Besondere Theaterprojekte brauchen einen besonderen Ort

Kultur / 14.09.2020 • 21:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Die Wand“ nach dem Roman von Marlen Haushofer wurde nach der Premiere in Hittisau an vielen Orten gespielt und wird nun wieder im Bregenzerwald gezeigt.  <span class="copyright">laurenz feinig</span>
„Die Wand“ nach dem Roman von Marlen Haushofer wurde nach der Premiere in Hittisau an vielen Orten gespielt und wird nun wieder im Bregenzerwald gezeigt.  laurenz feinig

Ensemble Café Fuerte feiert mit “Die Wand” Erfolge und probt bereits für die nächste Produktion.

Hittisau, Lingenau, Egg  Café Fuerte zählte zu den ersten Theaterensembles, die nach dem Lockdown wieder zu einer Premiere luden. Dass die Aufführungen von “Die Wand” nach dem 1963 erschienenen Roman der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970) grundsätzlich für ein Podium unter freiem Himmel konzipiert waren, kam Danielle Fend-Strahm und Tobias Fend gelegen, lediglich ein kleiner Ortwechsel wurde coronabedingt notwendig. Seit der Premiere Anfang Juli in Hittisau wurde das Stück 14 Mal gespielt, darunter in Lustenau, Lindau, Gargellen und Urnäsch. Vom 16. bis 18. September wird die exakt einen Quadratmeter große Bühne nun wieder in Hittisau aufgestellt, und zwar auf der Hinterbergalpe, zu der das Publikum mit einem Shuttlebus gebracht wird. “Dann sind wir wirklich weit weg vom bewohnten Gebiet”, erklärt Tobias Fend.

Hinterfragen der Lebensentwürfe

Der als feministische Robinsonade rezipierte Roman erzählt von einer Frau in einer existenziellen Extremsituation. Nach einem Jagdausflug ist der Weg ins Tal durch eine unsichtbare Wand versperrt, sie muss sich auf der Alm einrichten. Wie lange, das bleibt offen, sie pflanzt Bohnen und Kartoffeln und errechnet ihre Überlebenschancen an der Zahl der vorhandenen Zündhölzer. Im Gespräch mit den Zuschauern hat Fend festgestellt, dass die Themen, die sie dem Stück entnehmen, sehr unterschiedlich sind. Ein Hinterfragen der Lebensentwürfe oder des eigenen Umweltbewusstseins stelle sich jedenfalls ein. Bei der nächsten Produktion wird sich wohl Ähnliches zeigen. Tobias Fend will die Produktion “Das letzte Haus” wieder in den Spielplan nehmen und Ende September in Lingenau zeigen. Bauen und Wohnen seien gerade im Bregenzerwald zentrale Themen.

Eine neue Produktion behandelt konkret den Besitz. “Pakete, Pakete” nennt er das Stück, mit dem er vier Paketzusteller auf das Podium bringt, die ihre Situation beleuchten. Nach dem Prinzip, für besondere Stücke den jeweils passenden und somit besonderen Ort zu finden, spielt man auf einem Transporter in der Tiefgarage im großen Warenhaus in Egg. Später kann dieser dann auch in einer Halle stehen, aber stets geht es darum, was man überhaupt braucht.

Aufführung von “Die Wand” von Marlen Haushofer auf der Hinterbergalpe: 16., 17. und 18. September, Treffpunkt jeweils um 19.30 Uhr auf dem Dorfplatz Hittisau.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.