“Von nun an kein Pfuscher mehr”

Kultur / 22.05.2021 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Von nun an kein Pfuscher mehr"
Gemälde von Ferdinand Hodler und Möbel der Wiener Werkstätte aus seiner ehemaligen Wohnung in Genf in der neuen Ausstellung in Zürich. KUNSTHAUS ZÜRICH/CANDRIAN

Tobias G. Natter zeigt im Kunsthaus Zürich, was Ferdinand Hodler der Wiener Secession verdankt.

Zürich Viel Publikum, reicher Zuspruch, gute Presse und zahlreiche Verkäufe: Die Ausstellung von Ferdinand Hodler (1853-1918) im Jahr 1904 in der Wiener Secession verführte den Schweizer gar zum Ausdruck, dass er nun “kein Pfuscher” mehr sei. Der internationale Durchbruch war gelungen. Wichtigster Käufer war damals der österreichische Industrielle Carl Reininghaus, Verfechter der Avantgarde, auch Förderer von Klimt und Schiele, der ihn porträtierte. Nach seinem Tod veräußerten die Erben in den 1930er-Jahren Teile der Sammlung, bedeutende Gemälde von Hodler, wie etwa “Der bewunderte Jüngling”, auf dem sich vier Frauen einem jungen Mann zuwenden, kamen zurück in die Schweiz. Nicht unbedingt ein Vorteil, meint der Kunsthistoriker Tobias G. Natter. Die internationale Bekanntheit Hodlers bleibt weitaus geringer als jene von Gustav Klimt (1862-1918), den er in Wien kennenlernt und von dem er das berühmte Werk “Judith I” erwirbt. Hodlers Witwe Berthe hatte es dem Kunsthaus Zürich angeboten, man lehnte ab, es kommt nach Wien, ist aber nun bis Ende August in Zürich zu sehen.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Ferdinand Hodler 1904 in der Wiener Secession. <span class="copyright">ÖNB</span>
Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Ferdinand Hodler 1904 in der Wiener Secession. ÖNB

Derlei Geschichten sind in der von Natter, dem bekannten Experten für die Zeit um 1900, kuratierten Ausstellung “Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte” ergiebig zu erkunden. Im Kern geht es um eine Dreiecksverbindung, deren Betonung inklusive des Verweises auf die Wiener Werkstätte-Filialen in der Schweiz an der Zeit war. Dargestellt sind die Grundprinzipien der Werkstätte, diese Gleichstellung von Kunst und Design, die erst vom Bauhaus wieder aufgegriffen wurde. Objekte, die die Radikalität der Entwürfe für Alltagsgegenstände und Gebäude, die Reduktion in der Gestaltung in einer Zeit verdeutlichen, in der noch dem Historismus gefrönt wurde, sowie das eigenständige Werk von Werkstätten-Leiter Dagobert Peche (1887-1923) bieten Vertiefung.

Gemälde von Gustav Klimt sind ebenfalls zu sehen wie Dokumente zu den Filialen der Wiener Werkstätte in der Schweiz. <span class="copyright">Kunsthaus Zürich/Candrian</span>
Gemälde von Gustav Klimt sind ebenfalls zu sehen wie Dokumente zu den Filialen der Wiener Werkstätte in der Schweiz. Kunsthaus Zürich/Candrian

Jene Wohnung, die Hodler 1913 in Genf bezieht, lässt er von der Wiener Werkstätte ausstatten. Die markanten Stücke (etwa Tische von Hoffmann) bilden mit Hodlers erwähntem “Jüngling” oder dem Gemälde “Die Wahrheit” den Kern einer Ausstellung, die als vielschichtiges Dokument eines wesentlichen Aspekts in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte les- und erlebbar wird.

Schuhe von Edith Schiele mit einem Stoff nach Motiven der Wiener Werkstätte. <span class="copyright">Albertina</span>
Schuhe von Edith Schiele mit einem Stoff nach Motiven der Wiener Werkstätte. Albertina

Geöffnet ist die Ausstellung “Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte” im Kunsthaus Zürich bis 29. August, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Mi, Do bis 20 Uhr: www.kunsthaus.ch