Die ewige Geschichte des Verkannten und Unaussprechlichen

Kultur / 27.04.2021 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szene aus der Produktion „Schlafes Bruder“ des Vorarlberger Landestheaters mit Nico Raschner, Maria Lisa Huber und Luzian Hirzel. lt/köhler
Szene aus der Produktion „Schlafes Bruder“ des Vorarlberger Landestheaters mit Nico Raschner, Maria Lisa Huber und Luzian Hirzel. lt/köhler

„Schlafes Bruder“ kommt, inszeniert von Teresa Rotemberg, auf die Bühne des Landestheaters.

Bregenz 1992 erschien der Roman von Robert Schneider. Ob er gelesen, die daraus entstandene Oper erlebt wurde, ob der Film gesehen wurde oder ob man sogar selbst damals als Statist mitwirken durfte – viele haben zu „Schlafes Bruder“ eine Beziehung. Nun hat der Roman seinen Weg auf die Bühne des Landestheaters gefunden. Regisseurin Teresa Rotemberg, die sowohl für Inszenierung als auch Choreografie verantwortlich zeichnet, beschreibt dies als „ganz neue Herausforderung“. Die ursprüngliche Idee eines Tanztheaterstückes – Rotemberg selbst ist ausgebildete Tänzerin und Choreografin – verschwand mit der mehrmaligen Lektüre des Romans. „Wir haben uns immer mehr in den Text und die wunderbare Sprache verliebt und wollten diese auch im Stück verwenden.“

Erzählen, nicht bewerten

Rotemberg hat sich für ihren „Schlafes Bruder“ stark an den Hauptfiguren Elias, Elsbeth und Peter orientiert und bleibt somit ganz nahe an der Romanvorlage dran. Dennoch zeigt sie die Geschichte in anderer Form. Sie möchte sie erzählen, aber nicht bewerten oder ein Urteil abgeben. Sie möchte zeigen, wie es ist, wenn Talent nicht nur verkannt, sondern nicht gewünscht wird, wenn Liebe nicht gezeigt oder missverstanden wird, wenn eine Gesellschaft einen einfach nicht akzeptiert und wenn das richtige Ereignis zur falschen Zeit kommt. „Ich erzähle die Geschichte, interpretieren soll sie jeder selber“, so Rotemberg. Worauf die Regisseurin verweist, sind auch einige tragikomische Stellen. „Diese finden sich auch im Roman und sie sind wichtig. Denn immer, wenn es am härtesten kommt, muss man die Leichtigkeit finden, sonst geht es nicht weiter.“

Emotion, Tanz und Musik

Die Menschen in Eschberg, dem „fiktiven“ Handlungsort, sind Bauern. Sie arbeiten hart und Gefühle werden nicht ausgedrückt. Doch „Schlafes Bruder“ ist voll von Emotionen. Wo das Gefühl seinen Ausdruck in Worten nicht findet, werden Körpersprache, Tanz, Bewegung und Musik eingesetzt. „Die Natur und das Magische vermischen sich häufig in diesem Werk. Für die magischen Momente, wenn Elias zum Beispiel Orgel spielt, nützen wir Orgelmusik und Bewegung.“ Die Präsenz der Orgelmusik hat sich laut Rotemberg irgendwie ergeben und plötzlich war klar, „sie muss da sein, sie ist jetzt ganz zentral geworden“. Musikverantwortlicher Marcel Babazadeh hatte die Idee, Pater Theo Flury einzubinden. Markierte Textpassagen wurden von ihm auf der Orgel improvisiert. Naturgeräusche, des Teufels Lachen, der Herzschlag und einiges mehr wurden von ihm und Babazadeh in der Abtei Einsiedeln auf der Orgel eingespielt.

Rotemberg lässt „Schlafes Bruder“ im Wald spielen. Aus dem Wald heraus entstehen die Szenenbilder. So zeigt Rotemberg, dass alles aus der Natur entsteht, unsere Abhängigkeit davon und die Kraft der Natur. „Im Stück verbrennt das ganze Dorf wegen eines Föhnwindes. Die Natur ist immer stärker.“

„Ich erzähle die Geschichte, interpretieren soll sie jeder selber.“

Die ewige Geschichte des Verkannten und Unaussprechlichen

Die Premiere von “Schlafes Bruder” nach dem Roman von Robert Schneider findet am 29. April, 18 Uhr im Theater am Kornmarkt in Bregenz statt: landestheater.org