Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

„Sprich nur ein Wort“

Kultur / 16.04.2021 • 21:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wir alle kennen diesen Satz aus der Liturgie der katholischen Kirche. Maximilian Lang hat ihn als Titel für sein Stück über Franz Michael Felder gewählt, das vor einer Woche beim Vorarlberger Landestheater uraufgeführt wurde. Ganz hat sich mir diese Wahl – wie auch anderes – nicht erschlossen. Weil mir nach der Aufführung einiges unklar war, habe ich beim Theater um den Stücktext gebeten, ihn freundlicherweise auch sofort bekommen. Dafür ist erstens zu danken, zweitens auch für den Mut von Intendantin Stephanie Gräve, einem jungen Vorarlberger Autor dieses Thema anzuvertrauen. Ganz einfach war das natürlich nicht, nicht für den Autor, nicht für das Theater. Denn es gibt wohl keine Person in diesem Land, über die sich schon so viele ein Bild gemacht haben wie über Franz Michael Felder. Da hat jeder seine eigene Vorstellung, wohl auch jeder seine eigene Wahrheit. Das gilt auch für mich.

Maximilian Lang hat sich seiner Aufgabe in besonderer Art entledigt. Er hat dem, um den sich alles in dem Stück dreht, nämlich Franz Michael Felder, keine eigene Rolle gegeben. Über Felder wird lediglich von vier Personen gesprochen. Wobei auch das nicht wirklich richtig ist, denn es finden keine Gespräche, keine Dialoge statt. Es sind lediglich aneinandergereihte Monologe, Beurteilungen der Person Felders durch seinen Schwager Kaspar Moosbrugger, durch Pfarrer Johann Georg Rüscher, die Pfarrersköchin und Marianne, jene Frau, die nach dem Tod von Felders „Wible“ den Haushalt führte und die Kinder betreute. Alles spielt sieben Jahre nach dem Tod Felders, zur Zeit des bekannten Streites um die Errichtung des Felder-Denkmals in Schopperau.

Das Problem ist: Leben und Wirken von Franz Michael Felder gehören in Vorarlberg zum Bildungskanon. Abweichungen davon sind zwar für einen Autor, der ein Stück über Felder schreibt, erlaubt, sie sorgen aber unabhängig davon für Irritation. So etwa, wenn der widerwärtigste Gegner Felders, Pfarrer Rüscher, in verklärter Rückschau die Möglichkeit sieht, dass Felder und er doch gemeinsam etwas hätten erreichen können. Oder wenn Marianne auftritt, die ganz offensichtlich in Liebe zu Felder entbrannt ist – und solche auch von ihm zu ihr zu erkennen glaubt. Ich erlaube mir die Frage, ob auch nur ein geringer Teil des Publikums die Person Marianne richtig zuordnen konnte. Ich glaube das nicht, fürchte ähnliches auch für die Pfarrersköchin, die hier eine dominierende, erklärende Rolle hat, in Felders Leben aber nicht zu erkennen ist. Kurz: Ich meine, dass ich nicht der Einzige im Saal war, der das Theater etwas ratlos verlassen hat. Auch – und besonders – nach Lektüre des Stücks.

„Ich meine, dass ich nicht der Einzige im Saal war, der das Theater etwas ratlos verlassen hat.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.