Elisabeth Sobotka: „Jeder Einzelne trägt Verantwortung“

Kultur / 26.11.2020 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elisabeth Sobotka: „Jeder Einzelne trägt Verantwortung“
Ein super Team stärkt die Zuversicht der Intendantin für die Durchführung der Jubiläumssaison 2021 mit einem umfangreichen Programm. VN/RP

Festspielintendantin Elisabeth Sobotka verrät, dass „Das Rheingold“ von Wagner ein Traum für die Seebühne wäre.

Bregenz Im Jahr 1946 wurden die Bregenzer Festspiele gegründet. Zum Beginn war es noch eine Festwoche, sehr rasch ein internationales Festival, das wegen Corona heuer erstmals ausfiel. 2021, zum 75-Jahr-Jubiläum, will Intendantin Elisabeth Sobotka einige „kraftvolle“ Neuheiten umsetzen.

Das abgesagte Programm 2020 hat sich durch thematische Kompaktheit ausgezeichnet. Sie ist 2021 noch gegeben. Welche Überlegungen liegen den neuen Programmpunkten zugrunde?

Es ist natürlich einiges durch die Verschiebung zustandegekommen. Im Zentrum stand das 75-Jahr-Jubiläum. Wir hatten den Traum, „Das Rheingold“ auf dem See zu spielen. Wir wollten Brigitte Fassbaender ein zweites Mal überzeugen, bei uns einen Rossini zu machen.

„Rheingold“ steht nun mit den Wiener Symphonikern auf dem Konzertprogramm, ist die Oper damit auf längere Sicht für die Seebühne abgeschrieben?

Nein, das ist sie für mich nicht. Das Stück, das eines der verspieltesten ist, das gescheit und witzig ist, das Situationskomik hat, ist ideal für eine Seeaufführung. Johannes Erath wird in der halbszenischen Fassung, das heißt, bei diesem inszenierten Konzert den Fokus auf den Witz legen. Und „Die Schöpfung“ im Konzertprogramm ist mir für das Jubiläum wichtig, weil ich die Festspiele auch als eine Art Schöpfung empfinde.

Eine Verbindung mit der Region ergibt sich durch die Koproduktion mit dem Theater Kosmos, die eine lange Vorlaufzeit hatte.

Ja, wir haben das Thema des Dramenwettbewerbs, aus dem „Lohn der Nacht“ hervorgegangen ist, mitbestimmt und hatten in Richtung der Oper „Madama Butterfly“ gedacht, die 2021 auf dem Programm gestanden wäre. Das war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Spannend war auch die Zusammenarbeit mit Michel van der Aa für „Upload“. „Michael Kohlhaas“ ist auch für unsere Zeit ein sehr wichtiges Stück. Ich spüre, dass sich aus diesen unterschiedlichen Projekten eine starke Kraft ergibt.

Wie steht es um Ihre Zuversicht, dass 2021, nach der coronabedingten Absage des Programms in diesem Jahr, alles klappen wird?

Ich bin zuversichtlich, dass wir Möglichkeiten finden, mit dem Virus umzugehen und Theater spielen können. Mit dem Theater haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht. Worauf ich nicht wetten kann, ist, dass wir Bedingungen haben, die wir vor Corona hatten.

Was gilt es dabei im Besonderen zu bedenken, ab welcher zugelassenen Besucherzahl, sind die Festspiele machbar?

Eine Zahl kann ich nicht nennen. Wir müssen die Gesamtheit des Festspielbezirks mitbedenken. Das Haus ist groß und gut durchlüftet, wir spielen „Rigoletto“ im Freien, wir müssen aber auch einen sicheren Weg zu den Festspielen erstellen. Wir haben ein super Team, das verschiedene Überlegungen angestellt hat, das stärkt meine Zuversicht.

Wie geht es Ihnen mit der Situation, dass wir uns nun wieder in einem Lockdown befinden und die Theater geschlossen sind?

Ich bin glücklich, dass ich das nicht entscheiden muss. Vielleicht ist im Sommer nicht genug getan worden. Wir alle müssen akzeptieren, dass Corona nicht vorbei ist, wir müssen vorsichtiger werden, wir haben in den Theatern und Museen gesehen, wie es gehen kann. Die Politik muss klare Vorgaben geben, aber wir tragen auch alle eine Verantwortung, jeder Einzelne trägt sie.

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