„Inspirierende Baustelle für Literatur“

Kultur / 09.11.2020 • 20:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frauke Kühn, Geschäftsführerin des Literaturhauses Vorarlberg, hat noch Großes vor. VN/Paulitsch
Frauke Kühn, Geschäftsführerin des Literaturhauses Vorarlberg, hat noch Großes vor. VN/Paulitsch

Walserherbst und literatur:vorarlberg netzwerk machen ihre Arbeit auch über die Landesgrenzen hinaus sichtbar.

Bregenz Die Förderpreise der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) wurden heuer in der Sparte „Kuratieren“ vergeben. Aus den 18 Nominierungen der IBK-Mitgliedsländer und -kantone wurden sieben Kuratoren oder Kollektive für ihren innovativen Zugang zum Thema ausgezeichnet. Mit dem literatur:vorarlberg netzwerk und dem Walserherbst wurden neben fünf Schweizer und Liechtensteiner auch zwei Vorarlberger Projekte mit einem Förderpreis in Höhe von jeweils 10.000 Schweizer Franken bedacht. Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink gratuliert den Preisträgern: „Die Preise unterstreichen die Bedeutung, Vielfalt und das Potenzial der engagierten Kuratorinnen und Kuratoren, die auch Mut zum Experiment beweisen, wenn es um das Vermitteln und Sichtbarmachen ihrer Programme geht.“ Besonders erfreulich sei die Auszeichnung für gleich zwei innovative Vorarlberger Kulturveranstalter, die hochwertige Arbeit auch über die Landesgrenzen hinaus leisten.

„Reizvolle Aufgabe“

Als höchst inspirierende Baustelle für Literatur bezeichnete die Jury das von Frauke Kühn betriebene literatur:vorarlberg netzwerk. Der 2015 gegründete Verein setzt auf Kooperationen und lädt mit seinen literarischen Interventionen immer wieder zum Schreiben und Erleben von Text und Sprache ein. Seit 2019 ist der Verein mit der Konzeption und Planung, vor allem aber dem Entwicklungsprozess des künftigen Literaturhaus Vorarlberg in der Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems befasst. „Wir freuen uns sehr, dass die Jury sowohl unser Tun als auch unseren Mut für das Experiment auf so unterstützende Weise anerkennt“, sagt Frauke Kühn gegenüber den VN. Die Villa Iwan und Franziska Rosenthal schon jetzt als künftiges Literaturhaus zu bespielen, stellt für Kühn eine reizvolle Chance dar, neue Veranstaltungs- und Projektideen auszuprobieren. „Wir möchten nicht nur die Literaturlandschaft der Region um spannende Facetten erweitern, sondern Menschen unserer Gesellschaft zur Auseinandersetzung mit Literatur und Sprache einladen.“

Ein Feingefühl für Menschen und deren Geschichten und das Zusammenbringen von Leuten in abgelegenen Tälern und Dörfern attestierte die Jury dem 2004 vom Vorarlberger Schauspieler und Theatermacher Dietmar Nigsch gegründeten Walserherbst Festival. Das abseits der kulturellen Zentren stattfindende „steilste Festival mitten in den Bergen“ lockt mit zeitgenössischer Kunst und Kultur als kulturelle Nahversorgung alle zwei Jahre ins Große Walsertal, wo es neue öffentliche Räume schafft und alte wiederbelebt. „Für mich bedeutet kuratieren, mit vielen Menschen über soziale und kulturelle Themen nachzudenken und diese auch gemeinsam umzusetzen“, sagt Dietmar Nigsch über seine Funktion als Impulsgeber einer Region. Dabei gelte es für ihn, Grenzen zu hinterfragen, erstarrte Konventionen lustvoll zu brechen, um ein mutiges Mischen von Traditionellem und Neuem möglich zu machen.

Filmische Porträts

Anstelle einer Preisverleihung wurden filmische Porträts der Preisträger sowie eine Publikation erstellt. Mit den IBK-Förderpreisen werden seit 1991 Kulturschaffende in wechselnden Sparten ausgezeichnet. Heuer hat das Land Vorarlberg unter dem Jury-Vorsitz von Kulturamtsleiter Winfried Nußbaummüller die Förderpreisabwicklung übernommen. VN-TAS

„Es geht darum, Grenzen zu hinterfragen und erstarrte Konventionen lustvoll zu brechen.“

„Inspirierende Baustelle für Literatur“

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