Augenzwinkernder Humor als Würze

Kultur / 13.11.2020 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatteJonas Jonasson, C. Bertelsmann, 400 Seiten

Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte

Jonas Jonasson, C. Bertelsmann, 400 Seiten

Jonas Jonasson beschert am Ende wieder ein Wohlfühlerlebnis.

Roman Die Werke  von Jonas Jonasson haben in der Regel eine Gemeinsamkeit: Einen Protagonisten, der teils als skurriler Außenseiter, teils als Underdog gegen scheinbar übermächtige Gegner zu kämpfen hat und es schafft, die aberwitzigsten Situationen zu umschiffen. Gewürzt mit einer Prise augenzwinkerndem Humor und scheinbarer Naivität steuert die Handlung schließlich auf ein Happy End zu und hinterlässt beim Leser ein Wohlfühlerlebnis.

Jonassons jüngstes Buch „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ bildet da keine Ausnahme. Auch hier vereinen sich die Underdogs gegen einen fiesen Widersacher, bei dem es sich um den Kunsthändler Victor handelt. Er ist zwar ein Frauenfeind und Rassist, wird als ehemaliger Stammkunde einer schwarzen Prostituierten aber mit späten Vaterpflichten konfrontiert: Kurz vor ihrem Tod überträgt die Frau ihm die Verantwortung für den gemeinsamen Sohn Kevin.

Kevin wird zunächst notdürftig untergebracht und dank eines steten Vorrats an Tiefkühlpizza am Leben gehalten. Kurz nach seinem 18. Geburtstag hofft der junge Mann, dass sein Vormund die Beziehung auf eine etwas persönlichere Ebene bringen will, reisen die beiden doch nach Kenia. Allerdings nur, weil Viktor seinen Sprössling in der Savanne aussetzt. Retter in der Not für den längst totgeglaubten Kevin ist Ole Mbatian, letzter männlicher Vertreter einer Familie von Medizinmännern vom Volk der Massai, der als Vater von acht Töchtern in Kevin den Ersatzsohn sieht. Der sprachbegabte junge Mann lernt alles, was ein echter Massai zum Überleben braucht. Die mit dem noch ausstehenden Initiationsritus verbundene Beschneidung lässt ihn allerdings zurück nach Schweden fliehen, wo er ausgerechnet Viktors sehr junge Ex-Frau Jenny trifft.

Auch nachdenkliche Töne

Gemeinsam schmieden sie Rachepläne. Für Intrigen und Gemeinheiten sind sowohl Kevin als auch Jenny zu naiv, doch die beiden wachsen mit den Aufgaben. Mit der Ankunft Ole Mbatians, der nach seinem verlorenen Sohn sucht, nimmt die chaotische Entwicklung des geplanten Rachefeldzugs noch einmal Fahrt auf. Vor allem, da der alte Medizinmann mit seiner absoluten Ehrlichkeit in der modernen schwedischen Gesellschaft noch exotischer wirkt als mit der Wurfkeule, die normalerweise Löwen und Büffeln Respekt einflößt. Das Buch enthält somit auch nachdenkliche Töne.

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