Die Opfer sozialer Eiseskälte

Kultur / 04.11.2020 • 21:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller in der Inszenierung von Oliver Vorwerk im Schaaner TaK. buerkli
Szene aus „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller in der Inszenierung von Oliver Vorwerk im Schaaner TaK. buerkli

US-Autor Arthur Miller erweist sich nun als Dramatiker der Stunde.

Schaan, bregenz „Tod eines Handlungsreisenden“ steht als neue Produktion im Theater am Kirchplatz auf dem Programm, das Vorarlberger Landestheater hat „Alle meine Söhne“ im Saison-Spielplan, in dem es auch nach der momentanen Schließung wegen der Pandemie zu keinen Streichungen kommen soll. Ein Zufall ist es nicht, wenn Theaterunternehmen nun zu Dramen von Arthur Miller (1915-2005) greifen, der US-amerikanische Schriftsteller und Träger des Pulitzer-Preises bringt in seinen sozialkritischen Arbeiten die Mechanismen des Kapitalismus auf den Punkt. Er zeichnet auch nach, wie sie das familiäre bzw. private Gefüge zerstören bzw. nach und nach zerfressen.

Keine Scheu

Als vielzitiertes Paradebeispiel eines Vater-Sohn-Konfliktes verliert das 1949 uraufgeführte und bald darauf verfilmte Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ vor allem dann nichts an Aktualität und Spannung, wenn der „Amerikanische Traum“, dieses Prinzip der Leistungsgesellschaft, in der der Fleißige und keinsfalls der Mitfühlende zu Wohlstand gelangt, als Faktor nicht zu sehr in den Vordergrund rückt. Regisseur Oliver Vorwerk berücksichtigt dies mit ziemlicher Konsequenz. Er hat, was im Laufe der Aufführung (die in Liechtenstein vor kleiner Besucherzahl stattfinden darf) auch zunehmend inspirierend wird, keine Scheu davor, das Publikum extrem zu fordern. Wir erleben Willy Loman Sekunden vor dem finalen Crash. In raschen Rückblenden, in denen die Familienmitglieder auch in die Rollen des Chefs, der Geliebten etc. schlüpfen, werden die Fehlentscheidungen, die Überforderung oder die bröckelnden Bindungen wie kurze Blitze deutlich. Ein aufgezeichnetes Spielquadrat reicht als Ausstattung. Plakativ wird dieses Stakkato an tragischen Verstrickungen nie, denn da haut sich ein Ensemble (Ralf Beckord als Loman sowie Christiani Wetter, Julian Härtner, Nico Ehrenteit und Miriam Dey) ins Zeug, um in aufgeheizter Stimmung soziale Eiseskälte zu zeigen, die uns 70 Jahre nach der Uraufführung leider nicht fremd ist. VN-cd

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