Virtuoses ist noch stärker in den Lichtkegel zu rücken

Kultur / 07.02.2020 • 20:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Anton Eger Quartett war zwar ohne CD, dafür aber mit einer großartigen Live-Performance am Spielboden.  spielboden/Jakubowska
Das Anton Eger Quartett war zwar ohne CD, dafür aber mit einer großartigen Live-Performance am Spielboden.  spielboden/Jakubowska

Das wird spannend: Mit Anton Eger hat David Helbock als Jazzkonzertkurator Interesse geweckt.

Dornbirn Ein Schlagzeugeinsatz, der genauso fasziniert wie überrascht und eine Harmonik, die enorme Spannung in sich trägt: Mit dem Anton Eger Quartett hat David Helbock, selbst bekannter Protagonist des Genres, einen denkenswerten Auftakt der neuerdings von ihm kuratierten Jazzreihe am Dornbirner Spielboden hingelegt. Dass er die Bandbreite des Jazz ausreizt, steht dabei schon einmal fest. Auch wenn die Umstände, unter denen das Konzert stattfand, gar nicht für ihn sprachen, liegt die Latte gleich sehr hoch, denn das musikalische Niveau der Darbietung war enorm. Und ob die Bemerkung in Insiderkreisen goutiert wird oder nicht: Das energiereiche Spiel hat enormen Spaß gemacht.

Während Anton Eger und sein Team absolut keinen Zweifel daran lassen, dass höchste Professionalität auf dem Podium samt exakter, mit der Kammermusik vergleichbarer Kommunikation untereinander zu den Voraussetzungen zählen, setzt man ungeniert auf die Tugend der Gelassenheit bei den Zuhörern. Die gut halbstündige Verzögerung des Beginns ist dabei allerdings eher hinzunehmen als das zeitweise Versagen der Lichtregie. Virtuoses wäre etwas stärker in den Lichtkegel zu rücken. Und dass es bei einem Konzert, das als CD-Präsentation angekündigt wurde, überhaupt keine CD gab, begründet Anton Eger mit der Unverlässlichkeit moderner Transportmittel. Gut, nach gecancelten Flügen, Stress mit der Security und angeblich einer abenteuerlichen Fahrt von München nach Dornbirn ist man ohnehin erstaunt, dass der Drumer an Kraft nichts vermissen lässt.

Stets packend

Eger, in Schweden aufgewachsen, war einige Zeit mit der englischen Band Phronesis unterwegs und hat sich nun mit Niels Broos, Matt Calvert und Robin Mullarkey zusammengetan. Das Ergebnis ist kraftvoll rockig und stets packend, wobei der Einsatz der Elektronik lediglich eine Geschmacksfrage bleibt. Rolf Aberer, Musiker, Komponist, Pädagoge und Wegbereiter einiger Bands, saß übrigens im Publikum. Den VN bekundete er, absolut fasziniert gewesen zu sein.

Jetzt braucht der Spielboden nur noch ein Publikum, das dem allgemeinen Angebot und der Auswahl von David Helbock so weit vertraut, dass der Konzertbesuch eine Selbstverständlichkeit wird. Nach Heartbeat mit Herbert Walser steht im März Christian Muthspiel auf dem Programm, gefolgt von David Helbock selbst. VN-cd

Jazz am Spielboden

20. Februar Heartbeat feat. Winnie Brückner

19. März Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna

8. April Art of Solo mit Johanna Borchert u. David helbock

14. Mai The Art of Duo, Veronica Hrcsa/Bálint Gyémánt u. Peter Madsen/Oli Rath