Festspiel-Uraufführung, die dem Komödienprinzip folgt

Kultur / 11.08.2020 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Festspiel-Uraufführung, die dem Komödienprinzip folgt
Elisabeth Stöppler: „Wie wir miteinander und mit Ressourcen umgehen, diese Frage wird hier unter das Brennglas gehalten.“  VN/PAULITSCH

Elisabeth Stöppler spricht über die Uraufführung von “Impresario Dotcom”, einem “unglaublich farbigen Stück”.

Bregenz “Ich erlebe diese Zeit nun als eine, in der wir uns als Künstler hinterfragen müssen  und es auch tun. Worum geht es? Was ist relevant? Was brauchen wir und was braucht das Publikum? Man schält ab, was unwesentlich ist”, erklärt Elisabeth Stöppler die momentane Situation. Die deutsche Regisseurin inszeniert die Uraufführung der Oper “Impresario Dotcom” von Lubica Cekovská im Rahmen der Festtage der Bregenzer Festspiele. Dass diese Fragen auch in diesem Werk thematisiert werden, das auf der Komödie “Der Impresario von Smyrna” von Carlo Goldoni (1707-1793) basiert, war mit ein Grund, die Umsetzung mit einem weit gespannten Netz zwischen den Figuren neu zu konzipieren und sie trotz der abgesagten Festspiele ins Programm zu nehmen. Dass die Menschen nur miteinander vorankommen und dass es Mut zur Veränderung braucht, schwinge schon bei Goldoni mit.

Festspiel-Uraufführung, die dem Komödienprinzip folgt
Probenszene „Impresario Dotcom“ von Lubica Cekovská, inszeniert von Elisabeth Stöppler, im Bregenzer Festspielhaus. Festspiele/Stoll

“Unglaublich farbig”

Der bekannte Komödiendichter zeigt Sänger, denen nahezu jede Intrige recht ist, um an eine Rolle zu kommen und bedient dabei eine Reihe von Klischees. Librettistin Laura Olivi bleibe nah am Original, konzentriert sich dann aber sehr stark auf die Demaskierung der Figuren und die Botschaft, dass es gilt, gemeinsam einer Sache zu dienen. “Das Stück hat mich angezogen, weil es um eine pralle Komödiantik geht. Aus Gründen der Konkurrenz wollen die Figuren einander nicht begegnen. Jemand von außen muss die Veränderung bewirken.” Die Kunst selbst liefere ja auch diese Impulse. Die Musik selbst bezeichnet Elisabeth Stöppler als “unglaublich farbig und rhythmisch”. Sie folge dem Komödienprinzip. Dabei darf darauf verwiesen werden, dass die Sänger hier die Namen von Figuren aus fünf verschiedenen Opern tragen, nämlich Orfeo, Olympia, Carmen, Violetta und Tamino. Einzelne Arien aus den Opern von Mozart, Verdi, Offenbach etc. tauchen in der Tat auf und werden in einer Vorsingszene gemeinsam intoniert. “Da entsteht ein unglaubliches Kaleidoskop, Cekovská komponiert auch aus dem Gestus heraus, dass sie sehr viel Filmmusik gemacht hat.” Mit dem Werk “Dorian Gray” nach Oscar Wilde hat sich die aus der Slowakei stammende Komponistin in der Opernszene bekannt gemacht. “Impresario Dotcom” unterscheide sich allerdings sehr stark von diesem Stück. Christopher Ward wird das Symphonieorchester Vorarlberg dirigieren, das auch heuer von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka engagiert wurde.

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Wagner-Opern

Elisabeth Stöppler kommt übrigens von der Musik. Sie hat Klavier studiert, dann Schauspiel in Rom (“Da habe ich viel gelernt, vor allem was die Commedia betrifft”) und schließlich Musiktheaterregie. Es sei recht schnell klar gewesen, dass sie alle Fähigkeiten am besten im Bereich der Oper bündeln kann. Sie hat unter anderem mit Peter Konwitschny gearbeitet und bezeichnet ihn als eine der prägenden Persönlichkeiten. Vor dem Lockdown wurde in Chemnitz ein hoch interessantes Projekt umgesetzt, vier Regisseurinnen realisierten Richard Wagners “Ring des Nibelungen”, Stöppler war erst beim Finale, das heißt, bei der  “Götterdämmerung” dran, hat nicht nur festgestellt, dass das Konzept funktionierte, sie hatte, was Wagner betrifft, Blut geleckt. Nach diesem hoch komplexen Werk des Komponisten wird demnächst “Tristan und Isolde” folgen, auch an “Parsifal” denkt sie nun, nachdem sie lange alle Anfragen, Wagner-Opern zu inszenieren, abgelehnt hatte. Neben diesen bekannten Werken des Repertoires wird sie sich in nächster Zeit wieder mit dem Musiktheater der Gegenwart beschäftigen. In Graz wurde kurz vor der Schließung der Theater noch ihre Inszenierung von Mozarts “Don Giovanni” gezeigt. Die Produktion kommt auf den Spielplan, sobald es wieder einen gibt. “Mefistofele” von Boito war für Hannover vorgesehen. Weil die Oper einen großen Chor braucht, ist es offen, wann sie realisierbar sein wird. “Es wird Veränderungen geben”, sagt Elisabeth Stöppler, und die Notwendigkeit, über Lösungen zu sprechen.

Festtage der Bregenzer Festspiele vom 15. bis 22. August; Aufführungen der Oper “Impresario Dotcom” am 20. und 21. August, 20 Uhr, im Festspielhaus.

Zur Person: Elisabeth Stöppler

Geboren 1977 in Hannover

Ausbildung Studium Klavier, Schauspiel und Musiktheaterregie

Werdegang Inszenierungen an der Hamburgischen Staatsoper, an der Semperoper Dresden, an der Oper Frankfurt, am Theater Chemnitz, an der Oper Graz u. a. „Don Giovanni“, „Peter Grimes“, „Götterdämmerung“, „Le Nozze di Figaro“, mehrere zeitgen. Stücke.

Auszeichnungen u.a. Theaterpreis „Der Faust“

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