Festspiele haben sehr Umfangreiches in Planung

Kultur / 19.08.2020 • 08:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Festspiele haben sehr Umfangreiches in Planung
Elisabeth Sobotka: „Es war ein sehr kreativer Prozess, der uns zu ,Impresario Dotcom‘ geführt hat.“  VN/Paulitsch

Heuer noch eine Uraufführung und im kommenden Jahr gleich zwei: Elisabeth Sobotka gibt sich zuversichtlich.

Bregenz Mit den Festtagen wollen die Bregenzer Festspiele auf die vielfältigen Formate auf ihren Bühnen verweisen. Eine Uraufführung ist dabei, und eines steht fest: 2021 soll, wie Intendantin Elisabeth Sobotka betont, das 75-Jahr-Jubiläum groß gefeiert werden.
 
Nach dem Gespräch mit Elisabeth Stöppler freue ich mich sehr auf „Impresario Dotcom“. Es ist ein Auftragswerk der Festspiele. Welches war das wesentliche Motiv für die Vergabe das Auftrags?
Es war ein langer, sehr kreativer Prozess, der uns zu dieser Oper geführt hat. Dramaturg Olaf Schmitt hat mich auf die Komponistin aufmerksam gemacht. In den Gesprächen mit ihr hat sich der Wunsch herauskristallisiert, eine Opera buffa zu erarbeiten. Sehr bald haben wir Laura Olivi beauftragt, auf der Basis von Goldonis „L‘impresario delle Smirne“ ein Libretto zu erarbeiten. Dieser Stoff hat sehr viel mit der Kunstform Oper und den Persönlichkeiten und Befindlichkeiten von Sängerinnen und Sängern zu tun. Das hat uns alle ganz besonders interessiert. Wie kann man auch diese Geschichte in die heutige Zeit transferieren? Ungewöhnlich früh war auch Elisabeth Stöppler mit im Team, und das hat zu einer zusätzlichen kreativen Dynamik geführt.
 
Lubica Cekovská komponiert auch für Filme. „Impresario Dotcom“ unterscheidet sich sehr von ihrer Oper „Dorian Gray“. Wo ordnen Sie die Musik ein? Was ist das Besondere?
Das Besondere an der Musik für diese Oper ist die Lust am Zitat und an der Komik. Selbstverständlich arbeitet Lubica Cekovska mit allen Mitteln der zeitgenössischen Musik. Gleichzeitig gibt sie allen fünf Opernfiguren „ihre“ Musik mit und bindet diese Zitate sehr organisch und sehr witzig ein. Es entsteht ein ganz eigenes, faszinierendes Klangbild.


Was hat Sie berührt?
Die erste musikalische Probe für „Impresario Dotcom“ auf der Bühne war ein großartiger Moment. Endlich wieder Leben und Musik auf den Brettern die die Welt bedeuten. Innerhalb der bisherigen Festtage hat mich der 2. Satz der 7. Symphonie von Beethoven besonders berührt. Das Symphonieorchester Vorarlberg in voller Stärke und der wunderbar inspirierte Dirigent Enrique Mazzola haben diese Musik unglaublich engagiert umgesetzt.
 
Der Begriff „Festtage“ klingt nach Understatement, Sie haben Richard Strauss und Beethoven im Programm, dazu die Uraufführung. Was war Ihnen bei der Konzeptionierung wichtig?
Die Festtage zeigen ein vielfältiges Spektrum unserer verschiedenen Formate im Haus. Mir war es besonders wichtig, Künstler und Künstlerinnen einzuladen, die von großer künstlerischer Bedeutung für die Festspiele sind. Zusätzlich wollte ich auch ein in sich schlüssiges Programm anbieten.
 
Aufgrund der Covid19-Auflagen, die bedingen, dass Sie – pauschal gesagt – vor halbleeren Sälen spielen müssen, werden die Einnahmen gering sein. Bereitet Ihnen das zusätzliche Sorgen?
Nein. Es war von Anfang an klar, dass die Einnahmen geringer ausfallen werden. Uns war es wichtig, unserem Publikum ein spannendes Programm anzubieten und zu zeigen, dass Konzerte und Musiktheater auch in dieser komplizierten Zeit möglich und notwendig sind.
 
Überall, wo man wieder Konzerte oder Aufführungen besuchen darf, erfährt man, wie diszipliniert Künstler und Publikum sind. Die Künstler sind froh, dass sie auftreten dürfen, das Publikum ist dankbar, wieder ein Live-Erlebnis zu haben. Wie haben Sie die Probenzeit erlebt?
Die Probenzeit habe ich als ganz besonders konzentriert und inspiriert erlebt. Einerseits war da die große Freude, wieder etwas für Publikum gestalten zu können. Anderseits erforderte die Reduktion der Mittel eine unglaubliche Kreativität. Das zu spüren war einmalig.
 
Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Publikum? Die vielen Menschen, die an sich für die Seebühnenoper kommen und sich dann neugierig machen lassen und eine weitere Aufführung besuchen, sind ja nicht da.
Das Publikum ist unglaublich interessiert, diszipliniert und begeistert. Wir mussten uns alle erst an die neuen Verhaltensregeln gewöhnen. Trotzdem ist die Spannung und die Anteilnahme des Publikums an unseren Vorstellungen stark zu spüren. Das macht mich glücklich und zuversichtlich.
 
Können Sie erfahren, dass der Lockdown mit allen negativen Auswirkungen die Menschen dazu bewegt, ihr Verhalten – etwa bezüglich des Ressourcenverbrauchs oder in puncto Solidarität – zu hinterfragen?
Das wäre schön. Ich bin da aber ein bisschen skeptisch. Natürlich haben wir alle auch positive Erfahrung im Lockdown gemacht. Schlussendlich ist aber auch diese Situation für Menschen in prekären Lebensumständen wesentlich schwieriger zu bewältigen, als für Menschen die im Wohlstand leben. Noch ist, glaube ich, nicht entschieden, ob uns diese Extremsituation zu mehr Solidarität oder zu mehr Konkurrenz führen wird.
 
Die Festspiele beginnen wieder in gut elf Monaten. Wir können vermutlich davon ausgehen, dass das Programm bereits steht. Was stärkt Ihre Zuversicht, dass Sie umfangreich sein können?
Ich glaube und hoffe, dass uns die Corona-Krise nächsten Sommer nicht mehr im Griff haben wird. Auch macht mich die jetzige Erfahrung mit unserem Publikum glücklich. Unsere Zuschauer wollen kommen und gehen dafür auch bei den Sicherheitsvorkehrungen mit.
 
Oper auf dem See, Oper im Festspielhaus und am Kornmarkt, ein Schauspiel, neben „Wind“ von Alexander Moosbrugger noch eine Uraufführung (wir haben einmal von Brigitte Muntendorf gesprochen) und Konzerte: Wird sich das ausgehen?
Für 2021 haben wir ein sehr umfangreiches Programm geplant. Wir feiern ja auch immerhin 75 Jahre Bregenzer Festspiele. Die Uraufführung von Brigitta Muntendorf haben wir um ein Jahr verschoben, aber auch nächsten Sommer bieten wir neben „Wind“ eine zweite Uraufführung an.

Veranstaltungshinweis

Die Festtage dauern bis 22. August. Aufführung von „Impresario Dotcom“ am 20. und 21. August im Bregenzer Festspielhaus.

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