Warum der Jahreswechsel diesmal fast ohne Musik verläuft

Kultur / 23.11.2020 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Silvester- und Neujahrskonzert des Jugendsinfonieorchesters Mittleres Rheintal wird storniert, die Konzerte des Jugendsinfonieorchesters Dornbirn sind fraglich. <span class="copyright"> sams</span>
Das Silvester- und Neujahrskonzert des Jugendsinfonieorchesters Mittleres Rheintal wird storniert, die Konzerte des Jugendsinfonieorchesters Dornbirn sind fraglich.  sams

Veranstalter warten auf Perspektiven für Dezember, erste Neujahrskonzerte abgesagt.

Götzis, Dornbirn, Feldkirch Noch ist es nicht offiziell, doch bei der Anfrage der VN am Montagnachmittag legte Markus Pferscher offen, dass er keine Möglichkeit sieht, das beliebte Silvester- und Neujahrskonzert des Jugendsinfonieorchesters Mittleres Rheintal in Götzis durchzuführen. Es gebe keine konkreten Anzeichen für eine Beendigung des Lockdowns, den die Regierung vorläufig bis 7. Dezember verordnet hat. Die jungen Instrumentalisten der tonart-Musikschule werden digital unterrichtet. Damit sei zwar ein enormer Aufwand verbunden, aber die Schüler seien mit ihren Lehrern zumindest in Kontakt und üben zu Hause. Orchesterproben sind für den Pädagogen allerdings auch im Dezember nicht vorstellbar, und um für die Musiker wie für die Eltern Klarheit zu schaffen, habe man sich soeben entschieden, auf die Konzerte zu verzichten. Die Meldung werde in den nächsten Tagen an die Kartenvorverkaufsstellen übermittelt. Fast symbolisch klingt es, wenn er erwähnt, dass er mit seinem Orchester ein Auferstehungskonzert für Ostern 2021 ins Auge gefasst habe.

„Wir können nicht proben und planen daher ein Auferstehungskonzert im Frühjahr.“

Markus Pferscher, Leiter Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal

In Dornbirn hat man sich noch nicht entschieden. Dort kann das Jugendsinfonieorchester auf eine noch längere Neujahrskonzerttradition zurückblicken, wurden die festlichen Auftritte doch unter Guntram Simma bereits in den 1980er-Jahren gestartet. Kulturamtsleiter Roland Jörg war in den letzten Wochen mit der Terminplanung beschäftigt, hat mit mehreren Konzerten kalkuliert, um der großen Publikumsnachfrage angesichts der Besucherbeschränkung im Kulturhaus entsprechen zu können, hält die Durchführung mittlerweile aber eher für unwahrscheinlich.

Gebeuteltes Symphonieorchester

Erstmals ist heuer ein Auftritt des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV) zum Jahreswechsel geplant. Auf dem Programm stehen Werke von Rossini, Beethoven und Haydn, als Solist wäre der Cellist Kian Soltani vorgesehen. Nach einem Silvesterkonzert im Feldkircher Montforthaus soll ein Neujahrskonzert im Festspielhaus Salzburg stattfinden, wo die dortige Kulturvereinigung als Veranstalter auftritt, den Kartenvorverkauf aber vorerst gestoppt hat. Sebastian Hazod, Geschäftsführer des SOV, hat das Präventionskonzept samt Testungsplänen für die Musiker parat gelegt und harrt der Dinge. Die eigenen Abo-Konzerte hat er bereits mehrmals verschoben, aufgrund der weitaus schärferen Besucherzahlreduzierung in Vorarlberg musste er Auftritte kurzfristig stornieren und hofft, dass es nach dem Lockdown bundesweit einheitliche Bedingungen gibt. Eine seriöse Abrechnung der Einnahmenausfälle sei erst im kommenden Jahr möglich. Man habe Hilfen aus dem NPO-Fonds erhalten, deutlichere Unterstützung erfahre das arg gebeutelte Orchester aufgrund der Treue des Abo-Publikums, das das Geld nach den Absagen nicht zurückverlangt habe.

„Ich erwarte von der Regierung angemessenes Reagieren, nicht reflexartiges Zusperren.“

Sebastian Hazod, SOV-Geschäftsführer

Er erwartet sich von der Regierung, dass angemessen reagiert wird und kein reflexartiges Zusperren von Kulturbetrieben. Der Bevölkerung sei es zuzumuten, das Risiko differenziert zu betrachten. Er wolle die Bereiche keinesfalls gegeneinander ausspielen, aber auch eine Unterscheidung bei den Veranstaltungen sei dringend angebracht. Die strengen Hygienekonzepte der Kulturanbieter hätten gewirkt und das Argument, dass die Anfahrt Gefahren berge, habe selbst der Gesundheitsminister entschärft.

Und die anderen Kulturschaffenden und -veranstalter? Die arbeiten, wie Interessenvertreterin Mirjam Steinbock bestätigt, an Programmen und hoffen auf Perspektiven für eine Branche, an der auch sehr viele Arbeitsplätze hängen.

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