Keine Kontrolle

Kultur / 30.04.2021 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Keine Kontrolle
In der Galerie 9und20 sind mehr als zwei Dutzend Arbeiten von Lorenz Helfer zu sehen. VN/HF

Lorenz Helfer zeigt mit „Seit Bregenz“, wie weit Spannung gehen kann.

Bregenz Wenn man den üblichen Quellen für gefährliches Halbwissen Glauben schenken darf, dann entstanden die ersten Siedlungen im Gebiet des heutigen Bregenz etwa 1500 vor Christus. Es brauchte also nur an die schlappe 3517 Jahre bis zur Ankunft von Lorenz Helfer.

Den 1984 in Hohenems geborenen und in Wien ausgebildeten Helfer zog es 2017 zurück nach Vorarlberg, direkt in die Festspielstadt. Gemalt und gezeichnet hat er eigentlich immer viel, richtig Schwung nahm seine künstlerische Tätigkeit allerdings erst wieder mit dem Bezug seines Ateliers im Schoeller-Areal im letzten Jahr auf. Zum Arbeiten braucht man schließlich auch dementsprechend Platz. Und als nichts anderes als Arbeit bezeichnet Helfer seinen Prozess. „Malen ist unglaublich anstrengend, man steht unter einer enormen Spannung, gerade was die Konzentration anbelangt. Die Farbe verändert sich auf der Leinwand, sie rinnt, sie ist nie zu hundert Prozent kontrollierbar. Für ein Gesicht, das man in einer Minute gemalt hat, braucht es teils monatelange Vorarbeit“, erklärt der Künstler.

Kalt-Warm-Kontrast

Durch seine akademische Ausbildung kann Helfer von sich selbst behaupten, den menschlichen Körper und seine Proportionen genauestens zu kennen, wie er sich bewegt, wie er dasteht, wie er sich anlehnt. „Damit ich überhaupt damit spielen kann, muss ich die Form verstehen, mit der ich spiele.“ Auf seinen Bildern sind größtenteils zwei Figuren zu sehen, es ist allerdings nicht auszumachen, wie diese zueinander stehen, klar ist jedoch, dass zwischen ihnen eine Spannung herrscht.
Helfer legt großen Wert auf Technik. Die Werke leben vom Kalt-Warm-Kontrast in den Grundfarben im Spiel mit dem Licht. Die leuchtend weiße Grundierung, die im Idealfall jedes Weiß im Bild verantwortet, lässt Durchlässigkeit und Lebendigkeit entstehen.

Lorenz Helfers Ausstellung Bregenz Galerie9und20
Lorenz Helfers Ausstellung Bregenz Galerie9und20

Er sucht sich immer eigene Wege abseits der akademischen Norm, um zum Ziel, dem fertigen Bild, zu gelangen. „Ich probiere, es für mich so richtig wie möglich zu machen. Jeder Strich, der radiert wird, ist nicht mehr so lebendig wie einer, der durchgezogen wird.“ Natürlich bedient Helfer ein Klischee, wenn er sagt, dass der Pinsel bei ihm eine Verlängerung des Arms ist. Doch ab und an darf man sich, um der Wahrheit näherzukommen, auch solcher Phrasen bedienen.

Erfahrungen, Hoffnungen, Ängste

Für seine aktuelle Ausstellung „Seit Bregenz“ in der Galerie 9und20 hat der Künstler Werke der vergangenen zwölf Monate gewählt. Einen Raum zu betreten, in dem Bilder von Lorenz Helfer hängen, hat immer etwas Magisches. Das mag zum einen am einzigartigen Stil des Künstlers liegen, zum anderen aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass jedes Bild vom Betrachter sehr viel Emotion einfordert. Das ist Arbeit an sich selbst. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, zumindest einen Teil davon, und die muss sich jeder aus seinen Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten selbst imaginieren. Das ist vielleicht nicht immer angenehm, aber Bequemlichkeit ist auch nicht die Aufgabe des Künstlers und die der Kunst schon gar nicht. In Helfers Worten klingt das so: „Was Kunst erst richtig interessant macht, ist, wenn der Künstler ganz persönlich wird. Mir geht es um Authentizität, nicht um Originalität.“

Am Samstag, 1. Mai, gibt Helfer ab 11 Uhr eine Führung durch die Ausstellung. Das wird für ihn wie für die Besucher ein Tag der Arbeit.

„Seit Bregenz“ von Lorenz Helfer ist noch bis 7. Mai in der Galerie 9und20 in der Kirchstraße 29 in Bregenz zu sehen. Mehr Informationen auf www.galerie-bregenz.com.