Ein Traumpaar des Liedgesangs

Kultur / 21.08.2020 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sopranistin Anna El-Khashem und Bariton Johannes Kammler. BF/Anja Köhler
Sopranistin Anna El-Khashem und Bariton Johannes Kammler. BF/Anja Köhler

Zwei Sänger spielen bei den Festtagen Hugo Wolfs Italienisches Liederbuch.

Bregenz Der Liedgesang gehört kaum zum bevorzugten Programmangebot der Bregenzer Festspiele, dafür gibt es im Land andere Einrichtungen. So staunten die Besucher bei Musik & Poesie nicht schlecht, als im Rahmen der Festtage ein klassischer Liederabend höchste Erwartungen erfüllte. Die russische Sopranistin Anna El-Khashem und der deutsche Bariton Johannes Kammler waren ein hier bislang kaum bekanntes Traumpaar, dessen erstklassige Liedinterpretationen von Hugo Wolf und Richard Strauss keine Vergleiche zu scheuen brauchten.

Das mit dem Traumpaar ist auch mit Vorbehalt zu verstehen, denn es dauert geschlagene 75 Minuten, bis die beiden Sänger erstmals gemeinsam ein Duett anstimmen. Das ist bereits die erste Zugabe, Schuberts Wunschkonzertnummer „Licht und Liebe“, gekrönt durch einen zarten Kuss. Zuvor gilt es, vor allem den Anforderungen eines Hugo Wolf zu entsprechen, der in seinem berühmten Italienischen Liederbuch aus den 1890-er Jahren die Gesänge zwischen Sopran und Bariton aufteilt, sie aber nie gemeinsam agieren lässt. Das hat in der Vergangenheit meist zu eher stereotypen Auftrittsritualen im ständigen Wechsel der beiden Künstler geführt.

Und da kommt nun der Einfall ins Spiel, der diesen Abend besonders macht. Die Interpreten nutzen die Inhalte dieser Lieder nach italienischen Liebesgedichten, um immer wieder kleine Spielszenen daraus zu gestalten. Dies alles ist nicht improvisiert, sondern wie von einem kundigen Regisseur genau einstudiert. Und damit ist auch der Fokus des gespannten Publikums auf die Dichtung in den Liedern gerichtet. Denn das Wort ist diesmal bei Musik & Poesie nur durch Liedvertonungen präsent, dafür in einer klaren Diktion beider Künstler so deutlich und akzentfrei, dass man auf Textbeigaben verzichtet hat.

Enorme Bühnenpräsenz

Da sind zwei erfahrene Persönlichkeiten mit enormer Bühnenpräsenz, die ihre großen, opernerprobten Stimmen hier schlank und ideal den Vorgaben und Stimmungen des romantischen Liedes anpassen, die Akustik des Raumes nie überfordern und sich bei aller Präsenz der Darbietung auch immer wieder in wunderbarer Pianokultur üben, voll Charme, Innigkeit und Gestaltungsfreude. Noch dichter wird die Atmosphäre bei fünf Liedern von Richard Strauss, die seine opulent farbenreiche Klangwelt spiegeln. Da zeigt Anna El-Khashem im berühmten „Morgen“ ihre feinsinnig berührenden Ansätze, Johannes Kammler setzt mit der nicht weniger bekannten „Zueignung“ einen kraftvollen stimmlichen Glanzpunkt. Am Klavier begleitet die sichere Rita Kaufmann, die als Korrepetitorin an der Staatsoper Stuttgart manchmal doch etwas wenig partnerschaftliche Eigenpersönlichkeit entwickelt. JU

Letztes Konzert der Festtage im Festspielhaus: 22. August, 19.30 Uhr, Konzert der Wiener Symphoniker, Leitung Philippe Jordan (Richard Strauss)

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