Klavierspielen in der Badewanne

Kultur / 14.03.2021 • 12:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Hanna Bachmann: "In diesem Fall ging es darum, dass ich das Thema der CD, ,Humor in der Musik', auch auf dem Cover kommunizieren wollte." <span class="copyright">HorowitZ</span>
Hanna Bachmann: "In diesem Fall ging es darum, dass ich das Thema der CD, ,Humor in der Musik', auch auf dem Cover kommunizieren wollte." HorowitZ

Mit dem Cover ihrer zweiten CD und ihren Streams sorgt die Künstlerin zurzeit für Aufsehen.

Röthis Die engagierte Pianistin ist auf dem besten Weg, die großen Konzertsäle Europas zu erobern – jetzt ist ihr, wie so vielen anderen, Corona dazwischengekommen. Hanna Bachmann trotzte der erzwungenen Stille mit exquisiten Klavierstücken zum Advent auf der virtuellen Schiene. Nun wird der Frühling gestreamt, zudem sind endlich wieder Liveprojekte in Aussicht.

Welche Resonanz gab es auf Ihren musikalischen Adventkalender, mit dem Sie Ihre Zuhörer per Stream 24 Mal mit passender Klaviermusik in diese Zeit begleitet haben?
Dieses Projekt war ein Experiment, das wir sehr kurzfristig auf die Beine gestellt haben – arbeitsintensiv und auch mit einem gewissen finanziellen Risiko verbunden, in einer ohnehin ungewissen Situation. Nach einiger Überlegung wollte ich das aber eingehen und war von der positiven Resonanz ganz beglückt. Ich konnte nicht nur alle Kosten decken, sondern kam sogar ins Plus. Ab 26. März gibt es jeweils an den Wochenenden mit „The Sound of Spring“ eine Fortsetzung: Klaviermusik zum Frühling von zwei Komponistinnen und zwei Komponisten.

Ist das eine Möglichkeit für eine Künstlerin, den Entfall von Livekonzerten durch Corona auch emotional zu bewältigen?
Absolut. Ich war von der Situation zunächst total überrumpelt und es hat etwas gedauert, bis ich sie in ihrer ganzen Tragweite mit 20 abgesagten Konzerten im Vorjahr und weiteren heuer bis April erfasst habe. Dass mein Debüt im Wiener Musikverein adaptiert nachgeholt werden konnte und alle Konzerte im Sommer ausverkauft waren, dass die Menschen also Livemusik wollen, hat mir dann neuen Auftrieb gegeben.

Schon mit Ihrer ersten CD wollten Sie ein gesellschaftspolitisches Statement für verfemte Komponisten wie Viktor Ullmann abgegeben. Es geht Ihnen also nicht bloß um schöne Klaviermusik, sondern auch um Denkansätze?
Ich bin der Meinung, dass Kunst nicht schön sein muss – sie soll die Menschen emotional bewegen und zum Denken anregen. So interessieren mich auch sogenannte „Raritäten“ von Komponisten, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht ihren Weg ins Standardrepertoire gefunden haben.

Inzwischen gibt es ein weiteres Album („Plaisanteries“), bei dem Sie auf dem Cover in einer alten Badewanne liegen. Ist so etwas eine marketing-technische Notwendigkeit angesichts einbrechender CD-Verkäufe?
Natürlich ist es notwendig, sich zu überlegen, wie eine CD wirken soll, denn die Optik ist ja wie auch bei Büchern das Erste, was ins Auge fällt. In diesem Fall ging es darum, dass ich das Thema der CD, „Humor in der Musik“, auch auf dem Cover kommunizieren wollte. Die Badewanne, in der ich selbstverständlich bekleidet liege und quasi in Musik „bade“, war nicht geplant. Die Location war nur Plan B, nachdem uns niemand die ursprünglichen Räumlichkeiten öffnen konnte. Im Nachhinein also ein Glücksfall.

Sie und die Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn haben mit Schuberts „Winterreise“ auch im Repertoire Außergewöhnliches geleistet, das hat Ihnen nach Wien auch die Türen in die USA und nach Kanada geöffnet.
Ja, das war ein wunderbares Projekt, das ich im Nachhinein jetzt noch mehr schätze. Wir wollten diesen Zyklus beide unbedingt erarbeiten und Isabel ist eine wunderbare Musikerin. Das war sehr aufregend!

Neben Konzerten im Land wird es von Ihnen zwei CDs mit Ihrem neuen Trio Schwarzenberg und der Sängerin Elsa Janulidu geben.
Ich freue mich sehr über diese beiden Alben – „Dream with Me“ mit Elsa war ja schon seit längerem in Planung. Die Trio-CD hingegen hat sich glücklich gefügt – ich hatte mir lange ein Trio gewünscht und dieser Wunsch hat sich nun erfüllt.

Ihren ersten Klavierunterricht haben Sie mit sechs erhalten. Wie lange üben Sie heute als „gestandene“ junge Pianistin noch täglich?
Ich muss gestehen, dass ich in den seltensten Fällen auf die Uhr schaue. Stattdessen nehme ich mir konkret vor, was ich lerne und das schwankt je nach Situation sehr.

Wie schwer ist es, sich als junge Pianistin künstlerisch inmitten einer Unzahl gleichwertiger Musiker international zu profilieren?
Das ist eine Herausforderung, denn es gibt einfach so viele tolle PianistInnen. Ich denke aber, dass jede(r) seine eigenen Qualitäten und Ansätze hat und so konzentriere ich mich ganz auf die Musik und meinen persönlichen Zugang. Es ist letztlich ja diese Individualität, die die Musik und das Konzertleben so interessant und lebendig macht. Fritz Jurmann

Stream „The Sound of Spring“ ab 26. März unter www.thesoundofspring.com. Nächste Konzerttermine geplant: 24. April Chopin-Gesellschaft (Pförtnerhaus Feldkirch); 2. Mai Rheinberger-Gesellschaft (Rathaussaal Vaduz)

HANNA BACHMANN

Geboren 25. August 1993 in Feldkirch, wohnhaft in Wien und Röthis

AUSBILDUNG Rankweil, Landeskonservatorium (Ferenc Bognar), bei Florian Krumpöck in Wien, Mozarteum Salzburg (Pavel Gililov), Meisterkurse u.a. bei Elisabeth Leonskaja

WETTBEWERBE Stipendiatin der Stiftung „Musik & Jugend“ Liechtenstein, Richard-Wagner-Stipendium Vorarlberg 2017, zahlreiche Preise bei Wettbewerben

TÄTIGKEIT Konzerte in zahlreichen europäischen Staaten, den USA, Kanada, Mexiko, Israel; zwei CDs

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