Wo eine widerspenstige Orgel gezähmt wurde

Kultur / 12.04.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wo eine widerspenstige Orgel gezähmt wurde
Organist Bruno Oberhammer mit der Sopranistin Eva-Maria Heinzle. JU

Sopranistin Eva-Maria Heinzle wurde bei ihrem Debüt von Bruno Oberhammer begleitet.

BLUDESCH Mit Feiern war coronabedingt nichts im Vorjahr, obwohl man in der Kirche St. Jakob das 50-Jahr-Jubiläum der Orgelkonzertreihe begehen wollte. Heuer konnte man unter strengen Präventionsmaßnahmen vor einhundert erlaubten Besuchern zumindest das Eröffnungskonzert erfolgreich über die Bühne bringen. Der international anerkannte Organist Bruno Oberhammer ist nicht nur der Begründer dieser Konzertreihe, er ist auch deren „Seele“, wie das Vereinsobmann Karlheinz Worsch in seiner Begrüßung betonte, und hat für diese besondere Leistung auch das Große Verdienstzeichen des Landes erhalten.

Ehrensache, dass Oberhammer auch in dieser 51. Saison mutig vorangehen und als Erster in die Tasten der historischen Silbermann-Bergöntzle-Orgel greifen will. Sie wird neuerdings so benannt, weil musikwissenschaftliche Forschungen ergeben haben, dass Joseph Bergöntzle, der bisher als Erbauer dieses rund 250 Jahre alten Instruments galt, nur dessen Transporteur nach Bludesch war und die Orgel eigentlich von einem unbekannten Meister aus der berühmten Elsässer Silbermann-Orgelbauschule stammt. Die Tatsache bleibt, dass die alte mechanische Spieltraktur die perfekte Wiedergabe virtuoser Barockmusik auf diesem Instrument nicht gerade einfach macht und selbst einem langjährigen Kenner und Orgelmeister wie Bruno Oberhammer bei diesem Konzert einige Probleme bereitet. Es ist, als wolle er einem alten widerspenstigen Gaul seinen Willen aufzwingen, geht dabei letztlich aber als Sieger hervor.

Die kleinen Unsauberkeiten im Spiel gelten in diesem Fall nur als Reibungsverluste in einem spannenden Wettkampf zwischen Spieler und Materie um die Verwirklichung kostbarer und kunstvoller Partituren, bei denen letztendlich aber der Gesamteindruck, die Stilistik, der große Zusammenhang entscheidend sind. So beeindruckt im Programm im Besonderen das klar durchgehaltene Metrum bei immer rasanter werdenden Umspielungen in den Sweelinck-Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“, eine improvisatorisch sehr frei gestaltete Froberger-Toccata und die Vielfalt der Registerkombinationen in der fein ziselierten Pasquini-Partita über ein Saltarello-Thema. Ausschnitte aus Couperins „Messe pour le Convent“ werden als glänzender Abschluss in jene charakteristischen französischen Farben getaucht, die diese Elsässer Orgel verschwenderisch bereithält.

Neues Gesangstalent

Und dann ist da auch noch ein neues Gesangstalent, die 30-jährige Sopranistin Eva-Maria Heinzle aus Lustenau, die nach Abschluss ihres dreijährigen Studiums bei Clemens Morgenthaler am Konservatorium ihren ersten Auftritt in einer renommierten Konzertreihe absolviert. Mit verständlicher Nervosität am Beginn, die sich alsbald legt und eine gut sitzende, schön geführte junge Stimme voll Wärme und Charakter freigibt. In zwei geistlichen Konzerten von Grandi zeigt sich Heinzle intonationssicher, koloraturfreudig und mit guter Diktion, verbessert werden sollte noch die Leichtigkeit der Stimmführung. Drei geistliche Arien von Rathgeber wirken etwas laut und wenig differenziert. Das wird sich mit zunehmender Routine bestimmt ergeben, fürs Erste war es ein durchaus ambitioniertes, respektables Debüt. Fritz Jurmann

Rundfunk-Wiedergabe 10. Mai, 21.03 Uhr, Radio Vorarlberg

Nächstes Konzert: 30. Mai, 17 Uhr, Bludesch, Kirche St. Nikolaus – Barbara Nägele, Blockflöten, Eva-Maria Hamberger, Cembalo