“Mir fehlt die Wissenschaftlichkeit”

Kultur / 12.03.2021 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Herbst war es dem Concerto Stella Matutina kurz möglich, die Aufführung von Mozarts „Entführung“ mit Marionetten und Sängern zu realisieren. flemming
Im Herbst war es dem Concerto Stella Matutina kurz möglich, die Aufführung von Mozarts „Entführung“ mit Marionetten und Sängern zu realisieren. flemming

Musiker Bernhard Lampert erläutert, warum der Vorarlberger Öffnungsweg den Orchestern nichts nützt.

Feldkirch Wer an das Bundesministerium differenzierte Fragen zu den Paramatern für Öffnungsschritte im Kulturbereich stellt, bekommt lange Zeit keine Antwort und dann einen standardisierten Text, in dem wohlwollend auf einen Schutzschirm verwiesen wird. Veranstalter und Kulturschaffende sollen somit zur Kenntnis nehmen, dass sie bei Erfüllung diverser Faktoren ohnehin mit ein wenig Geld abgespeist werden. Bernhard Lampert, selbst Musiker und Mitinitiator des Orchesters Concerto Stella Matutina, erlebt diese Mechanismen, die, wie er im Gespräch mit den VN sagt, völlig außer Acht lassen, dass für die Menschen die kulturelle Betätigung genauso wichtig ist wie die körperliche, bereits seit Monaten bzw. seit dem Beginn der Coronapandemie, die die Regierung auch mit generellen Veranstaltungsverboten einzudämmen trachtet. Nun steht er vor der Tatsache, dass er wiederum ein Konzertprojekt absagen muss. Auch die Öffnungsschritte in der „Modellregion“ Vorarlberg helfen ihm nicht.

100 negativ getestete, FFP2-Masken tragende Besucher sind ab 15. März bei Aufführungen vor 20 Uhr zugelassen. Das 2005 gegründete Concerto Stella Matutina (CSM) hat rund 500 Abonnenten. Jedes Konzert fünf Mal zu spielen, kann sich Bernhard Lampert nie und nimmer leisten. Frühere Auflagen belasteten zwar das Budget enorm, waren aber gerade noch erfüllbar. Die Besucherbeschränkung auf 250 Sitzplätze bewältigte man mit jeweils zwei Aufführungen eines Programms. Die Treue der Abonnenten und private Spenden machten solche Doppelkonzerte überhaupt erst möglich.

Zahlreiche Studien

Lampert hat mit Experten und Politikern gesprochen, sich die Ergebnisse von zahlreichen Studien eingeholt und ärgert sich, dass diese keine Berücksichtigung finden. Besagen sie doch, dass das Infektionsrisiko bei Konzert- und Theaterveranstaltungen noch weitaus geringer ist als im Supermarkt. „Mir fehlt die Wissenschaftlichkeit bei den Corona-Maßnahmen“, erklärt er. „Wenn diese Maßnahmen alle auf Expertenmeinungen basieren, dann würden Experten diese doch nicht regelmäßig in Frage stellen. Merkwürdig, nicht?“ Als er einmal anführte, dass einem klassischen Konzert gewiss keine der von den Behörden als Infektionsherd gefürchteten Partys folgt, erntete er nur Schulterzucken. Lampert hat die für Mitte März vorgesehenen CSM-Konzerte schweren Herzens auf Mitte Mai verschoben.

„Wir haben rund 500 Abos, jedes Konzert fünf Mal zu spielen, können wir uns nicht leisten.“

"Mir fehlt die Wissenschaftlichkeit"

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