Ein Bravo für das ­Jüdische Museum in Wien

Kultur / 13.02.2020 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Jüdische Museum Wien zeigt in seiner Dependance am Judenplatz mit „Lady Bluetooth. Hedy Lamarr“ bis zum 10. Mai die Lebensgeschichte der strahlenden Hollywood-Ikone und genialen Erfinderin Hedy Lamarr, eine Hommage an eine außergewöhnliche Frau, Schauspielerin, Femme Fatale, Erfinderin, einen Filmstar, eine Diva, Mutter und Unternehmerin.

Das aufregende Leben des Filmstars liest sich wie ein Filmdrehbuch. Lamarr wurde 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren. Als Tochter eines jüdischen Bankiers wuchs sie im Wiener Nobelbezirk Döbling auf. 1943 entdeckte sie Max Reinhardt, der Sie als „schönste Mädchen der Welt“ pries, für das Theater. Der Skandal um ihre nur wenige Sekunden andauernde Nacktszene und die Darstellung eines Orgasmus im tschechischen Avantgarde-Film „Ekstase“ 1933 machte sie zum internationalen Star. Im selben Jahr heiratete Hedwig Kiesler den einflussreichen, reichen und weitaus älteren Munitionsfabrikanten und Waffenhändler Fritz Mandl. Er ermöglichte ihr ein Leben in Luxus, verbot ihr aber die Schauspielerei. Im August 1937 lernte sie den Hollywood-Filmproduzent Louis B. Mayer von Metro-Goldwyn-Mayer bei den Salzburger Festspielen kennen. Kurzentschlossen bestieg sie den Luxusdampfer Normandie, entfloh ihrer ungeliebten Ehe und folgte Mayer in die Vereinigten Staaten. In New York kam sie mit einem Vertrag mit MGM und ihrem neuen Künstlernamen: Hedy Lamarr an. Ihr erster Hollywood-Spielfilm „Algiers“ war ein durchschlagender Erfolg und machte sie weltberühmt. Lamarr engagierte sich im Kampf gegen die von ihr gehassten Nazis, zudem ihre mit dem Komponisten George Antheil ausgearbeitete Funkfernsteuerung für Torpedos ebenso wie ihre Ideen zu komplexen Waffensystemen beitrugen. Das dafür entwickelte Frequenzsprungverfahren, das Sie der US Navy zur Verfügung stellte, gilt heute als Basis für Drahtlostechnologien wie Bluetooth, Mobilfunk und WLAN . Für ihren Freund , den nicht minder exzentrischen Piloten, Regisseur und Erfinder entwarf Sie einen Flugzeugrumpf mit perfekten Flugeigenschaften. Hedy Lamarr war eine emanzipierte Frau bevor Emanzipation noch ein Thema war, genoss das Leben und war insgesamt sechsmal verheiratet. Sie starb 2000 und ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. All das zeichnet die Ausstellung spannend und kenntnisreich nach.

Geistiger Aderlass

Mit der Präsentation von herausragenden Persönlichkeiten wie Hedy Lamarr leistet das Jüdische Museum in Zeiten eines wachsenden Antisemitismus einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der österreichischen Geschichte.

Es folgen heuer Ausstellungen über den Theatermagier Max Reinhardt und den großen Juristen und Schöpfer der österreichischen Verfassung, Hans Kelsen. Ausstellungen, die uns eindrücklich in Erinnerung rufen welchen geistigen Aderlass die Barbarei der Nazis und deren mörderischer Antisemitismus verursachte.

Es folgen heuer Ausstellungen über den Theatermagier Max Reinhardt und den großen Juristen und Schöpfer der österreichischen Verfassung, Hans Kelsen.

Gerald Matt

gerald.matt@vn.at

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.