Wie Poesie den Alltag verbessert

Kultur / 02.11.2020 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Poesie den Alltag verbessert
Vorarlberger Schriftstellerin Lisa Spalt wurde ausgezeichnet.  SAXINGER

Lisa Spalt gewinnt Floriana-Preis und realisiert auch ganz und gar nicht fiktive Projekte.

linz, bregenz „Das Institut“ heißt der neue Roman von Lisa Spalt. Die Vorarlberger Schriftstellerin, die mittlerweile in Linz lebt, thematisiert in diesem Werk den Missbrauch der Poesie für antidemokratische Zwecke. Als probate Eingreifgruppe agiert ihr „Institut für poetische Alltagsverbesserung“, das sie in der Tat gegründet hatte und mit dem es ihr gelingt, „die Realität und die Literatur ineinander übergehen zu lassen”.

„Eine Frau sagte mir, sie hat ihre Utopie verwirklicht und lebt nun nur von dem, was sie selbst erzeugt.“

Lisa Spalt, Schriftstellerin

Derlei Mechanismen werden auch in ihrem Text „Die grüne Hydra“ wirksam, für den sie nun mit dem oberösterreichischen Literaturpreis Floriana ausgezeichnet wurde. Die Juroren, besetzt unter anderem mit den Autoren Anna Baar und Josef Winkler, waren vom Rhythmus und Sound beeindruckt. Der Text handle vom „Chaos nach der modernen Apokalypse, die in eine Dystopie mündet, in der Ökonomie auf Okologie prallt“, heißt es vonseiten des Preisgerichts. Der mit insgesamt 14.000 Euro dotierte Floriana-Literaturpreis wird biennal vergeben, den zweiten Platz belegt Robert Woelfl, den dritten Melanie Koshmashrab, den Förderpreis erhält Vanessa Graf. Über hundert Texte wurden heuer eingereicht, die Lesungen fanden im Stift St. Florian statt. Bei “Die grüne Hydra” handelt es sich um einen neuen Text, der, wie Lisa Spalt meint, in ein Buch mündet, das in etwa zwei Jahren vorliegen wird.

Menschen entwickeln Utopien

Das “Institut für poetische Alltagsverbesserung” ist, wie die Autorin im Gespräch mit den VN erzählt, so aufgebaut, dass sie auch mit Menschen kommuniziert, die beruflich nichts mit Literatur zu tun haben. Eine Aufgabe lautete, dass die Kontaktpersonen ein utopisches Buch beschreiben sollten, das es noch nicht gibt, das sie aber gerne lesen möchten. Damit die Interaktion gut klappt und Utopisches vorstellbar wird, hat Lisa Spalt Fragen entwickelt, die die Fantasie zum Laufen bringen. Spalt: “Es tauchen dabei ganz unterschiedliche Utopien auf, manche sind sogar total realistisch.” So habe sie einmal eine Frau interviewt, die betonte, dass sie ihre Utopie bereits verwirklicht habe und nur noch von dem lebt, was sie selbst produziert. Eine weitere Begegnung hat auch die Arbeit der Autorin beeinflusst. Ein Mann hielt fest, dass die Menschen zuerst einmal eine neue Sprache brauchen, damit sie einander besser verstehen. Eines der größten Probleme sei, laut diesem Akteur im “Institut für poetische Alltagsverbesserung”, dass die Menschen meinen, ihre jeweiligen Gesprächspartner seien wesentlich intelligenter als sie selbst. Eine neue Sprache solle die Möglichkeit schaffen, einander stets auf Augenhöhe zu begegnen.

Wer Arbeiten von Lisa Spalt kennt, der weiß, dass Sprachexperimente zu ihren Kernaufgaben zählen. Lösungen herbeizuführen gelinge oft, wenn man einfach einmal den gegenteiligen Weg geht.

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