Komponist Zuko Samela hat in Vorarlberg eine zweite Heimat gefunden

Kultur / 22.06.2020 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Komponist Zuko Samela hat in Vorarlberg eine zweite Heimat gefunden
Zuko Samela wohnt derzeit im Haus seines Mentors Klaus Christa und wird von ihm am Konservatorium in Bratsche ausgebildet. PFORTE

Die Kompositionen des jungen Südafrikaners atmen den Rhythmus seiner Heimat.

Klaus Er hat durch das Bochabela String Orchestra in Vorarlberg eine zweite Heimat gefunden, wohnt derzeit im Haus seines Mentors Klaus Christa und wird von ihm am Konservatorium in Bratsche ausgebildet. Der Südafrikaner Zuko Samela (25) spielt im dortigen Sinfonieorchester, in anderen Ensembles und Kammermusikgruppen der „Pforte“ und hat sich mit Erfolg auch bereits an eigenen, stark von der Improvisation und vom Rhythmus geprägten Werken versucht. Damit verleiht er dieser VN-Reihe mit jungen Komponisten des Landes einen exotischen Anstrich.

„Besondere Liebe zur Musik“

Zuko Samela hat in seiner Heimat in einem Township gelebt, einer einfachen Wohnsiedlung für die farbige Bevölkerung. Mit neun erhielt er im Rahmen des Mangaung String Projektes den ersten Geigenunterricht und wurde später Mitglied beim Bochabela String Orchestra. Dort wurde Klaus Christa, Professor am Landeskonservatorium, bei seiner Arbeit in Südafrika auf ihn aufmerksam: „Mir ist seine besondere Liebe zur Musik aufgefallen. In den Probenpausen ist er immer am Klavier gesessen oder hat auf der Bratsche mit seinen Freunden improvisiert. Mit dem Erlös der Tourneen des Bochabela String Orchestra haben wir ihm dann über ein Stipendium den Aufenthalt in Vorarlberg mit Studium in meiner Klasse ermöglicht.“

Samela wurde auch bei Christas Familie mit offenen Armen aufgenommen und hat durch sie sofort Anschluss gefunden: „Am Anfang war ich zwar ein bisschen nervös, aber inzwischen fühle ich mich hier sehr gut integriert und habe einen großen Freundeskreis. Im Allgemeinen sind die Leute sehr nett und offenherzig zu mir, und dank einer App und durch gutes Zuhören kann ich bereits relativ gut Deutsch und verstehe auch schon einiges vom Vorarlberger Dialekt.“ Eine Parallele zum weißen Südafrikaner Guy Speyers bietet sich an, der diesen Weg bereits vor Jahren gegangen und heute hier ein gefragter Musiker und glücklich verheiratet ist.

Klaus Christa ist stolz auf seine Entdeckung: „Zuko ist das, was man einen ‚richtigen Musiker‘ nennt. Er liebt die Bratsche, ist im Herzen aber wirklich ein Allrounder. Er improvisiert wahnsinnig gerne, und sein Komponieren wurzelt ganz sicher auch im Improvisieren, das ist seine Welt. Dazu kommt seine Liebe zur Conga, Perkussion ist für ihn etwas ganz Wesentliches.“ Und Samela ergänzt: „Ich durfte schon bei den Bochabelas Congas spielen, das war wunderbar für mich, ich konnte nicht mehr aufhören damit. Rhythmus ist überall in Südafrika, das liegt in der Luft und die Conga ist wie eine zweite Stimme für mich, neben der Bratsche.“

Kein Wunder, dass auch seine Kompositionen stark von diesen Elementen geprägt sind, wenn er seine „Gefühle und Stimmungen ausdrückt, Geschichten schreibt“. Das begann 2015 mit seinem Erstling „That feeling“ für ein südafrikanisches Jazzensemble im Montforthaus, „Siyabonga“ („Wir danken Dir“) wurde 2017 mit dem Innsbrucker Kammerchor unter Martin Lindenthal und einem Streichquintett in St. Arbogast und später auf Tournee aufgeführt, „Celebrations“ entstand 2018 zum 20-Jahr-Jubiläum der „Pforte“ für Streichquintett und Congas.

„Der erste schwarze Geigenbauer“

Aber da gibt es noch eine ganz andere, besondere Vorliebe im Leben des Zuko Samela. Klaus Christa: „Wir haben Zuko, der eine große Leidenschaft für den Geigenbau entwickelt hat, ermöglicht, einen Monat mit meinem Geigenbauer in Amerika, Bill Scott, zu arbeiten. Das war im Sommer 2019 und seither ist er dabei, seine erste eigene Bratsche zu vollenden.“ Der Geigenbau wird vermutlich auch in seinem späteren Leben eine wichtige Rolle spielen, meint Samela: „Das ist etwas, was mich seit Jahren unglaublich fasziniert. Ich habe in Amerika sehr viel gelernt und träume davon, der erste schwarze Geigenbauer Südafrikas zu werden.“ Fritz Jurmann

10. Juli, 19 Uhr, Pavillon der Gemeinde Klaus: Pfortebalkon-Fest mit Aufführung des Werkes „Celebration“ von Zuko Samela (bei Schlechtwetter im Winzersaal Klaus)

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