Konzertbesucher weinten vor Glück

Kultur / 10.04.2021 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Konzertbesucher weinten vor Glück
Epos: Quartett mit Matthias Schorn.

Die Wiederauferstehung der Reihe „Musik in der Pforte“ wurde zum hochemotionalen Musikerlebnis.

FELDKIRCH Das war auch für „Pforte“-Verhältnisse ein ganz besonderes Konzert, mit dem die Wiederauferstehung der beliebten Konzertreihe im Pförtnerhaus signalisiert wurde. Zweige in jungem Grün symbolisierten den Aufbruch nach vielen Lockdown-Enttäuschungen, Testkontrollen, durchgehende Maskenpflicht und Abstände im Saal holten die einhundert Auserwählten im ersten von vier Konzerten in die fragile Realität der herrschenden Pandemie zurück. Doch man nimmt diese Einschränkungen diszipliniert auf sich, nur um wieder dabei sein zu können.

Auf der anderen Seite die Musiker, für die Kurator Klaus Christa versichert, wie sehr es ihnen Freude und Anliegen ist, wieder für ihr treues Publikum spielen zu dürfen: „Das ist das wahre Leben!“ Und kann sich zum Konzertbeginn um halb sechs einen gekonnten Seitenhieb auf die seit Monaten geltenden Ausgangsbeschränkungen nicht verkneifen: „Ich fühle mich heute in meine Kindheit zurückversetzt, denn auch damals mussten wir brav um acht Uhr zu Hause sein.“ Er hat den Saal damit auf seiner Seite, jeder lacht und freut sich auch, in welch exzellenter Qualität das Epos:Quartett als ständiges Ensemble der „Musik in der Pforte“ antritt. In dieser Besetzung findet man international routinierte Größen der Kammermusik wie Primaria Christine Busch, die ihre hohe Führungsqualität mit Bedacht zur Geltung bringt, oder die präsent verlässliche Verena Sommer an der zweiten Violine. Zu den beiden deutschen Musikerinnen kommt „Pforte“-Chef Klaus Christa, ob dessen Managertätigkeit man gern seine herausragende Stellung als Bratschist vergisst, der Franzose François Poly beeindruckt mit seinem sonoren Cellofundament ebenso wie mit seinen Qualitäten als Arrangeur.

Glanzpunkt

Es war, als hätte Franz Schubert bereits vor 200 Jahren in seinem seltsam bruchstückhaften Quartettsatz in c-Moll etwas von der Stimmung dieser Pandemie mitschwingen lassen: Bedrückung und Depression, die sich in einer dicht verflochtenen Interpretation Luft machen. Von da an beherrscht Matthias Schorn die Szene, unglaublich vielseitiger Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, der bei seinem „Pforte“-Debüt zum unangefochtenen Glanzpunkt wird. Schon die Erstaufführung einer gelungenen Bearbeitung François Polys von Robert Schumanns bekannten Fantasiestücken für Klarinette und Streichquartett anstelle des Originals mit Cello und Klavier wird zum Musterbeispiel, wie der Solist sich völlig uneitel zurücknimmt und total im Ensemble aufgeht, in den drei Stimmungen auch speziell die melancholisch dunklen Register mit wunderbar weichem Ton zur Geltung bringt.

Und dann kommt das, worauf alle gewartet haben, Mozarts singuläres Klarinettenquintett A-Dur mit seinem traumhaften Larghetto als zentralem Ruhepunkt und damit wohl eine der schönsten Melodien des Salzburger Meisters. Sein Landsmann Schorn, aus Vigaun gebürtig, macht dabei das wahr, was er tags zuvor im VN-Interview angekündigt hat: Er reproduziert diesen Satz nicht, sondern erschafft ihn im Sinne Harnoncourts wie neu, wie man ihn so hier wohl noch nie gehört hat, in einem aus dem Nichts auftauchenden Pianissimo, lebendig aufblühend und ganz ohne Zirkularatmung, weil er den buchstäblich langen Atem für die endlose Melodie auch so besitzt. Und spätestens hier wird dieses Konzert für die Zuhörer auch zum hochemotionalen Erlebnis: Weinen vor Glück.

Dass es auch diesmal kein „Pforte“-Konzert ohne das Werk einer Komponistin gibt, wie es Christas Grundanliegen ist, verschafft Valerie Capers kurze Aufmerksamkeit für zwei jazzige Winzigkeiten. Am Schluss herrscht dann pure Heiterkeit, als die drei Herren des Ensembles in einem alpenländischen Gstanzl in vokale Dreistimmigkeit ausbrechen und das Publikum geschlossen zu Standing Ovations ansetzt. Mit Maske natürlich. Fritz Jurmann

Weitere Konzerte: 9. April, 17.30 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch, 10. April, 10.30 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch; 17 Uhr Ritter-von-Bergmann-Saal Hittisau