Ein Leben im musikalischen Spannungsfeld

Kultur / 14.04.2021 • 21:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Joachim Pfefferkorn hat auch einige Lieder komponiert. Johannes Pfefferkorn
Joachim Pfefferkorn hat auch einige Lieder komponiert. Johannes Pfefferkorn

Der Kirchenmusikexperte und Volksmusiker Joachim Pfefferkorn ist 89-jährig verstorben.

FRASTANZ Ein Leben ohne Musik war für ihn unvorstellbar. Dabei machte Joachim Pfefferkorn nie einen Unterschied zwischen der gestrengen Kirchenmusik und der lockeren Volksmusik, im Gegenteil. Er genoss die extremen Kontraste im Spannungsfeld zwischen den beiden scheinbar so gegensätzlichen Bereichen. Mit gleicher Leidenschaft prägte er über zwei Jahrzehnte als oberster Referent der Diözese die Kirchenmusik in Vorarlberg und widmete sich als Leiter der Trachtensinggruppe Schruns sowie als Arrangeur und Komponist der Volksmusikpflege. Im Hauptberuf war er ein engagierter Lehrer und später Schuldirektor. Nun hat sich dieses Leben voller Musik erfüllt, Pfefferkorn ist im Alter von 89 Jahren verstorben.

Er kam 1931 in Schruns zur Welt und blieb im Herzen ein Leben lang Montafoner, auch als er 1980 aus beruflichen Gründen als Schuldirektor nach Frastanz übersiedelte. Der Blick bei gutem Wetter von seinem Haus in Mariex auf das Hochjoch wahrte diese emotionale Verbindung bis ins hohe Alter ebenso wie seine Mitgliedschaft im Kirchenchor Schruns und als Dekanatskantor, wie er in seinen Lebenserinnerungen von 2004 schreibt. Schon in der Volksschule bekam er von den musikalischen Eltern eine Geige in die Hand gedrückt und spielte 30 Jahre im Stadtorchester Bludenz. „Meine besondere Liebe gehörte aber schon bald der Kirchenmusik“, erinnerte sich Pfefferkorn später. Er trat mit 20 dem Kirchenchor Schruns bei, als Geiger und Tenor. Schon kurze Zeit später übernahm er dort das Amt des Dirigenten, das er über 40 Jahre bis 2000 ausführte und als Chronist genauestens dokumentierte.

Kirchenmusikreferent der Diözese

Bald war man auch in der Diözese auf den Chorleiter aufmerksam geworden. 1964 ernannte man Joachim Pfefferkorn zum Montafoner Dekanatskantor, 1978 wurde er Kirchenmusikreferent der Diözese Feldkirch. Er erfüllte seine Aufgabe über zwei Jahrzehnte als oberster Chef der Kirchenchöre im Land mit großer Umsicht und Verständnis für die Anliegen der Sänger, organisierte Dekanatskonzerte und diözesane Werkwochen, gab den Chören Literaturtipps, gewährte Subventionen und wirkte beratend bei Orgelprojekten.

Als gelerntem Volksschullehrer war Pfefferkorn auch die musikalische Ausbildung der Jugend ein Anliegen: „Noch bevor die Musikschule Montafon existierte, unterrichtete ich Privatschüler auf Klavier und Violine.“ Daraus ergab sich seine Liebe zum Volkslied, zu Brauchtum und Heimatpflege. Er baute in der von ihm geleiteten Trachtengruppe Schruns eine leistungsstarke Singgruppe auf und trat damit bei den beliebten sommerlichen Heimatabenden auf. Auch wirkte er an der Erstellung des Montafoner Heimatbuches mit und arbeitete im Vorarlberger Volksliedwerk an verschiedenen Sammlungen von Volksliedern mit, für die er auch eigene Chorsätze und Kompositionen schrieb. Am bekanntesten wurde sein Lied „Lueg, wie tritt min Schatz daher“.  Für seine Verdienste wurde er zum Oberschulrat ernannt und erhielt u. a. die Ehrengabe des Landes für Kunst und Wissenschaft und das Silberne und Goldene Verdienstzeichen der Diözese Feldkirch. JU