Musik. Von Felix Holzer

Kultur / 13.11.2020 • 18:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER The Aliens

ALBUM Electronville

LABEL Acio Rekkudz

Der dritte Wurf des aus der Asche der legendären Folk­tronic-Helden Beta Band entstiegenen schottischen Ausnahmetrios rund um Gordon Anderson ist wohl eine der merkwürdigsten und gleichsam bemerkenswertesten Neuerscheinungen dieses Jahres. The Aliens haben vor 14 Jahren mit spannendem experimentellen Pop begonnen und sich mittlerweile sukzessiv von jeglicher Songstruktur verabschiedet. Was hier geboten wird, ist nichts Geringeres als ein Album, mit dem man gerne eine Beziehung eingeht – immerhin handelt es sich hier um eine akustische Odyssee in den Kosmos, die auch nach dem x-ten Durchlauf immer wieder neue, liebenswerte Nuancen offenbart. Den Hörer erwartet viel elektronische Spielerei, die sich bei jeder bietenden Gelegenheit als halbfertig darstellt, um am Ende doch als Teil des Ganzen zu funktionieren. „Electronville“ hat ein Suchtpotenzial, das nur durch exzessive Repetition gestillt werden kann.

KÜNSTLER Meridian Brothers

ALBUM Cumbia Siglo XXI

LABEL Bongo Joe

Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens, ist vielleicht nicht der sicherste Ort der Welt, aber dafür momentan einer der kreativsten. Das verdankt die Metropole größtenteils Eblis Álvarez, der bereits 1998 die Meridian Brothers ins Leben rief, und dessen Namen nebenbei noch bei einer Handvoll anderer interessanter Kapellen angeführt wird. All diese Projekte sind tief in den Rhythmen von Cumbia oder Vallenato verwurzelt, egal ob klassisch oder avantgardistisch. „Cumbia Siglo XXI“ ist das neunte Album der Meridian Brothers und wie jeher der Avantgarde zuzuordnen. Da treffen minimalistische Synthesizer-Melodien auf Low-Budget-Techno-Beats, garniert mit verzerrten Vokalen, deren Inhalt tief im Dadaismus wurzelt. Das Wunderschöne daran ist der Wiedererkennungswert. Keine andere Gruppe hat diesen speziellen Sound, obwohl jedes Album auch eine stilistische Entwicklung darstellt – ein Schritt zurück, zwei Schritte vorwärts.

KÜNSTLER SarahBernhardt

ALBUM langsam wiads wos

LABEL Medienmanufaktur Wien

Beim Liederschreiben gilt die goldene Regel, dass sich über Erlebtes am besten dichten lässt. Wenn man das dann noch im Dialekt macht, ist man nahe am Menschen. SarahBernhardt, das sind Bernhard Scheiblauer, Sarah Metzler (ja, die aus dem Bregenzerwald) und Sigrid Horn, perfektionieren das mit ihrem Debut. Mehrstimmig, mit Ukulele und Harfe, werden Chansons kredenzt, die zwar augenzwinkernd auf einer Mostviertler Biografie beruhen, aber dennoch österreichweit Relevanz haben. Allein der Umstand, mit dem Gameboy am See zu sitzen, hat es mehr als verdient, lyrisch verarbeitet zu werden. Die Wortspielereien (z. B. „Sundog“) erinnern an Attwenger, die das Deutsch/Englisch-Konzept mit Dialektwörtern schon vor Jahrzehnten zur Wissenschaft erhoben haben. Musikalisch dominiert hier aber nicht der Punk, sondern Leonard Cohen zu seinen besten Zeiten. Melancholie hat zu Unrecht ein schlechtes Image.

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