Ein Zeitloch tut sich auf und einer fällt heraus

Kultur / 09.04.2021 • 17:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
. . . spinnen im Zimmer . . .Stephan Alfare / Wolfgang ZeindlBucher235 Seiten

. . . spinnen im Zimmer . . .

Stephan Alfare / Wolfgang Zeindl

Bucher

235 Seiten

Stephan Alfare, in Wien lebender Vorarlberger, stöbert das Leben anderer auf, und Stephen King weiß nicht, wohin der Weg führt.

Romane, Lyrik Der 16. Wiener Gemeindebezirk ist Stephan Alfares Revier, wo er seit Jahrzehnten in ein und derselben Gasse wohnt. Hier liegt der Fokus seiner Lebensbetrachtungen in Romanform oder in Gedichten. Im aktuellen Fall sind es laut Eigendefinition „Prosagedichte“ unter dem Titel „… spinnen im zimmer …“, entstanden mit seinem Künstlerkollegen und Illustrator Wolfgang Zeindl, ein paar Straßen weiter entfernt wohnend – ein Gedichtband als ein lokales Gesamtkunstwerk sozusagen.

Die Welt in Ottakring

Wobei wir hiermit bereits bei einem wichtigen Merkmal dieses aufwendigen Gedichtbandes angelangt sind. Von Ottakring aus, des Dichters Nabel der Welt, wird das Leben erkundet. Mit Dosenbier und Selbstgedrehten geht es auf die Reise in schummrige Cafés, Branntweinkneipen, durch enge Gassen immer wieder in das Domizil des Dichters quasi, in dem er seine emsigen Mitbewohner beobachtet: Spinnen, Ameisen und auch manchmal ein paar Fliegen. Von der Fliege verläuft bei Alfare der Weg zur Barfly gut weiter, der ewigen Begleiterin eines gewissen Charles Bukowski. Bukowski bleibt der geistige Wegbereiter des Vorarlberger Dichters, auf den Alfare auch kurz durch die Erwähnung des kürzlich verstorbenen Übersetzers, Carl Weissner eingeht.

Über die letzten Dinge

Das Ableben des Übersetzers bringt uns zum nächsten Thema, dem Tod. Den umgarnt er in vielen seiner Werke. Ob plötzlich die greise Bäckerin nicht mehr in der Backstube steht, der einäugige Pezi und Herr Otto nicht mehr sind – Alfare fungiert als schreibender Humanist, der um Verständnis ringt. Das Leben wird hinterfragt und herausgefordert, gepaart mit präzisen Alltagsbeobachtungen, dem lachsfarbenen Ford Taunus, dem Budapester Vorstadtmädel und dem Söldner im Café Sarajevo und wie schon erwähnt mit einer anständigen Ladung Büchsenbier in Griffweite. Dazu passen auch Wolfgang Zeindls griffige Zeichnungen, die sehr stark von einer inneren Dramatik leben und die man sich an den Wänden eines Cafés am Brunnenmarkt vorstellen kann, die die Ottakringer Welt von gestern zeigen. Aber so wirklich über die letzten Dinge wird der Vorarlberger Autor wohl erst später berichten. Noch macht er gekonnt einen Bogen darum und schließt den Gedichtband mit dem Gedanken: „Es gibt Dinge, die kann man gar nicht aufschreiben, die gehen durch einen hindurch …“.

Das ging schon flotter

„Später“ benennt Stephen King seinen aktuellen Roman, den er selber in das Genre Horror einordnet. Wie in dem Genre üblich, lässt sich das Wesen des Romans auf einen Satz runterbrechen: Ein Junge kann mit Toten kurz nach ihrem Ableben noch Kontakt aufnehmen. Mit dieser Gabe hilft er auch seiner Mutter weiter, die so als Agentin den Roman eines überraschend verstorbenen Autoren aus ihrer Betreuung vollenden kann und so die Existenz der Familie rettet. Stephen King, immer auch als Chronist der phantastischen Welt tätig und ohne Abscheu vor Genre-Auslotungen, weiß bei „Später“ nicht wirklich, wohin es gehen soll, die Story kommt nicht in die Gänge. Natürlich ist es erster Klasse, wie er auf einigen Seiten die Charaktere hinbringt, aber die Erzählstruktur passt eher zum 5-Uhr-Tee als zur mitternächtlichen Geisterstunde. Ein typischer Roman zwischen großen Werken. Man darf also auf die nächste Großtat des Autors gespannt sein.

SpäterStephen KingHeyne303 Seiten

Später

Stephen King

Heyne

303 Seiten