“Menschen sind nicht bloß Virenschleudern”

Kultur / 06.11.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Menschen sind nicht bloß Virenschleudern"
Fabiola Tedesco und Esther Frey, Violine, Klaus Christa, Viola, Mathias Johansen, Violoncello, bei der Programmpräsentation im Pförtnerhaus.  JURMANN

Klaus Christa präsentierte ein umfangreiches Programm seiner „Musik in der Pforte“ für 2021.

Feldkirch Die Reihe „Musik in der Pforte“ ist im 22. Jahr ihres Bestehens längst zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Kulturangebot des Landes geworden. Kurator Klaus Christa ist es gelungen, mit stets neuen, oft auch unkonventionellen Einfällen seine Konzerte über das reine Musikangebot hinaus mit philosophischen, literarischen oder theatralischen Elementen lebendig zu erhalten. Dieser Trend der letzten Jahre zeichnet auch die sechs Abo-Konzerte im Programm 2021 aus, die im April gestartet werden. Ein Streichquartett aus bewährten Musikern der Reihe umrahmte die Präsentation mit Musik komponierender Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts, die bereits für Mai geplant war und nun durch den zweiten Lockdown erneut entfallen musste. So wurden diese Werke von Vilma von Webenau und Maria Bach wenigstens in Bild und Ton dokumentiert.

Kompositionsaufträge

Anlass für Klaus Christa, sich öffentlich Gedanken darüber zu machen, wie die Politik mit den Anliegen der Kultur generell umgeht, wie sehr sie die Menschen oft nur als Virenschleudern betrachtet und kaum Rücksicht darauf nimmt, wie sie mit ihren Ängsten und Bedürfnissen zurechtkommen. „Man sollte den Leuten nicht nur ständig sagen, was sie nicht tun dürfen, sondern was sie dürfen.“ Und dazu gebe es eben in dieser Zeit kaum Wichtigeres als Musik. Im Frühjahr bot man die legendär gewordenen „Balkonkonzerte“ an, nun digitale Hauskonzerte. Trotz der eher düsteren Aussichten hat Christa seinen Optimismus nicht verloren und ein Zitat des Komponisten Ferrucio Busoni ausgewählt: „Musik ist tönende Luft. Fast die Natur selbst. Frei.“ Eine positive Vorgabe also für diese Reihe, deren Besucherzahlen ständig steigen. Auch der Radius an international beschäftigten Künstlern hat sich vergrößert und dem Programm neue Impulse gegeben. Dazu gehören der philharmonische Soloklarinettist Matthias Schorn aus Wien oder der Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Thomas Reif, der nach seinem Debüt mit dem „Pforte Kammerorchester Plus“ begeistert wiederkehrt. Ein besonderer Schwerpunkt gilt auch den meist vergessenen Komponistinnen der Vergangenheit, denen man ein Podium geben will, ohne dabei die lebende Generation etwa mit den österreichischen Jazz-Pianistinnen Viola Hammer und Verena Zeiner zu vergessen, die dafür Kompositionsaufträge erhalten.

„Wir vermissen im öffentlichen Diskurs den ganzheitlichen Blick auf den Menschen.“

Klaus Christa, Musiker, Musikvermittler

Damit ist einer der musikalischen Pole im Programm vom 9. April bis November umrissen, das sich in einem weiten Bogen quer durch die Jahrhunderte, über Uraufführungen von Michael Floredo und Michael Amann zurück bis in die Barockzeit erstreckt, wo das Boreas Quartett Bremen mit Julia Fritz für authentische Klänge sorgen wird. Neben drei beliebten begleiteten musikalischen Spaziergängen nach St. Arbogast wird es diesmal mit „Pforte für alle“ auch ein neues Format geben, einen Raum für „absichtsloses Singen und Musizieren“ in einem Workshop mit Evelyn Fink-Mennel, David Helbock, Martin Lindenthal und Elias Menzi. JU

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