Manche mögen es ganz konkret

Kultur / 14.02.2020 • 19:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künstlerin Ilse Aberer zeigt auch die Lust an der Variation. Ag
Künstlerin Ilse Aberer zeigt auch die Lust an der Variation. Ag

Ausstellung im QuadrART bestätigt, dass die konkrete Kunst seit ihrer Entstehung präsent ist.

DORNBIRN Bevor im Herbst das neue Ausstellungsformat „In guter Gesellschaft“ mit dem Schwerpunkt Vorarlberger Kunstschaffen an den Start geht, wird es im QuadrART Dornbirn noch einmal ganz konkret. Zu sehen sind 12 internationale, bereits etablierte Positionen, die die Bandbreite zeitgenössischer konkreter Kunst aufzeigen. Als Kuratoren fungieren Dietmar Guderian, Vorsitzender des Vereins zur Förderung neuer Konkreter Kunst, aus Freiburg, sowie die Vorarlberger Künstlerin Ilse Aberer.

Ungebrochen aktuell

Sie war nie wirklich weg: Im Gegensatz zu anderen Kunstrichtungen, Stilen und den zahlreichen Ismen, die gekommen, gegangen und wiedergekommen sind, war die konkrete Kunst seit ihrer Entstehung im frühen 20. Jahrhundert zwar nie Mainstream, aber durchgehend präsent. Geometrische Grundformen, Gesetzmäßigkeiten und überprüfbare Logik als Basis der Kunst sind ungebrochen aktuell, werden von den Zeitgenossen aber nicht mehr in bauhäuslerischer Strenge mit den Farb-Form-Zuordnungen angewendet, sondern ungleich freier und offener.

Auch Ilse Aberer (1954) genügt ein zentrales Gestaltungselement und eine Gestaltungsregel. „Das Quadrat ist meins“, sagt die Götzner Künstlerin und teilt diese Form nach dem Goldenen Schnitt, verschiebt und fügt spielerisch neu zusammen. „Horizon“ nennt sie das objektartige Gemälde mit der vertikalen Aneinanderreihung solcher Quadrat-Viertel, die an den Bildkanten die Primärfarben abstrahlen lassen und an der Oberfläche mit Sekundärfarben bestechen. Die 26 verschiedenfarbigen, von Weiß nach Schwarz durchdeklinierten, ansonsten gleichförmigen Elemente der Reihe „A – Z“ sind auch nicht auf den ersten Blick als Quadrate zu identifizieren. Gestellt, gelegt, einzeln oder als Cluster, chaotisch oder fein säuberlich geordnet, zeigen sie bei aller Stringenz der Vorgaben die Lust der Künstlerin an der Variation auf.

Von altmeisterlich bis bewegt

Mit absoluter, geradezu altmeisterlicher Präzision ermalt sich der Budapester Künstler Laszlo Otto (1966) sein geometrisches Weltbild und genau wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk geht auch der Zürcher Rolf Schneebeli vor, wenn er zwei zentralsymmetrische Strahlenkränze übereinander legt und der eine sich langsam dreht – bis für einen kurzen Moment im Aufeinander aus den Strahlen eine schwarze Fläche wird und an Malewitschs berühmtes schwarzes Quadrat erinnert. Während die Bewegung hier fast unmerklich langsam erfolgt, erfordern die gefalteten Arbeiten von Edgar Diehl (1950) und besonders jene der gebürtigen Slowenin Vesna Kovacic (1954) die aktive Bewegung des Betrachters vor dem Objekt, damit sich aus wildem Streifenmuster eine geordnete Struktur bildet. Konsequentes Schwarz, Weiß und Grau bzw. Silber prägen die Malerei der Deutschen Werner Dorsch (1952) und Gerhard Hotter (1954), der mit der Langfordschen-Zahlen-Reihe arbeitet. Farbe kommt mit Gisela Hoffmann (1963), die eine Möbius-Schleife in Neongelbgrün variiert, und Ingo Glass (1941), der sich an den drei geometrischen Grundfarben und den drei Primärfarben abarbeitet, ins Geschehen. Weitere Werke stammen von Waltraut Cooper, Michael Jouet und Martin Vosswinkel.

Eröffnung am 15. Februar, 17 Uhr, im QuadrART Dornbirn, Sebastianstraße 9. Zu sehen bis 25. Mär, Do, Fr, Sa, 17 bis 19 Uhr, bis 2. Mai nach Vereinbarung: 05572 909958.