Sprachliche Finessen und politische Warnungen

Kultur / 07.02.2020 • 20:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jelineks sprachlicher Fleischwolf funktioniert auch in „Schwarzwasser“ wie geschmiert. Burgtheater/Matthias Horn
Jelineks sprachlicher Fleischwolf funktioniert auch in „Schwarzwasser“ wie geschmiert. Burgtheater/Matthias Horn

„Schwarzwasser“, Elfriede Jelineks Kommentar zur Ibiza-Affäre, wurde bei der Uraufführung bejubelt.

Wien Was macht ein pinker Gorilla im „Schwarzwasser“? Vor allem eine gute Figur. Nachdem Elfriede Jelinek auch bei ihrem neuesten Stück keine Rollen und keine Handlung, sondern einzig einen langen, monologischen Text geschrieben hat, hatte der deutsche Regisseur Robert Borgmann für die Uraufführung alle Freiheiten. Diese nutzte er für einen prallen Bilderreigen.

„eintritt macht frei“ verkündet – wohl in Abwandlung der zynischen KZ-Toraufschrift „Arbeit macht frei“ – ein Schriftzug auf einer Gipskartonwand, die die Besucher auf der Bühne des Akademietheaters ebenso wie einiges an szenischem Treiben im Zuschauerraum empfängt. Ist bei den Bühnenvorgängen freies Assoziieren angesagt, so ist bei den Texten genaues Hinhören notwendig. Jelineks sprachlicher Fleischwolf funktioniert auch diesmal wie geschmiert. In den Trichter kommen Wahrnehmungen aus der zeitgenössischen Politik und der medialen Berichterstattung sowie Rückgriffe auf die „Bakchen“ des Euripides und Verweise auf den französischen Kulturanthropologen und Religionsphilosophen René Girard. Die nach dem Faschieren entstandene Textwurst ist voller Bissig- und Bösartigkeiten, sprachlicher Finessen und politischer Warnungen. Im Zentrum stehen Brandstifter, die sich ihre Gesetze am liebsten selber machten, und Volksverführer, die sich als neue Götter gerieren.

Die Gefährlichkeit deutlich machen

„Schwarzwasser“ ist Jelineks Kommentar zur Ibiza-Affäre. Gleich zu Beginn verkündet Martin Wuttke im Frack in einer Art Ouvertüre, dass das berühmte Video auf Anraten der Burgtheater-Rechtsabteilung nicht gezeigt werde. Schemenhaft ist es als Großprojektion die erste Zeit dennoch präsent, während Wuttke das Märchen von der Blutwurst und der Leberwurst erzählt. Es geht nicht darum, sich noch einmal über sattsam bekannte Vorgänge lustig zu machen, die an Lächerlichkeit ohnedies nicht zu überbieten sind, sondern sie weiterzudenken, einzubetten und die Gefährlichkeit dessen, was sich hier in einem scheinbar unbeobachteten Moment offenbarte, deutlich zu machen. Das gelingt Jelineks Text immer wieder, auch in Borgmanns Inszenierung. Bloß hat der Regisseur für die Jelinek’sche ecriture automatique, in der quasi die Sprache selbst spricht, keine überzeugende Umsetzung gefunden. Und teilt daher den (notwendigerweise gekürzten) Text in meist monologische Portionen. Dem Premierenpublikum im Akademietheater, der kleinen Bühne des Burgtheaters, gefiel es. Langer Jubel.

Nächste Aufführung von „Schwarzwasser“ von Elfriede Jelinek im Wiener Akademietheater am 8., 12. und 28. Februar: www.burgtheater.at