Temporärer Sprung in die digitale Welt

Kultur / 15.11.2020 • 18:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sprachkünstler Lukas Wagner ist derzeit mit dem Schreiben von Kreativtexten sehr gefragt, außerdem tritt er regelmäßig digital auf. Wagner
Sprachkünstler Lukas Wagner ist derzeit mit dem Schreiben von Kreativtexten sehr gefragt, außerdem tritt er regelmäßig digital auf. Wagner

Der Dornbirner Kulturveranstalter und Slam-Poet Lukas Wagner sieht die Coronakrise auch als Chance.

Dornbirn Kulturveranstalter und Slam-Poet Lukas Wagner wurde 2017 in seiner früheren Wahlheimat mit dem Salzburger Kulturpreis geehrt. Er bekam den Preis insbesondere für die Einführung neuer Veranstaltungsformate. Mit seiner Agentur Wenavi und der Marke Slamlabor hat er schon etliche innovative Events wie den längsten Poetry-Slam der Welt oder die Alive Festspiele ins Leben gerufen. Sein Ziel: aus klassischen Events unvergessliche Erlebnisse zu schaffen. Wagner weiß, wie das auch in Coronazeiten gelingen kann.

 

Wie haben Sie die letzten Monate als Kulturveranstalter erlebt?

Wagner Es ist spannend die Kunst- und Kulturszene gerade jetzt zu betrachten und auch die Gesellschaft in Verbindung mit der Pandemie aus den neuen Blickwinkeln zu reflektieren. Ich bin aber überzeugt davon, dass – gerade in Krisenzeiten – die Kunst intensiver lebt als je zuvor. Natürlich ist es hart, wenn dir eine Regierungsentscheidung die Grundlage für dein Einkommen nimmt, aber welche Möglichkeiten habe ich? Ich kann das auch als Chance sehen, mein eigenes Schaffen zu reflektieren.

 

Sie wurden 2017 für die Einführung neuer Veranstaltungsformate mit dem Salzburger Kulturpreis ausgezeichnet. Innovative Events sind derzeit wohl gefragter denn je?

WAgner Wer rechtzeitig auf die Digitalisierung umsteigt, der profitiert langfristig am meisten. Hier gilt es nicht nur innovative Konzepte zu denken, sondern diese auch als Unternehmer aktiv umzusetzen. Hier können Ländle-Stars wie Mike Metelko punkten, der seine Fähigkeiten als Moderator auch in digitalen Zoom-Konferenzen zur Verfügung stellt, oder Gabi Micheluzzi, die mit den Hochzeitsfeen – trotz erschwerter Verhältnisse – viel Herzblut investiert, im Korsett aus Vorgaben, das Heiraten noch möglich zu machen. Vom Autokino bis zum umfangreichen Digital-Event: Der Erfolg steckt im Detail.

 

Was kann die Kunst- und Kulturbranche jetzt tun?

wAgner Ich finde, dass wir sehr wohl etwas innovativer denken dürfen in der Kunst und Kultur. Neue Schritte wagen, neue Projekte, Interaktion, Erlebnis, Austausch – gerne auch den temporären Sprung in die digitale Welt. Wir sehen, dass gerade jetzt unglaublich großes Interesse an Kunst und Kultur herrscht, weil das Angebot so knapp ist. Es gilt aber, sich wirklich zu überlegen, welche Form von Projekten zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll sind. Das kann eine Kunstperformance innerhalb eines Glaskubus sein, oder eine Lesung auf einem Kanu. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, so lange man sich an die Bestimmungen hält.

 

Können digitale Events überhaupt Live-Veranstaltungen ersetzen?

Wagner Es gibt auch auf dem digitalen Weg unglaubliche Möglichkeiten, den herkömmlichen Alltag aufzupeppen. Das österreichische Zauberer-Duo „Clairvoyants“ etwa bietet interaktive Zoom-Zaubershows für die Familie an. Für mich einer der Beweise dafür, dass man auch digital ein Show-Erlebnis mit Gänsehautgarantie schaffen kann. Klar freue ich mich aber auch wieder auf den Zeitpunkt, an dem ich bei einem echten Event unsere Gäste ohne Mindestabstand in einem echten Saal begrüßen darf.

 

Sie unterstützen auch Unternehmen sowie Kunst und Kulturkollektive im Aufbau. Was reizt Sie daran?

WAgner Ich liebe den Prozess des Schaffens, der sich vor allem bei jungen Unternehmen und jungen Kulturschaffenden zeigt. Die meisten Projekte junger Kreativer scheitern oft am Budget oder am Personal. Wenn aber Menschen zusammenkommen, deren Träume sich verknüpfen lassen, weil sich jeder mit seiner Expertise austoben kann, dann versetzt das Berge. Sei es der Verein „Fade In“, das Kollektiv „Team Alive“, oder einzelne Vorarlberger, wie Domingo Geronimo Mattle oder Ricardo Martins Dias: Solange es Menschen gibt, wird es Träume geben und wo Träume sind, da ist Begegnung.

  

Viele Kulturschaffende sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Muss man sich Sorgen um den künstlerischen Nachwuchs machen?

WAgner Ich bin überzeugt davon, dass die Pandemie unzählige Talente aus dem Boden stampfen wird und mache mir daher keine Sorgen. Viel eher muss man sich überlegen, ob es die gleiche Anzahl an Veranstaltungen noch geben wird und wo diese Neuzugänge untergebracht werden können. Fest steht, dass auch der digitale Markt sehr frei, aber umkämpft ist und über Twitch und andere Streaming-Plattformen mittlerweile zahlreiche Künstler ihre Fähigkeiten präsentieren. Ich bin überzeugt, dass es auch bei Covid19 ein „Danach“ geben wird. Das mag nicht mehr ganz so aussehen wie davor, aber dafür verspreche ich mir dann regen Zuspruch an der Kunst und Kultur und davon profitieren am Ende alle. VN-TAS

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