Wie man einst gegen Epidemien vorging

Kultur / 07.02.2020 • 22:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bruderschaftsbüchlein aus dem Jahr 1668, gedruckt von Bartholomäus Schnell in Bregenz. Vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo
Bruderschaftsbüchlein aus dem Jahr 1668, gedruckt von Bartholomäus Schnell in Bregenz. Vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo

Statutenbuch einer Bruderschaft aus dem Jahr 1668 liefert Aufschlussreiches.

Dornbirn Aus dem Hatlerdorf ist die Sage von einer Frau bekannt, die eine Seuche im frühen 17. Jahrhundert so überstand, dass sie sich mit ihrer Geiß im Jauchekasten einsperrte und abwartete, bis alles vorbei war. Mitgenommenes Brot und vor allem die Milch des Tieres verschafften ihr Nahrung. Mit „Klag über Klag 77 Tote in einem Grab“, zitiert der Kunsthistoriker Tobias G. Natter die Schrift auf einer Tafel beim alten Friedhof des Ortes. Das heißt, dass zu dieser Zeit in Vorarlberg die Pest wütete, der man an sich wehrlos ausgeliefert war.

Einige Jahrzehnte später wurde in Dornbirn die Bruderschaft zum Hl. Sebastian gegründet. Vom Bruderschaftsbüchlein aus dem Jahr 1668 sind nur noch wenige Exemplare vorhanden, eines befindet sich in einer Vorarlberger Privatsammlung.

Zeugnis des frühen Buchdrucks

Es ist auch ein frühes Zeugnis des Buchdrucks in Vorarlberg. Obwohl Gutenberg die Methode bereits Mitte des 15. Jahrhunderts revolutionierte, dauerte es in ländlichen Gebieten noch lange, bis die ersten Buchdruckereien entstanden. Mit der „Emser Chronik“ aus dem Jahr 1616, gedruckt von Bartholomäus Schnell in Hohenems, setzte man in Vorarlberg das Startsignal.

Das Statutenbuch der Bruderschaft wurde schließlich in der Zweigstelle in Bregenz hergestellt. Es hat mit 14,7 mal 8,5 Zentimetern ein handliches Format, einen Buntpapiereinband und zeigt auf der Titelseite den von Pfeilen durchbohrten Hl. Sebastien und den Hl. Rochus mit Pilgerstab und offener Wunde am Schenkel. Beide waren die zentralen Pestheiligen der römisch-katholischen Kirche. Solche Bruderschaften waren wichtige Vereinigungen von Menschen, die soziale Aufgaben übernahmen, die vor der Einrichtung des modernen Sozialstaats sonst kaum jemand erfüllte.

Für Brüder und Schwestern

Man war also vor allem karitativ tätig und in diesem Fall auch erpicht darauf, Vorsorge gegen Seuchen und Epidemien zu treffen. Die aufgelisteten Gegenmaßnahmen sind zwar mit den heutigen Vorkehrungen gegen Epidemien vergleichbar, die nun gerade im Zuge der Verbreitung des Coronavirus thematisiert werden, in ihrer damaligen Ausformung wirken sie freilich strikt, dokumentieren die damalige Angst und klingen aus heutiger Perspektive auch furchterregend. Orte wurden abgeriegelt, wenn es irgendwo einen Verdachtsfall gab, waren alle Bewohner des Hauses oder von Häuserzeilen von Aus- und Abgrenzungen betroffen und Hausierer oder fahrendes Volk hielt man sich gleich einmal fern. Die Bruderschaft zum Hl. Sebastian sollte 100 Mitglieder umfassen, da von Brüdern und Schwestern die Rede ist, konnten ihr auch Frauen angehören. Die Bruderschaft existiert heute noch in Dornbirn-Oberdorf und hat die Statuten im 20. Jahrhundert überarbeitet. VN-cd