Kluges und Unterhaltsames zum Thema Bildung

Kultur / 07.02.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
FehlstartMarion MessinaHanser165 Seiten 

Fehlstart

Marion Messina

Hanser

165 Seiten 

Marion Messina wird in Frankreich bereits als neuer Houellebecq gefeiert. Nur Marktschreierei?

Roman, Sachbuch In ihrem Debütroman „Fehlstart“ zieht die Französin Marion Messina wunderbar über das Bildungssystem her. Als eine aus einfachen Verhältnissen stammende Schülerin bekommt die Hauptprotagonistin Aurélie in Frankreich nur scheinbar eine ihrem Talent entsprechende Förderung. Abseits der Eliteunis ist die Ausbildung miserabel und die junge Wissenselite scheint sich eher dem Vergnügen hinzugeben, als sich der Ausbildung zu widmen. Dazu scheitert Aurélies erste große Beziehung, sie verlässt die Stadt Grenoble und will in Paris neu durchstarten. Die Autorin kann sehr packend erzählen, gerade wenn sie sich auf die Gefühle ihrer Hauptstreiterin einlässt, entstehen dichte Momente. Auch ist Messina eine sehr präzise Chronistin der Gegenwart. Zitate wie „Das Studentenleben war ein gegenseitiges Überbieten an gesellschaftlicher Selbstverwirklichung“ zeugen von einer großen Beobachtungsgabe und auch von Intelligenz, in einigen Sätzen zu sagen, wofür andere einige Seiten benötigen. Das reicht für ein Debüt vollends.

Tatsächlich sind Vergleiche, wie der mit Altmeister Michel Houellebecq, nicht wirklich förderlich. Bereits in seinem Erstlingswerk „Elementarteilchen“ brachte der französische Autor die Quantenphysik ins Spiel sowie die Erschaffung eines neuen Menschen, der sich selbst überwindet. Marion Messina braucht hier noch Zeit, sie ist ein kluges Lästermaul, das in „Fehlstart“ die Isoliertheit des Individuums sehr genau herausarbeitet und die Visionslosigkeit des jungen Frankreichs kritisiert.

Bildung ist immer ein schwieriges Thema, weil oft staubtrocken. Darum ist es gut, wenn sich Autoren alle Jahre einmal auf intelligente und zugleich unterhaltsame Art dem Thema widmen. Jan Roß ist mit seinem Sachbuch „Bildung – eine Anleitung“ der Nächste im Bunde. Jetzt entpuppt sich hier kein Umberto Eco, wahrscheinlich der letzte Autor, der als Universalgelehrter durchgehen hätte können, aber Jan Roß hat Qualitäten. Er nähert sich dem Thema in zwölf Bildern. Ein Bild ist der Bibel gewidmet, ein anderes der griechischen Mythologie, ein weiteres der Tatsache, dass ein Gemälde eben mehr als ein Gemälde aussagt, was altbekannt ist, aber dennoch nicht oft genug erwähnt werden kann. Natürlich, das Lesen von Büchern ist der sicherste Weg zur Bildung.

Deutsche Bildungslektüre

Jan Roß hat sich seine Sporen im großformatigen Feuilleton verdient, er weiß also, wie er die Sache angeht und den Leser mit auf seine Reise nimmt. Erfrischend ist seine Art, wie er es macht: Vom Entführen in fremde Welten eines Dschungelbuchs über die Anziehungskraft der Geschichten eines Charles Dickens bis eben zu Querdenkern der Antike wie Platon oder Aristoteles. Gelegentlich ist eine gewisse Arroganz spürbar, das sollte man dem Autor jedoch nicht übel nehmen. Er hat die Fährten zur Bildung gut gelegt, sie laden ein, mehr vom Leben wissen zu wollen. Dem Menschen, der an Bildung nichts findet, bleiben auch mit diesem Buch die Türen verschlossen.

Bildung – eine AnleitutngJan RoßRowohlt309 Seiten 

Bildung –
eine Anleitutng

Jan Roß

Rowohlt

309 Seiten