Morgens um sechs am Klavier

Kultur / 16.04.2021 • 19:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Studierenden und Kollegen am Landeskonservatorium hat Anselm Hartmann in seiner Zeit als Direktor mit Klavierklängen empfangen. Ju
Die Studierenden und Kollegen am Landeskonservatorium hat Anselm Hartmann in seiner Zeit als Direktor mit Klavierklängen empfangen. Ju

Der vielseitig wissenschaftlich gebildete Musiker Anselm Hartmann wirkt heute vor allem projektorientiert.

RANKWEIL Als Direktor des Landeskonservatoriums hat der gebürtige Aachener seine Spuren in der Musikszene des Landes hinterlassen. Inzwischen waren seine Erfahrungen bei musikalischen Events des Feldkirch Festivals, der Chopin-Gesellschaft, des Windwerk-Projekts und des Rotary-Clubs gefragt. Nie vernachlässigt hat Hartmann bei alledem seine Liebe zum Klavier.

 

Man erzählt sich, zu Ihrer Zeit als Direktor des Konservatoriums hätten Sie jeden Morgen bei Dienstantritt im Büro zunächst Klavier gespielt?

HARTMANN Ja, ich habe den frühen Morgen, oft ab sechs, halb sieben Uhr, zum Üben genutzt, bevor ich mich Leitungsthemen gewidmet habe. Die Studierenden und Kollegen sind mit Klavierklängen empfangen worden.

 

Heißt das, dass auch bei allen weniger künstlerischen Tätigkeiten, die Sie auch heute noch ausüben, Ihre Neigung zum Klavier unverändert groß ist?

HARTMANN Das Klavier spielt in meinem Leben eine dauerhafte Rolle. Die CD „Passions“ 2019, gemeinsam mit Martina Gmeinder, und auch die für dieses Jahr noch geplante Solo-CD geben Zeugnis davon. Auch in meine wirtschaftlichen Beratungen fließen kreative Elemente ein.

 

Sie waren ja im Auftrag des portugiesischen Bildungsministeriums vier Jahre lang als Konzertpianist in Europa unterwegs.

HARTMANN Dies war für mich ein besonders inspirierendes Projekt. In Portugal habe ich gemeinsam mit einem renommierten Pädagogen viel für den Rundfunk aufgenommen.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre drei Jahre von 2003 bis 2006 am Konservatorium, was konnten Sie damals ausbauen und entwickeln?

HARTMANN Die wichtigste Entwicklung galt sicher der Verhandlung sowie inhaltlichen und rechtlichen Konzeption eines Kooperationsvertrags mit der Musik-
universität Mozarteum Salzburg. Durch diese Kooperation konnte und kann weiterhin den Studierenden ein akademischer Bachelor-Abschluss angeboten werden. Wichtig waren auch die Unterzeichnung der Erasmus-Charta und der Aufbau eines Netzwerks mit anderen europäischen Institutionen.

 

Ich kann mich an Ihren Orgel-Improvisationswettbewerb damals mit internationaler Beteiligung erinnern, das war ziemlich spektakulär.

HARTMANN Wir hatten einige der weltbesten Organisten eingeladen und ihnen erst am Konzertabend die Aufgaben gestellt, z. B. zu Gemälden von Vorarlberger Künstlern zu improvisieren. Die Verblüffung und Begeisterung des Publikums haben sich mir tief eingeprägt.

 

Im Hauptberuf sind Sie seither Unternehmensberater – was kann man sich konkret darunter vorstellen, welche Art Firmen beraten Sie auf welche Weise?

HARTMANN Ja, ich bin hauptberuflich selbständiger, systemischer Unternehmensberater, nach europäischen Normen zertifiziert, mit Firmensitz in Rankweil. Ich berate in einem breiten Spektrum, das von kleinen und mittelständischen Unternehmen über Universitäten, etwa in Akkreditierungsfragen, Kulturunternehmen, öffentliche Hand und Kirche bis zur Beratung von Einzelpersonen in Lebenskrisen reicht. Themen sind dabei z. B. Strategieprozesse, Gründungs- und Turnaround-Beratungen, Konzept-
entwicklungen und eben Krisenmoderationen. Ich bin sehr dankbar für diese vielfältige Arbeit, in der ich manches bewegen darf.

 

Neben dieser Tätigkeit haben Sie Ihre Erfahrung auch bei musikalischen Projekten eingebracht, etwa als Geschäftsführer beim FeldkirchFestival unter Philippe Arlaud.

HARTMANN Die kaufmännische Geschäftsführung, verbunden mit der Funktion als Dramaturg und Musikvermittler, die Pflege der nationalen und internationalen Kontakte, die Suche nach dem noch „Ungehörten“ und anderes habe ich als sehr spannend erlebt.

 

Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Chopingesellschaft, bei deren Veranstaltungen das Klavier im Vordergrund steht, naheliegend für Sie?

HARTMANN Die Förderung des begabten regionalen Nachwuchses und die Veranstaltung von Konzerten mit arrivierten Künstlern sind mir weiterhin ein Anliegen.

 

Und Sie gehören auch dem Rotary-club an, der zuletzt mit einem hoch dotierten genreübergreifenden Wettbewerb hat aufhorchen lassen?

HARTMANN Die Vorarlberger Rotary Clubs haben im Oktober 2020 einen interdisziplinären Musikpreis ausgesetzt, um professionellen Künstlern in der Pandemie eine interessante Perspektive zu bieten und sie zu unterstützen. Die kreative Resonanz darauf war großartig.

Zur Person

ANSELM HARTMANN

GEBOREN 1959 in Aachen, wohnt in Rankweil

AUSBILDUNG Studium Klavier und Violoncello Musikhochschule Köln/Aachen; Musikwissenschaften, Pädagogik, Philosophie, Germanistik, Romanistik, Uni Köln, betriebswirtschaftliche Ausbildung in St. Gallen

TÄTIGKEIT Konzertpianist, Lehraufträge an Universitäten, Akademien und Konservatorien, Direktor der Kirchenmusikschule Aachen, ab 2000 Universitätsprofessor für Klavier und Musikwissenschaften an der Universität Porto, 2003 bis 2006 Direktor des Vorarlberger Landeskonservatoriums, seit 2007 Unternehmensberater

FAMILIE verheiratet, eine Tochter

20. April, 18 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch: Preisträgerkonzert Rotary-Wettbewerb; 24. April, 18 Uhr,  Klavierabend der Chopingesellschaft mit Hanna Bachmann.