Härtetest auch in kleiner Formation bestanden

Kultur / 14.02.2020 • 19:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christoph Eberle mit der Quarta 1/4, dem Kammermusikensemble der Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie. ju
Christoph Eberle mit der Quarta 1/4, dem Kammermusikensemble der Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie. ju

Das Kammerorchester Quarta 1/4 zeigt in der Streicherbesetzung besondere Qualitäten.

BLUDENZ Christoph Eberles Idee, seine seit vier Jahren bestehende Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie zwischendurch auch als Kammerorchester auftreten zu lassen, macht pädagogisch durchaus Sinn. Es ist für die jungen Musiker die beste Schule, in kleiner Besetzung größere Verantwortlichkeit zu übernehmen als in der großen Masse und damit beim Musizieren noch intensiver aufeinander einzugehen. So präsentierte sich denn bereits am ersten von vier Abenden des nun Quarta 1/4 genannten Projektes erstmals eine hoch motivierte 22-köpfige Streichertruppe in der Remise, nachdem im Vorjahr die Bläser an der Reihe waren.

Freilich sind mit dieser verkleinerten Besetzung auch Risiken verbunden, denn das Spiel in kammermusikalischer Transparenz ist um vieles heikler als im großen Orchester. Christoph Eberle hat mit seiner lebenslangen Orchesterroutine vorgesorgt und seine Youngsters gut für diesen Einsatz gebrieft. Allerdings machen zunächst die äußeren Bedingungen in der voll besetzten Remise mit ihrer erbarmungslos trockenen Akustik der jungen Truppe das Leben schwer. Es braucht im einleitenden Mozart-Divertimento D-Dur, KV 136, einige Zeit des Einhörens und Vortastens, bis sich in diesem Härtetest der erwartete geschlossene, satte Streicherklang entwickelt. Die Musiker beweisen in dieser Situation durchaus Nervenstärke und Courage, dabei bleibt allerdings manchmal die saubere Intonation auf der Strecke. Unter freundlicheren akustischen Bedingungen wird sich das in den folgenden Konzerten sicher bereinigen lassen. Zu berücksichtigen ist dabei auch das Durchschnittsalter der Musiker zwischen 18 und 20 Jahren, vom 13-jährigen Jüngsten von Christoph Eberle bis zur Ältesten mit 24, die in ihrer Begeisterung für dieses Projekt auch ihre Semesterferien geopfert haben.

Gradmesser

Ein von Christoph Eberle klug ausgewähltes Programm von drei populären, auch in ihrem Schwierigkeitsgrad angepassten Werken, die sowohl den Musikern wie dem Publikum Spaß machen, lässt diese kleinen Anfangsprobleme rasch vergessen. Mozart entsteht ab dem langsamen Mittelsatz in klassischer Eleganz und Schönheit und wird von Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen und Streichorchester d-Moll, BWV 1043, abgelöst, das trotz des enormen Schwierigkeitsgrades mit seiner kontrapunktischen Linienführung und hohen schnellen Streicherfiguren zum beeindruckenden Höhepunkt und Gradmesser für die Leistungsfähigkeit dieses Ensembles wird. Zwei junge Geiger aus der Region spielen den Solopart, der in Wangen geborene Oskar Kaiser, bei Rudens Turku am Konservatorium ausgebildet, und David Kessler, derzeit im Präsenzdienst bei der Gardemusik und im Studium an der Wiener Musikuniversität. Die beiden bewältigen den technisch höchst anspruchsvollen Solopart auch tonlich brillant, im Dialog untereinander und mit dem Orchester unaufgeregt und überlegen, bis zum berühmten langsamen Mittelsatzsatz, in dem sich die Solostimmen wie Verliebte umschlingen. Die beiden sind sich auch nicht zu schade, in den anderen Stücken jeweils abwechselnd die Funktion des Konzertmeisters im Ensemble zu übernehmen.

Berühmte Streicherserenade

Bemerkenswert rasch stellt sich das Orchester nach der Pause von Bachs Strenge auf Dvoráks berühmte Streicherserenade E-Dur mit ihren süffigen böhmischen Melodien um, die quasi auf der Zunge zergehen, transportiert diese turbulente Stimmung auch, doch will sich hier die gnadenlose Kompaktheit und Präsenz im Zusammenspiel wie bei Bach nicht mehr durchgehend einstellen. Dafür bietet das Ensemble eine lockere, fast übermütige und für das Publikum mitreißende Version, die noch durch zwei von Eberle arrangierte Walzerminiaturen dieses Komponisten als stürmisch verlangte Zugabe prolongiert wird. Nach diesen Eindrücken möchte man das Ensemble Quarta 1/4 am liebsten gleich zum Quarta 3/4 befördern.

Konzerte: 15. Februar 19.30 Uhr, Evangel. Kirche, Bregenz; 16. Februar, 18 Uhr, Kauffmann-Saal, Schwarzenberg; Rundfunk: 16. März, 21.05 Uhr, Radio Vorarlberg