Zwei junge Künstler und die klassische Malerei

Kultur / 13.03.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwei junge Künstler und die klassische Malerei
Sarah Bechter und Ioannis Malegiannakis mit dem Kurator Manfred Egender (M.). BISCHOF

Ausstellung „Upsetting the proportions of your ambience“ der Künstler Sarah Bechter und Ioannis Malegiannakis in der Galerie allerArt in Bludenz.

BLUDENZ Präsentiert werden in der neuen Ausstellung des Vereins allerArt in der Remise Werke von zwei Künstlern, nämlich Sarah Bechter und Ioannis Malegiannakis. Kurator Manfred Egender erklärt zur Auswahl der Künstler: „Wir haben jedes Jahr im Ausstellungszyklus einen fixen Programmpunkt mit jungen Künstlern. In der aktuellen Ausstellung werden eine weibliche und eine männliche künstlerische Zugangsweise aufgezeigt. Zudem spiegeln sich in den jeweiligen Arbeitsorten der Künstler, Berlin und Wien, unterschiedliche künstlerische Arbeitssituationen.“ Sowohl Sarah Bechter als auch Ioannis Malegiannakis sind Vertreter der klassischen Malerei, wozu Wolfgang Maurer bemerkt: „Die ausgestellten Gemälde zeigen eines deutlich: Auch in der modernen Malerei ist handwerkliche Meisterschaft nicht von Nachteil.“ Der Titel der Ausstellung wurde nachgeschoben, er bedeutet frei übersetzt in etwa: „Die Proportionen deines Ambientes stören“. „Aus diesem Grund definiert sich der künstlerisch-thematische Nukleus der Ausstellung um die atmosphärische Präsenz der Dingwelt und der unterschiedlichen Umgebungen im malerischen Bildraum“, so Manfred Egender.

Schnittstellen zwischen privat und öffentlich

„Hier trifft die Atmosphäre von Ioannis Malegiannakis´ Gemälden auf das Ambiente meiner Arbeit. In dieser tritt die Malerei, zugleich Gemälde, selbstreflektives Motiv und Eigenreferenz, als aktives Gegenüber auf. Sie zeigt sich selbst, verweist auf ihre Materialität, ihren Körper und reagiert. Im besten Fall räumt die gemeinsame Präsentation die Möglichkeit eines gegenseitigen Auslotens der differenzierten Ambiente zueinander ein“, so Sarah Bechter. Die in Andelsbuch geborene 32-jährige Künstlerin studierte bei Johanna Kandl, Gerhard Müller und Henning Bohl an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, wo sie zur Zeit lebt und arbeitet. Von ihren bekannten entleerten architektonischen Sujets wechselte die Künstlerin in ein malerisch delikates Klima der Selbstreferenz im Sinne differenzierter Selbstuntersuchung gar Icherklärung. In den aktuellen Arbeiten Bechters zeigen sich Schnittstellen zwischen privat und öffentlich, Arbeit und Freizeit, Oberfläche und Liniament. Perspektivisch, oft irritierende, Vergrößerungen von objekthaften Details generieren öfters zur abstrakten Poesie.

Ioannis Malegiannikis ist Grieche, studierte an renommierten Kunstuniversitäten in Athen, Berlin und zuletzt als postgraduate student in Dresden bei Christian Macketanz. “Betrachtet man die ausgestellten Bilder von ihm so entwickeln sie nach kurzer Zeit einen Sog, der an die Filme von David Lynch erinnert: Das Mysteriöse ‚kriecht‘ aus den dunklen Farbflächen und macht dem Betrachter deutlich, dass es unter der rationalen Oberfläche noch etwas anderes gibt“, erläutert Wolfgang Maurer seine Sichtweise. Auch Manfred Egender betont das Mystische in den Bildern von Ioannis Malegiannikis: „Seine geheimnisvolle Malerei entführt uns in einen ‚Twightight‘ Kosmos mit atmosphärischer Sendungskraft. Ein raffiniertes Changieren zwischen Auftauchen und Verschwinden formt sich zum potenziellen räumlichen Artefakt. Die kunsthistorische Verwandtschaft zu William Turner´s ‚Atmosphere is my syle‘ fällt angenehm auf. Malegiannakis schwärmt von der Ekstase der Dinge, die sich im Raum zersetzen und verwandeln. Diese Wahrnehmung hat zwei Seiten, nämlich die Umgebung, die Stimmungsqualität ausstrahlt, und die eigene Befindlichkeit.“ BI

Die Ausstellung ist in der Galerie allerArt in der Remise Bludenz bis 17. April, jeweils Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 15 bis 19.30 Uhr geöffnet.

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