Das Matterhorn als Hundehaufen

Kultur / 25.03.2021 • 21:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Matterhorn als Hundehaufen
“Schnee von gestern” von Lun.

Vorarlberg Museum und das Projekt SilvrettAtelier treiben Kunst und Natur auf die Spitze.

Bregenz Bei so viel Erhabenheit, die Bergen aufgemalt wurde, tut die humorvolle Betrachtungsperspektive, die das Vorarlberg Museum und das Projekt SilvrettAtelier bzw. dessen Leiter den Besuchern der neuen Ausstellung ermöglichen, durchaus gut. Wobei nicht klar ist, dass dies bei der Ansammlung von Werken unter dem Titel „2000 Meter über dem Meer“ für die die Teilnehmer am SilvrettAtelier zuständig sind und das Museum einiges aus dem Depot geholt hat, auch intendiert war. Beim Blick auf ein Matterhorn von Ottmar Hörl, das einem Hundehaufen gleicht, wird das Ordnungsprinzip, das sich Kathrin Dünser für die kuratorische Arbeit vornahm, nahezu obsolet. Der Berg als Idol, die Bezwingung, Nachbildung und Einverleibung desselben, das ist alles informativ und richtig, doch der wegen des Lockdowns ausgehungerte Rezipient sucht auch nach dem Erleben. Er findet es.

Etwas Didaktik ist gut und man hat viel Vorzeigbares. Etwa einen sehr steilen Piz Buin mit einer scheinbar in himmlische Sphären ragenden Spitze, den Mathias Schmid anno 1866 für einen Feldkircher Auftraggeber malte, der den Berg bestieg. Der Alpinismus hat erst spät ins Museum gefunden, erklärt Direktor Andreas Rudigier und erinnert daran, dass bei der Landesausstellung im Jahr 1887 in Bregenz ein Montafonerhaus mit Balkon gebaut wurde, um den Wunsch nach dem Blick auf die Landschaft zu betonen bzw. zu wecken. Er war nicht immer da, auch wenn das die Bilder von Malfatti, Braudisch, Zöhrer, Hanser etc. suggerieren, die durch künstlerische Erhöhung bruchlos hinüberleiten in eine kritische Bestandsaufnahme in der Gegenwart, wie sie etwa Karin Schneider-Meyer mit ihren vernagelten Bergen oder Harald Gfader mit philosophischem Background unternehmen.

Die Werke der Künstler des SilvrettAtelier, einem besonderen Symposion, das Roland Haas initiiert hat und mittlerweile biennal realisiert, schließen nahtlos daran an. Da sind die Spuren auf Montafonertischen, mit denen Regula Dettwiler Geschichte bündelt, da ist die subtile Landschaft mit Loch von Sabine Marte oder ein nicht schmelzender Gletscher aus Geschirrscherben von Markus Hiesleitner und vieles mehr. Die Schneekanonen von Lun und Heindl sind aus Abrissmaterial, das eine andere Geschichte von Naturgefahren und Ressourcenvergeudung erzählt. Ein dickes Katalogbuch liegt auf. Super, man hat lange etwas zu sehen im Museum und viel zu lesen zu Hause.

„Hochalpine Strukturen und technische Eingriffe verstehe ich als Teil unseres Seins.“

Matterhorn von Ottmar Hörl.
Matterhorn von Ottmar Hörl.
Das Matterhorn als Hundehaufen

“Porzellangletscher” von Hiesleitner.

Das Matterhorn als Hundehaufen
“Gravitationskollaps” von Lampert.
Das Matterhorn als Hundehaufen
“Landschaft mit Loch” von Sabine Marte.
Der Künstler Roland Haas leitet das SilvrettAtelier. vn/Paulitsch
Der Künstler Roland Haas leitet das SilvrettAtelier. vn/Paulitsch

Die Ausstellung ist im Vorarlberg Museum in Bregenz bis 27. Juni zu sehen, Di bis So, 10 bis 18 Uhr. Ein Katalogbuch “2000 Meter über dem Meer” liegt auf.