“Müssen wieder Freundlichkeit lernen”

Kultur / 08.11.2020 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sobald wieder gespielt werden darf, soll auch der Nachfrage nach der „Woyzeck“-Produktion entsprochen werden.  <span class="copyright">Lerch, VN/PS</span>
Sobald wieder gespielt werden darf, soll auch der Nachfrage nach der „Woyzeck“-Produktion entsprochen werden.  Lerch, VN/PS

Landestheaterintendantin Stephanie Gräve reduziert den Spielplan leicht und plädiert für weniger Gereiztheit.

Bregenz Das Pandemiepräventionskonzept hat sich bewährt, das Abstandhalten sowie das Tragen des Mund-Nasenschutzes hat das Publikum bereits verinnerlicht. Ähnlich wie im Roman „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner hätte alles gut werden können. Die Bühnenadaptierung wurde zu Ende geprobt, nur die für diesen Samstagabend angesetzte Premiere findet nicht statt. Die Theater sind bis 30. November geschlossen. Angesichts steigender Infektionszahlen ist die Kommentierung der Maßnahmen im Gespräch mit Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, kein Thema. Sie macht sich in erster Linie Sorgen um die Künstler der freien Szene und empfindet die gesamte Situation als zu sehr gereizt. Man müsse wieder lernen, freundlicher miteinander umzugehen. Die „Pünktchen und Anton“-Premiere wurde erst einmal auf Dezember verschoben. Vorläufig, denn konkrete Aussagen zum Wiederöffnungstermin der Theater- und Konzerthäuser in Österreich gibt es nicht.

„Die Reduzierung auf 250 Zuschauer war für uns besonders problematisch.“

Stephanie Gräve, Intendantin Vorarlberger Landestheater

Noch vor Wochen hat sich herausgestellt, dass die Nachfrage nach Schulaufführungen der beliebten, bereits verfilmten und vertonten Geschichte von zwei Kindern aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen enorm ist. Die Lehrer hatten schon Busse bestellt, die Wahrscheinlichkeit, dass im Dezember Hunderte Schüler kommen können, sei aber wohl gering. Nach Gräves Sicht vom Theater, dass es keine expliziten Kinderstücke gibt, sondern Produktionen, die ab einer bestimmten Altersgruppe empfohlen werden können, läuft „Pünktchen und Anton“ auch im Abonnementprogramm. Überlegt wird, die Produktion den Schulen anzubieten, wenn Corona kein so vorherrschendes Thema mehr ist.

Kleine Streichungen

Wie aber sieht es grundsätzlich mit dem ambitionierten Spielplan aus, den Gräve noch während des Frühjahrslockdowns vorstellte? Ein Stück nach einem Text des Österreichers Werner Schwab wurde bereits ersatzlos gestrichen. „Tasso“, nicht von, sondern nach Goethe, wird verschoben. Geklärt wird, ob man das Projekt nicht auch in digitaler Form anbieten kann. Gräve: „Abgefilmte Aufführungen sind schwierig, das kann das Aktionstheater machen, weil die eine kleinere Bühne haben. Bei uns sind auch die Lichtstimmungen wichtig, wir möchten aber mit Formen der Präsentation experimentieren.“ Der „Woyzeck“ soll noch eine Zeitlang im Programm bleiben. Nach der Premiere der Produktion Ende September wurde das Landestheater von der weiteren Reduzierung der Besucherzahl auf maximal 250 Plätze kalt erwischt. Mit der geringeren Anzahl an Tickets aufgrund der grundsätzlichen Abstandsauflagen sei man gut zurande gekommen, ab diesem Zeitpunkt mussten jedoch weitere Aufführungen angesetzt werden, um alle Abonnenten begrüßen zu können, was die Kosten wiederum erhöht hatte.

Angespannte Budgetlage

Gräve hofft, dass das Gesamtbudget für das Theater im kommenden Jahr zumindest nicht gekürzt wird. „Ich mache mir keine Illusionen, dass wir mehr bekommen.“ Das Vorarlberger Landestheater erhält vom Land rund vier Millionen Euro und ist damit im Vergleich mit Häusern in anderen Bundesländern und abzüglich der Tatsache, dass es kein Zweispartenhaus, sondern ein Sprechtheater ist, das eine Musiktheaterproduktion gemeinsam mit dem Symphonieorchester Vorarlberg realisiert, sehr niedrig dotiert.

Wichtige Sanierung

Auch vor diesem Hintergrund ist die anstehende Sanierung ein großes Thema. Priorität müssen, so Gräve, die Kommunikations- sowie die Lichtanlage und weitere Sicherheitseinrichtungen haben. In der Schublade liegt aber auch schon ein größerer Umbauplan. Er sieht die architektonische Öffnung des Hauses auf den Tizian-Platz in Richtung Kunsthaus vor.

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