum zu bremsen. Fritz Jurmann

Zweites Konzert am 7. Februar, 20 Uhr, im Festsaal des Landeskonservatoriums in Feldkirch.